Good Time (2017)

Good Time (2017)

  1. ,
  2. 100 Minuten

Filmkritik: Run, Robert, Run

70e Festival de Cannes 2017
"I'm blue da ba dee da ba die..."
"I'm blue da ba dee da ba die..."

Der geistig zurückgebliebene Nick Nikas (Benny Safdie) sitzt gerade bei seinem Therapeuten, als sein Bruder Connie (Robert Pattinson) in die Sitzung platzt. Er meint, dass Nick nun sofort mit ihm mitkommen müsse. Schnell wird auch klar warum: Connie hat einen Banküberfall geplant, und der soll jetzt gleich durchgeführt werden. Nachdem es den Brüdern ohne Gewalt gelungen ist, Geld aus der Bankkasse und auch ein bisschen auf dem Safe zu stehlen, scheint die Welt in Ordnung zu sein. Doch dann detoniert auf der Flucht eine Farbbombe in der Geldtasche. Es dauert so nicht lange, bis die Polizei auf die beiden aufmerksam wird und Nick in Gewahrsam nimmt.

Robert hatte auch schon bessere Tage.
Robert hatte auch schon bessere Tage.

Da Connie weiss, dass sein armer Bruder keine Nacht im Knast überleben würde, bringt er das gestohlene Geld zu einem Pfandleiher, der die Freilassung erwirken soll. Nur dumm, dass viele Scheine aufgrund der Farbe unbrauchbar geworden sind und Connie nun 10'000 Dollar zu wenig hat. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als das Geld schnellstmöglich irgendwie zu beschaffen. Koste es, was es wolle...

Good Time ist ein wilder Ritt, der zwar nicht immer leicht zum Ansehen ist, jedoch mitreissend und packend inszeniert wurde. Robert Pattinson überzeugt als Typ, der sich und seine Mitmenschen in die Scheisse reitet und verzweifelt versucht, alles wieder geradezubiegen. Ein rastloser, wilder, extremer, spannender und mitreissender Streifen. Definitiv eine "Good Time".

Ganz am Ende des Abspanns von Good Time danken die Regisseuren-Brüder Josh und Benny Safdie nicht nur dem einflussreichen Schaffen von Oscarpreisträger Martin Scorsese, sondern auch dem aufputschenden Getränk Red Bull. Die wilde Inszenierung und Rastlosigkeit ihres Filmes lässt erahnen, dass die ganze Crew wohl jede Menge davon konsumiert hat. Flügel verlieh es dem Film zwar keine, aber ein spannender Streifen ist dabei definitiv herausgekommen.

Die Safdie-Brüder sind bekannt dafür, dass ihre Filme hässlich sind. Ihr letzter Film, das Drogen-Drama Heaven Knows What, war mit seiner Gnadenlosigkeit schwere Kost. Im Gegensatz dazu ist Good Time fast schon massentauglich. Doch auch hier gibt es unschöne Szenen aus nicht so schönen Ecken von New York zu sehen. Der Film beginnt zwar mit einem Helikopter-Shot, doch sollte man sich davon nicht beirren lassen. Denn danach geht es gleich runter ins Gewühl.

Da die Safdies die ganze Handlung in einer Nacht spielen lassen, geht hier immer was. Wie sein Protagonist ist auch der Film ständig in Bewegung. Selten gibt es mal eine ruhige Minute. Und wenn es einmal eine zu geben scheint, befindet man sich in einer unangenehmen Situation, aus welcher man als normaler Mensch schnellstens wieder ausbrechen möchte. Wilde Schiessereien oder Explosionen sucht man dabei jedoch vergebens. Es ist ein kleiner, dreckiger Film um verzweifelnde Menschen, die in extreme Situationen getrieben werden und mit ihren zur Verfügung stehenden Mittern versuchen, daraus herauszukommen.

Der Hauptgestresste wird von Robert Pattinson gespielt, der hier eine der besten Leistungen seiner Karriere zeigt. Dies hat auch damit zu tun, da er im Gegensatz zu früheren Auftritten endlich mal richtig das Maul aufmacht und nicht einfach nur herummurmelt. Als dauergestresster Krimineller läuft Pattinson zur Hochform auf. Verstärkt wird sein Schauspiel durch einen fast schon psychodelischen Synthesizer-Soundtrack, der an den Nerven zerrt.

Man mag zwar Mühe haben, sich mit Pattinsons Figur zu identifizieren. Doch fällt dies nicht gross ins Gewicht. Good Time unterhält formidabel für 100 Minuten und lässt den Zuschauer am Ende ein bisschen gerädert zurück. Das hier ist lebendiges Kino, das nicht so schnell vergessen wird. Ein Rausch von einem Film mit einigen Adrenalinschüben - auch ohne die Einnahme von Red Bull.

/ crs

Kommentare Total: 3

sma

Die Safdie-Brüder zeigen uns ein schmutziges New York und Menschen aus der Unterschicht, die den Kampf gegen das System längst verloren haben. Robert Pattinson überzeugt in der Hauptrolle als fürsorglicher Bruder und arroganter Verbrecher. Genau wie Menschen für Connie, sind die Nebenfiguren im Film nur ein Mittel zum Zweck. Good Time ist ein spannender Thriller in einer glaubhaften Welt - mit emotionalen Momenten, die einen bis ins Mark treffen.

yan

Hell yeah! Was für ein Kracher. Gibt die letzte halbe Stunde zwar etwas nach, ansonsten ein adrenalingeladener Thriller, in dem ein gross aufspielender Robert Pattinson in typischer Breaking Bad-Manier immer tiefer fällt. Good Time ist für die Hauptprotagonisten alles andere als eine gute Zeit. Für den Zuschauer passt der Filmtitel aber wie die Faust aufs Auge. Die Safdie-Brothers sollte man im Auge behalten, denn Good Time ist einer der besten Thriller des Jahres.

crs

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