Les fantômes d'Ismaël (2017)

Les fantômes d'Ismaël (2017)

  1. 110 Minuten

Filmkritik: Sch(m)eissfilm

70e Festival de Cannes 2017
"Natürlich freue ich mich, dass deine Ex zurückgekehrt ist..."
"Natürlich freue ich mich, dass deine Ex zurückgekehrt ist..." © Xenix Filmdistribution GmbH

Vor über 21 Jahren ist dem Regisseur Ismael (Mathieu Amalric) Freundin Carlotta (Marion Cotillard) abgehauen, welche danach von niemanden je wieder gesehen wurde. Dies hat Ismael und natürlich auch Carlottas Vater (László Szabó) schwer getroffen. An diesen schweren emotionalen Tiefschlag wird Ismael heute eigentlich nur noch erinnert, wenn Carlottas Vater ihn mitten in der Nacht anruft, weil der sich wieder alte Bilder angeguckt hat. Für Ismael ist das Leben weitergegangen und er hat mit Sylvia (Charlotte Gainsbourg) auch eine neue Freundin. Doch dann geschieht etwas, mit dem niemand gerechnet hat.

Spiel's noch einmal, Mathieu
Spiel's noch einmal, Mathieu © Xenix Filmdistribution GmbH

Denn eines Tages taucht plötzlich Carlotta in Isamels Ferienhütte am Strand auf. Ein Umstand, der nicht nur den Regisseur hart trifft, sondern auch Sylvia. Wieso ist sie zurückgekehrt? Wo war sie die ganze Zeit über? Ismael weiss nicht mehr, wo oben und unten ist, was auch schnell seine Arbeit beeinflusst. Die Filmproduktion, an welcher er gerade arbeitet, kommt zu einem abrupten Halt, was die Produzenten auf die Palme bringt. Wie sieht die Zukunft für den Film und für Ismael, Sylvia und Carlotta aus?

Regisseur Arnaud Desplechin hat sich nach eigenen Aussagen fünf Geschichten ausgedacht, die er alle zusammen auf die Leinwand schmeissen wollte. Daraus ist Les fantômes d'Ismaël entstanden. Ein Film voller halb erzählten Geschichten, die natürlich nicht zufriedenstellen und sich gegenseitig im Weg stehen. Ein prätentiöser Sch(m)eissfilm.

Eines muss man ja Arnaud Desplechin lassen: Er ist bei seinem wirren Les fantômes d'Ismaël immerhin ehrlich. "Ich habe mir eine Anzahl von Geschichten ausgedacht, welche ich alle zusammen gegen die Leinwand schmeissen wollte. Wenn die Storys dann alle zersplittert sind, ist der Film fertig." Liebhaber von zusammenhangloser französischer Filmkunst, die sich dann auch noch hochnäsig Cinéphile nennen, werden hier ihre Freude haben. Alle anderen sehen nur ein heilloses Durcheinander, aus dem kein wirkliches Ganzes steht und bei dem es dann am Ende eine Charlotte Gainsbourg braucht, die direkt in die Kamera spricht und versucht, die Geschehnisse irgendwie abzuschliessen - mit kaum zufriedenstellendem Ergebnis.

Am meisten Screentime erhalten dabei drei Storylines: die erste um das Verschwinden und Wiederauftauchen von Carlotta, dann die Mühen des Regisseurs beim Fertigstellen seines Filmes und zusätzlich noch der Plot des Spionagefilmes, welcher gerade gedreht oder eben nicht gedreht wird. Es ist bekannt, dass Regisseure gerne auch mal ihre tägliche Arbeit in Filmen verarbeiten. Dies schenkte uns unter anderem Fellinis Meisterwerk . Nur gab es dort viel Interessantes zu entdecken, während hier kaum was funktioniert. Die Figuren sind schlecht gezeichnet, wobei vor allem Almarics Regisseur einen schäbigen Eindruck hinterlässt, sodass man mit seiner Figur nur ungern Zeit verbringt.

Gainsbourg derweil ist das Herz des Filmes, die jedoch unverständlicherweise am wenigsten vorkommt. Sie zieht den Zuschauer in den Film hinein, aus dem man jedoch schnell wieder geworfen wird. Hier wird einfach zu viel erzählt, wobei vieles nicht mal abgeschlossen wird. Nein, Les fantômes d'Ismaël ist ein zusammengewürfelter, prätentiöser Schnarchfilm, der anödet. Nächstes Mal bitte nicht mehr Zeug an die Leinwand schmeissen und dann irgendwie zusammendeichseln, Herr Desplechin.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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