Film Stars Don't Die in Liverpool (2017)

Film Stars Don't Die in Liverpool (2017)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Ältere Frau angelt sich Toyboy

"Oma", ich hab dich lieb.
"Oma", ich hab dich lieb.

Liverpool, 1978: Der 28-jährige Peter Turner (Jamie Bell) steht am Anfang seiner Schauspielkarriere. Als eine neue Nachbarin, die Leinwanddiva Gloria Graham (Annette Bening) einzieht, ahnt er noch nicht, dass er sich Hals über Kopf in die ältere Dame verlieben wird. Die beiden lernen sich kennen, als sie ihn darum bittet, zu ihr rüberzukommen und mit ihr zu tanzen. Bald entsteht zwischen den beiden eine Anziehung, die auch körperlicher Natur ist. Sie stürzen sich in eine leidenschaftliche Affäre, aus der bald mehr wird und die ihn dazu veranlasst, mit ihr zusammenzuziehen.

Muss auflegen, meine zweite Mutter kommt.
Muss auflegen, meine zweite Mutter kommt.

Das Zusammenleben gestaltet sich aber nicht so einfach wie erhofft, weil sie plötzlich damit beginnt, sich ihm gegenüber sonderbar zu benehmen. In Peter steigt der Verdacht auf, dass sie ihm etwas verschweigt. Zurecht: Gloria ist schwer krank, lässt sich aber nicht in ein Krankenhaus einweisen. Peter holt die nach einem Zusammenbruch geschwächte Schauspielerin ab und bringt sie zur Pflege zu seinen Eltern.

Der Film von Paul McGuigan ist nicht nur für ältere Generationen und Liebhaber von Dramen à la "Romeo und Julia" sehenswert. Ausserdem bestechen die Hauptdarsteller Annette Bening und Jamie Bell mit ihrem Können. Wer auf etwas anspruchsvollere Kost steht, ist mit diesem Film gut bedient. Wer mit grossen Gefühlen im Kino hingegen nichts anfangen kann, bleibt besser zuhause.

Die Geschichte beginnt da, wo sie eigentlich endet: Peter holt die schwerkranke Gloria zu seinen Eltern, um sie dort zu pflegen. In Rückblenden erfahren wir, wie die beiden sich kennen und lieben gelernt haben. Die Story wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was aber den Erzählfluss nicht behindert. Immer wieder schwankt man zwischen Euphorie und abgrundtiefer Trauer - schöne Momente der Verliebt -und Verspieltheit wechseln sich ab mit Minuten des Konflikts und Verzweiflung. Dies passt zum Thema des Films, der dem Zuschauer die Botschaft vermittelt, dass Liebe stärker ist als alle Krankheiten, Zwänge und das Alter.

Das Drama besticht auch durch seinen Soundtrack, der passend die verschiedenen Stimmungslagen der Figuren musikalisch untermalt. Des Weiteren überzeugen Annette Bening in der Rolle der alternden Oscarpreisträgerin Gloria Graham und Jamie Bell als junger, aber nicht naiver Liebhaber Peter Turner. Man liebt und leidet mit den beiden mit. Beachtung schenken sollte man daneben auch Julie Walters, die Peters Mutter spielt. Im Verlaufe des Films entwickelt sich aus einer ihrer Aussagen ein Running Gag, der die Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln bringt.

Film Stars Don't Die in Liverpool ist eine gelungene Mischung aus Drama und Biografie, bei der man als Zuschauer gut unterhalten wird, wenn man denn mit diesen Genres etwas anfangen kann.

/ mig