Gabriel and the Mountain - Gabriel e a montanha (2017)

Gabriel and the Mountain - Gabriel e a montanha (2017)

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  2. 131 Minuten

Filmkritik: Mzungu on the Road

70e Festival de Cannes 2017
Kontrollblick statt das Auge für die Natur.
Kontrollblick statt das Auge für die Natur.

Der Brasilianer Gabriel (Joao Pedro Zappa) reist, bevor er sein Post-Grade-Studium beginnt, durch die ärmsten Länder Afrikas. Via Kenia, Tansania und und das ehemalige Zaire will er zum Mulanje-Massiv in Malawi gelangen und dessen Gipfel besteigen. Ganz auf sich allein gestellt ist er dabei nicht. Teilweise wird er von seiner Freundin Cristina (Caroline Abras) begleitet. Ohne viel Geld und immer darauf bedacht, mit der Lokalbevölkerung gut auszukommen, schlägt er sich durch den schwarzen Kontinent.

Sein Unbekümmertheit wird ihm aber zum Verhängnis. Malawische Bauern finden Gabriels leblosen Körper in einem Hang am Fusse des Mulanje. Menschen, die Gabriel auf seinen letzten Tagen auf der Erde noch kennen gelernt haben, erzählen von den Begegnungen. Und der Film rekapituliert, wie es zur Bergsteiger-Tragödie kommen konnte.

Mit einem Mix aus Laien und echten Schauspielern schildert Regisseur Fellipe Gamarano Barbosa die wahre Geschichte seines Freundes Gabriel Buchmann. Der Ökonom wollte Armut aus nächster Nähe erleben, bevor er sich wieder seinem Studium in L.A. widmen sollte. Ein Film über einen Backpacker abseits der üblichen Pfade des Rucksacktourismus, der aber trotzdem sehr konventionell daherkommt.

Der Backpacker-Film hat sich seit The Beach nicht nur als Genre etabliert, sondern kam mit Into the Wild, 127 Hours und Wild auch schon zur Oscar-Nominations-Ehren. Gabriel e a montanha wird es nicht so weit schaffen, dafür ist die wahre Geschichte des des brasilianisch-französischen Forschers Gabriel Buchmann wohl zu lokal verankert und nicht sonderlich innovativ. Sterben beim Weltenbummeln kommt vor, und die Legitimierung einer Geschichte durch die echten Fotos vom Trip im Abspann hat man mittlerweile oft gesehen.

Buchman entsprach bei all seinem Willen, als "local" durchzugehen, oder eben nicht als "Mzungu", wie die Weissen in diesem Teil Ostafrikas genannt werden, doch nur dem Klischees eines Backpackers - auch wenn er sich jetzt nicht unbedingt ihr Ballungsräumen des Backpacker-Tourismus aufhielt. Sein Tod - und dies ist kein Spoiler-Alert, weil der Film mit dem Fund Buchmanns Leiche beginnt - war in gewissen Grade auch selbsverschuldet durch fahrlässigen Umgang mit Zeitmanagment und Ausrüstung beim Bergsteigen.

Und doch gibt der Film ein gutes Bild ab über die Herzlichkeit von Buchmann, nicht zuletzt weil Menschen, die wirklich mit ihm in Kontakt waren, Voice-overs beisteuern. So ensteht ein spezieller Mix aus Doku, Nachruf und Fiktion, bei dem landschaftlich ein bisschen mehr aus den Bildern herausgeholt hätte werden konnen. Visa-Probleme, Geldmangel und die Freudin, die sich lieber nicht im Trikot des falschen Fussball-Vereins ablichten lassen will, machen den Afrika-Trip nur zu menschlich, und dass die Macher hinter der Kamera Freunde des Verstorbenen waren, ist jederzeit spürbar.

/ rm

Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:53