Es war einmal in Deutschland... (2017)

Es war einmal in Deutschland... (2017)

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  3. 102 Minuten

Filmkritik: Bettwäsche ebnet den Weg in die Freiheit

67. Internationale Filmfestspiele Berlin 2017
Hund tut gut
Hund tut gut

Deutschland 1946. Der jüdische Kaufmann David Bermann (Moritz Bleibtreu) hat wie seine fünf Freunde den Zweiten Weltkrieg überlebt. Um das nötige Geld für die ersehnte Ausreise in die USA oder Palästina zusammen zu bekommen, ziehen sie nach Kriegsende durch Frankfurt am Main von Haustür zu Haustür und verkaufen Bettwäsche und Handtücher. David knüpft damit an die Tradition seiner im Holocaust ermordeten Familie an. Mit vielen Tricks und viel Überzeugungsarbeit verschaffen sie sich Einlass in manchen Haushalt, um deutsche Hausfrauen von feinster Bettwäsche zu überzeugen.

Drinking with the enemy
Drinking with the enemy

Während sich die Gruppe über jede verdiente Mark freut, ahnt David nicht, dass man Ermittlungen gegen ihn durchführt. Die amerikanische Offizierin Sara Simon (Antje Traue) ist ihm und auch seinen Freunden auf der Spur. Ihre Nachforschungen werfen immer wieder neue Fragen auf. Warum besitzt David zwei Pässe? Wie kann es sein, dass er nach einem Besuch auf dem Obersalzberg mit Hitler in Kontakt stand? Davids Traum von einem neuen Leben wird durch die Offizierin in Frage gestellt.

Es war einmal in Deutschland... gibt einen Einblick in das Leben der Nachkriegszeit am Beispiel von sechs Juden wieder. Der deutsche Regisseur Sam Garbarski versucht mit komischen und tragischen Momenten Fragen der deutschen Geschichte zu beantworten. Anhand des Kaufmanns David Bermann zeichnet er ein Bild der damaligen Zeit, kann jedoch viele Fragen, die aufgeworfen werden, bis zum Ende nicht beantworten.

4000 Überlebende des Holocaust sind nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland geblieben. Warum, das konnten sie nie wirklich erklären. Das ist nur eine der scheinbar beiläufig gestellten Fragen, die der Film aufwirft und bis zum Ende auch nicht beantworten kann. Die Betroffenen finden darauf selbst keine erklärende Antwort.

Auf der literarischen Vorlage von Michel Bergmanns Teilacher-Trilogie entwirft Regisseur Sam Garbarski die Geschichte einer Gruppe jüdischer Kaufleute. Dabei orientiert er sich weitgehend an dem Tonfall der Vorlage, mal lakonisch, mal komisch. Komik ist es auch, die David sein Leben gerettet hat, denn durch Nummernrevues für die Nazis konnte er für Unterhaltung sorgen. Der Film setzt sich aus zwei wesentlichen Erzählsträngen zusammen: Einer handelt von der Sechsergruppe, die durch das Wäschegeschäft an Geld kommen will. In einer Parallelgeschichte wird Bermann von der Offizierin verhört, die ihn der Kollaboration mit den Nazis verdächtigt.

Moritz Bleibtreu spielt den gewieften Kaufmann traumatisiert und zwielichtig, gleichzeitig wirkt er jedoch stets viel zu souverän. Das kann man seiner Figur leider nicht recht abkaufen. Den Nebenfiguren aus dem Freundeskreis nimmt man die Gebrochenheit, die das Erlebte in ihnen hinterlassen hat, meist wesentlich mehr ab. Die Geschichte kann so recht keine Dramaturgie aufbauen. Sie lebt und fällt durch einige starke Passagen wie zum Beispiel den Verkaufsgesprächen, die mit Tricks und kleinen Lügen durchgeführt werden. Hier spiegeln sich oft die Schrecken wider, die die Freunde durchlebt haben. Tragik und Komik stehen hier sehr nah beieinander. Aber auch einige Momente der Befragung Davids haben ihre Stärke, wenn nach und nach die Hintergründe aus seiner Vergangenheit offenbart werden.

Bei dem Mix aus Tragik und Humor hätte man es belassen sollen. Stattdessen erhält der Film im Verlauf einen unangenehm kalkulierten Touch, werden unnötige Dramatik und Ernsthaftigkeit ins Spiel gebracht. Man hätte das ohnehin belastete Thema des Films gern einmal auf andere Art gesehen, eben mit dem leicht komischen Hang der anfänglichen Erzählweise.

Es war einmal in Deutschland... ist ein weiterer Ausschnitt zu einem Leben eines Juden nach dem Holocaust. Die stärksten Momente liegen in der Kombination aus Tragik und trockenem Humor. In die Tiefe geht der Film dabei leider jedoch nie, bleiben auch die Figuren am Ende sehr blass. Immerhin wirft er aber Fragen auf, die bisher tatsächlich noch nie beantwortet worden sind.

/ jst

Trailer Deutsch, 01:59