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Die Gentrifizierung bin ich: Beichte eines Finsterlings (2017)

Die Gentrifizierung bin ich: Beichte eines Finsterlings (2017)

Oder: Von Tupajas und der BZO

Spreng genommen: Zürich gehört zerbomt.

Spreng genommen: Zürich gehört zerbomt.

Thomas Hämmerli kam als Sohn aus gutem Haus zur Welt. Nach der Kindheit am Zürichberg und einem scheidungsbedingten Abstecher mit der Mutter in die Agglo von Dietlikon radikalisierte er sich in den Jugendjahren und gehörte der linksextremen Szene an, die mit der Besetzung des "Hellmi" bei der Bäckeranlage für Aufruhr im Zürcher Stadtrat sorgte. Als Teil einer Luxus-WG mit lauter Bewohnern, die beim Schweizer Fernsehen arbeiteten, oder als Paris-Korrespondent des Nachrichtenmagazins 10 vor 10: Wohnungen besass Journalist Hämmerli im späteren Leben immer wieder andere. Gerne auch welche im Ausland wie zum Beispiel in São Paulo oder Tiflis, wo er mal mit, mal ohne seine Frau die Vor- und Nachteile des Lebens in einer Metropole genoss.

Die Aufzucht von Digital Natives verlängt Sorgfalt.

Die Aufzucht von Digital Natives verlängt Sorgfalt.

Heute in Zürich lebend, stellt der Autor und Filmemacher immer wieder fest, wie anders es im behäbigen Wohnungsbau hierzulande zugeht. Statt wie die Brasilianer in die Höhe zu bauen und so auf gleichem Raum mehr Platz zu schaffen, kreiert man lieber ein neues Wort wie "Dichtestress", um sich salonfähig über die Zuwanderung zu echauffieren. "Gentrifizierung" ist noch so ein Modewort, mit dem man über die immer schneller drehende Welt ablästern kann. Doch je älter Hämmerli wird, desto mehr wird ihm bewusst, dass er die heutigen Entwicklungen mitverursacht. Wer plötzlich in Überbauungen wohnt, deren Bau man zwanzig Jahre früher noch persönlich bekämpft hat, kommt in Argumentationsnot. Und überhaupt: Wer weiss, was Gentrifizierung bedeutet, ist sowieso Teil davon...


Film-Rating

Warum lebt die Grosszahl der Schweizer eigentlich im ersten bis dritten Stock? Warum wollen wir keine Wolkenkratzer? Und warum sieht Zürichs Innenstadt immer noch so putzig aus wie im vorletzten Jahrhundert? Thomas Hämmerli weiss wieso - und warum es sich nicht ändert. Als kommunikativer Verdichter mit globaler Präsenz nimmt er sich an der Nase und Städteplanung unter die Lupe. Mit Ironie und Knalleffekten. Aber immer witzig und prägnant.

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OutNow.CH:

Bewertung: 4.0

 

26.02.2018 / rm

Community:

Bewertung: 3.8 (3 Bewertungen)

 

 

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