Le grand méchant renard et autres contes... (2017)

Le grand méchant renard et autres contes... (2017)

Der kleine Fuchs und seine Freunde - Das grosse Kinoabenteuer
  1. 79 Minuten

Filmkritik: Vom ängstlichen Fuchs und den Kampf-Hühnern

15. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2017
"Ehm, wenn wir doch nur Google-Maps hätten"
"Ehm, wenn wir doch nur Google-Maps hätten"

Drei Epidsoden aus dem Alltag auf einer kleinen Farm in Frankreich: Ein Schweinchen, ein Hase und eine Ente erhalten die vertrauensvolle Aufgabe, ein menschliches Baby auszuliefern, da der Storch dazu keine Lust hat. Dieser gibt nämlich hinterlistig an, sich am Flügel verletzt zu haben und nicht mehr fliegen zu können. Fortan machen sie sich auf den Weg zur erhaltenen Adresse, denn falls sie das Kind zu spät abliefern, wird dieses zum Waisenkind werden. Eine abenteuerliche Reise mit exotischen Bekanntschaften und vielen Missgeschicken nimmt ihren Lauf.

"Keine Angst, keine Angst, keine Angst vom bösen Wolf"
"Keine Angst, keine Angst, keine Angst vom bösen Wolf"

Ein Fuchs möchte dem grossen Wolf imponieren und wäre liebend gerne ebenso gefürchtet wie dieser. Als sie der Henne ihre Eier klauen, schlüpfen daraus Küken und suchen sich sofort den Fuchs als Ersatz-Mama aus. Was nun, da er sich für die Küken verantwortlich fühlt, aber doch dem Wolf nacheifern wollte?

Weihnachten steht vor der Türe, doch der Weihnachtsmann scheint in grosser Gefahr zu sein. Dem muss unbedingt Einhalt geboten werden, finden Hase, Ente und Schweinchen. Gesagt, getan: Schliesslich sollen alle Kinder rechtzeitig ihre Geschenke erhalten.

Le grand méchant renard et autres contes... überzeugt mit grossem Schalk und feinem Humor. Mit passendem Kapellen-Soundtrack und einer Rahmenhandlung im Theater-Design werden drei Episoden erzählt. Die gezeigten Sequenzen sind allesamt komödiantisch geprägt, was für gute Unterhaltung sorgt. Der Stil der Animation ähnelt jenem eines Comics, auf dem der Film auch basiert, wenn er auch am Computer in 2D-Animation hergestellt worden ist.

Le grand méchant renard et autres contes... ist das neuste Werk von Benjamin Renners, dem Regisseur des fantastisch herzerwärmenden Ernest & Célestine. Der Zeichnungsstil der Charaktere bleibt weitgehend gleich, es sind klassische Zeichentrickfilme, zweidimensional und mit wenig Tiefe ausgestattet, die Figuren reduziert auf ein Minimum. Dabei besteht durchaus eine stilistische Ähnlichkeit zu japanischen Genrevertretern. Die drei Episoden sind thematisch nicht zusammenhängend und dauern je ungefähr 25 Minuten. Zur Gliederung werden die Episoden als Theaterstücke angekündigt, mit witzigen Ansagen des Fuchses und weiterer Hauptcharaktere, inklusive rotem Vorhang und Bau des Bühnenbildes.

Mit viel Schalk und Slapstick werden die drei Geschichten erzählt und bereiten den Zuschauern beste Unterhaltung. Nicht alle Episoden weisen allerdings denselben Unterhaltungswert auf. Die erste "Auslieferung" eines Babys sticht dabei hervor, hier reiht sich Joke an Joke, die Idee ist abgefahren und spannend. Mit dem Storyteil des Maki (Halbaffe) gelingt der endgültige Durchbruch, was die Beanspruchung der Lachmuskeln angeht. Die Story hat eine klare Handlung, verfolgt einen roten Faden und weiss sehr zu gefallen.

Darauf folgt - nach erneuter Ansage, bei welcher der Fuchs die vierte Wand durchbricht und sich direkt an den Zuschauer wendet - die zweite Episode, welche für den Film auch titelgebend ist: der grosse, böse Fuchs. Dieser Storyteil ist etwas weniger komisch als der erste und wirkt teilweise etwas in die Länge gezogen. Die dritte und letzte Episode beschäftigt sich mit Weihnachten und dem Weihnachtsmann, auch sie erreicht nicht ganz den Lachfaktor der ersten Episode. Dennoch sind alle drei Geschichten durchaus sehr unterhaltsam. Mit viel Liebe gezeichnet, können die vielschichtigen Figuren nicht nur Kinder, sondern ebenso das erwachsene Publikum überzeugen.

Bei der Wahl der Figuren wird auf einige Stereotype zurückgegriffen. Dass der Wolf der Bösewicht, die Hühner die Gejagten und der Fuchs der Schlaue sind, war bereits in diversen Märchen der Fall, dies stört aber überhaupt nicht, da gewisse Eigenschaften halt charakteristisch sind für die verschiedenen Tiere. Hinzu kommt, dass sich die Figuren entwickeln während der Sequenzen und charakterlich definitiv Entwicklungen durchmachen, was sie noch interessanter macht.

Le grand méchant renard et autres contes... fügt so drei Kurzfilme zusammen und formt daraus einen Langfilm. Dies ermöglicht zwar ein kurzes Abtauchen in eine Welt, es entsteht dabei aber keine zusammenhängende Story, welcher sich die Zuschauer hingeben könnten. Zusammengehalten wird der Film durch die Theater-Szenen zwischen den Sequenzen, mit pfiffigem, lüpfigem Kapellenmusik-Blasorchester-Soundtrack. Eingenäht wurden zudem diverse Referenzen auf die Popkultur, seien dies ein Bild im Andy-Warhol-Stil in der Hütte des Schweinchens oder eine Flugszene vor dem Vollmond, welche stark an E.T. erinnert. Nice work!

/ yab