Flitzer (2017)

Flitzer (2017)

  1. 93 Minuten

Filmkritik: Wie keine Kleider Leute machen.

"Uf Füdlis!"
"Uf Füdlis!" © Frenetic Films

Der Deutschlehrer Balz Näf (Beat Schlatter) ist ein grosser Verehrer des Schweizer Schriftstellers Gottfried Keller. Zu dessen Ehre möchte er in Zürich ein Museum eröffnen. Dies benötigt selbstverständlich gewisse finanzielle Mittel, und obwohl ihm sein Schulleiter Geld versprochen hat, erhält er keinen Rappen. Also müssen die nötigen Scheine jetzt irgendwie anders aufgetrieben werden.

Coiffeur oder Halsabschneider?
Coiffeur oder Halsabschneider? © Frenetic Films

Zufälligerweise erfährt Balz, dass sein Coiffeur Kushtrim (Bendrit Bajra) mit Sportwetten sehr gut über die Runden kommt. Durch eine Verkettung (un)glücklicher Zufälle kommt es zur Zusammenarbeit zwischen dem Lehrer und dem Friseur. Doch die Wetten sind noch nicht einträglich und sicher genug. Da kommen die beiden auf die irre Idee, Flitzer für Sportwetten einzusetzen. Der Erfolg stellt sich schnell ein. Es dauert jedoch auch nicht lange, bis die Polizei hinter Balz und Kushtrim her ist...

Ein Deutschlehrer, der ein Museum zugunsten seines Lieblingsautoren eröffnen möchte, muss zu zweifelhaften Methoden greifen, um die finanziellen Mittel zu generieren. Mit dieser doch leicht begreifbaren Thematik gelingt Regisseur Peter Luisi mit Flitzer eine gut unterhaltende Komödie, die vor allem durch ihre Slapsticks das Publikum unterhält. Leider geht dies zu Lasten der Dialogqualität.

Atlas gilt in der griechische Mythologie als Titan, der als Bestrafung von Zeus dazu verdonnert wurde, den Himmel zu stemmen, damit dieser und die Erde sich nicht voneinander trennen. Dass Deutschlehrer Balz Näf zu Beginn des Films als Atlas dargestellt wird, scheint durchaus passend. Die Last auf seinen Schultern ist schwer. Er wurde von seinem Schulleiter angelogen, seine Tochter schämt sich für ihn, er ist Single, und grosse Geldprobleme machen das Leben nicht einfacher. Doch dem Film gelingt es, genau diese Probleme des Protagonisten so miteinander zu verknüpfen, dass irgendwie doch alle Fäden zusammenlaufen. Aus den vielen roten Fäden zu Beginn entsteht sozusagen ein sauber genähtes Poloshirt.

Hinzu kommt, dass den Schauspielern diese Verstrickung oftmals sichtlich Spass macht, obwohl bei einigen Darstellern dasselbe Gefühl entsteht wie beim Catwalk berühmter Models auf dem Laufsteg: Den meisten gelingt es, professionnell die Kleider zu präsentieren, doch bei einigen wird man das Gefühl nicht los, als nächstes einen üblen Misstritt mitanschauen zu müssen. Aber glücklicherweise gelingt es Beat Schlatter, sich und alle anderen sicheren Fusses bis ans Ende zu bringen, nur schon nur durch sein verschmitztes Lächeln. Die Pointe, Bendrit Bajra als albanischen Coiffeur zu engagieren, sei hier geschenkt.

Was Pointen angeht, muss Flitzer leider die Hosen runterlassen. Zwar sorgen viele Slapsticks für heitere Momente, mitunter die Szenen des Flitzertrainings. Die Dialoge hingegen brillieren nicht durch ihren Witz. Die Gürtellinie scheint etwas zu hoch angelegt zu sein. Bei so viel nackten Menschen sehnt man sich beinahe nach einem oder zwei platten Sprüchen. Die Ironie, dass der Lehrer dem Autor von "Kleider machen Leute", Gottfried Keller, ein Museum errichten möchte und zu diesem Zweck auf Nacktheit setzt, stellt bereits die geistreichste Spitze dar.

Abgesehen davon lässt sich über die Originalität von Flitzer sprechen. Bereits 2012 versuchte Kevin James als Lehrer in Here Comes the Boom auf fragwürdige Art und Weise, an Geld zu gelangen, das seinen Mitmenschen zugute kommen sollte. Wer diesen Film kennt, wird sich während der audiovisuellen Beschallung von Flitzer einige Male an Kevin James erinnern.

Alles in allem ist Flitzer eine gelungene Komödie, die einmal mehr zeigt, dass das Aussehen - sowohl mit Kleidung wie auch ohne - nicht entscheidend ist. Und die Moral von der Geschicht? Kleidung kann man tragen, muss man nicht.

Thomas Abplanalp [abt]

Thomas schreibt seit 2015 als Freelancer Filmkritiken für Outnow. Kinematografisches impressioniert nämlichen ohnegleichen: Filmisches ist leidenschaftlich multiplex. Originalität und traumhafte Nostalgie orchestrieren wunderbar.

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Kommentare Total: 2

zensiert25

Baut am Anfang etwas langsam auf (wie halt Schweizer so sind), dann aber wird's spannend, romantisch und lustig. Dieser Film macht einfach gute Laune und die Schauspieler machen ihre Sache gut. Die Grundidee ist super und als Zürcher mag ich natürlich all die Szenen in Zürich. Evtl. etwas aus Schweizer-Sicht aber für mich eine überaus gelungene Komödie mit typischem Schlatter-Humor. Ich mag solche Filme einfach!

abt

Filmkritik: Wie keine Kleider Leute machen.

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