Kung Fu Yoga - Gong fu yu jia (2017)

Kung Fu Yoga - Gong fu yu jia (2017)

Kung Fu Yoga - Der goldene Arm der Götter
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  3. 107 Minuten

Filmkritik: De Jackie CHAN nümm so...

17. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2017
"Da laust mich doch der... Löwe?!"
"Da laust mich doch der... Löwe?!" © Studio / Produzent

Der chinesische Archäologieprofessor Jack (Jackie Chan) bekommt Besuch aus Indien: Die hübsche Professorin Ashmita (Disha Patani) bittet ihn um Hilfe. Sie ist auf der Suche nach dem historisch bedeutenden Schatz "Magadha". Schon bald haben sie eine erste Spur, welche die beiden und ihre Assistenten in eine riesige unterirdische Eishöhle in Tibet führt.

Das multinationale Team ist aber nicht alleine auf seinem Abenteuer. Sie werden von einer Gruppe Söldner verfolgt, angeführt von Randall (Sonu Sood). Dieser erhebt Anspruch auf den Schatz, da dieser vor vielen Generationen in seiner Familie verloren ging. Doch Professor Jack kann Kung Fu und Professorin Ashmita ist ein grosses Yoga-Talent, und damit hat Randall natürlich nicht gerechnet...

Die neuste Zusammenarbeit zwischen Regisseur Stanley Tong (Rumble in the Bronx) und Jackie Chan kann man nur mit einer grossen Portion Goodwill einigermassen durchgehen lassen. Die beiden haben so viel geleistet für das chinesische Actionkino, doch Kung Fu Yoga ist ein Faux-pas und stimmt traurig. Wie eine Band, die lieber nicht mehr rocken sollte, wirkt Jackie Chan leicht peinlich, und Regisseur und Autor Tong versucht sich mit dem Ensemblecast, Bikini-Girls und grottigem CGI definitiv an die Fast Five-Generation anzubiedern. Für Jackie-Fans blitzt wenigstens ab und zu der Charme des Superstars auf, doch leider nicht genug.

Hört man das Konzept einer chinesisch-indischen Koproduktion mit Hongkongstar Jackie Chan und Bollywoodschönheit Amyra Dastur, entsteht im Kopf ein Film voller überdrehter Action, Kitsch und Musicalnummern. Die Realität sieht im Falle von Kung Fu Yoga jedoch anders aus. Eine Musicalnummer gibt es lediglich zum Schluss. Davor gibt es eine Aneinanderreihung cartooniger Actionsequenzen ohne viel Zusammenhang, eine grosse Portion Sexismus und mindestens 50 schrecklich animierte CGI-Getiere jeglicher Sorte, darunter zum Beispiel ein kotzender Löwe.

Stanley Tong und Jackie Chan arbeiten seit Supercop sehr erfolgreich zusammen, und Tong brachte Chan mit Rumble in the Bronx 1995 nach Amerika. Mit Kung Fu Yoga, so scheint es, versucht das Duo verkrampft, die guten alten Zeiten aufleben zu lassen und zu beweisen, dass sie noch relevant sind. Der Schuss geht derart nach hinten los, dass es schmerzt. So werden Fans Zeugen, wie der mittlerweile 63-jährige Chan seiner 24-jährigen Filmpartnerin genüsslich einen Klaps auf den Hintern gibt und sie mit seinen Kung-Fu-Skills zu beeindrucken versucht. Dass sich diese auf Gefuchtel mit den Armen und nur wenige Kicks beschränken, ist nachvollziehbar, doch Chan wirkt allgemein "too old for this shit". Beim Team an seiner Seite fehlt eigentlich nur noch Vin Diesel. Hier wurde definitiv einiges abgeguckt.

Ein gewisses Zwinkern in Jackie Chans Augen ist noch vorhanden, und sein schelmischer Charme kann nicht verleugnet werden. Dass der Film sich in keiner Weise ernst nimmt, ist mehr Voraussetzung als Lob. Mit Effekten auf dem Level von Syfy-Produktionen zielt man hier eindeutig auch auf das "So bad it's good"-Rezept von Sharknado und Co., was nach Verzweiflung schreit. In der Vergangenheit hatte Jackie Chan dies nicht nötig. Bleibt zu hoffen, dass auf Kung Fu Yoga keine vier Sequels folgen und dass sich die Legende Jackie Chan vermehrt auf Charakterrollen konzentriert, die seinem Alter entsprechen.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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