Earth: One Amazing Day (2017)

Earth: One Amazing Day (2017)

Unsere Erde 2
  1. ,
  2. 95 Minuten

Filmkritik: Karneval der Tiere

Probier's mal mit Gem- *schnarch*
Probier's mal mit Gem- *schnarch*

Es ist dunkel. Doch nicht mehr für lange. Bald erhebt sich die Sonne über den Horizont und ein gewaltiges Naturschauspiel wird sich ereignen: der Sonnenaufgang. Er aktiviert das Leben auf dem Blauen Planeten und macht dessen ganze Pracht sichtbar. Die vielfältigen Erscheinungen, die Unmenge an Farben und Geräuschen scheinen der Stimme, die nun aus dem Off ertönt, rechtzugeben: «Ein Tag auf der Erde kann eines der schönsten Erlebnisse im Universum sein!»

Hurra, hurra, der Himmel brennt!
Hurra, hurra, der Himmel brennt!

Wenn man denn einen Tag überlebt. Wir sind auf den Galápagos-Inseln, wo sich am Strand die Steine zu bewegen beginnen. Meerechsen sind gerade dabei zu schlüpfen und sehen zum ersten Mal den Feuerball am Himmel. Doch sie plagen bereits Sorgen, denn «wo Leben ist, ist auch der Tod». Und mit einem Mal sind sie da, die Schlangen. Die Echsenjungen rennen um ihr Leben, die hungrigen Nattern rasen ihnen hinterher. Da und dort bildet sich ein Schlangenknäuel, woraus nur noch ein Echsenbein ragt. Andere sind den Feinden entkommen und schauen auf sicherem Grund der Sonne entgegen. Welche Ereignisse sie an einem Erdentag wohl noch freilegt?

Die Naturdokumentation versucht sich weniger darin, Neuartiges zu zeigen, denn Dinge neuartig zu präsentieren. Tierbeobachtungen und Off-Sprecher lassen den typischen Charakter des Genres durchscheinen, wovon sich Unsere Erde 2 aber je länger je mehr absetzt und zur Kurzerzählung-Sammlung verwandelt. Stichproben der Fauna aus allen Ländern werden genommen, die jeweils von dick aufgetragener Musik und einer Fülle an Soundeffekten untermalt werden. Das gibt viel Raum für faszinierende Momente und die Besinnung auf die eigene Verantwortung gegenüber unserer Heimat.

Wie schon sein Vorgängerwerk nimmt sich Unsere Erde 2 eine Gesamtschau des Naturschauspiels eines einzigen Erdentages vor, nun aber mit neuen Tieren in der Besetzung. Durchgehend im Primarschullehrerton kommentiert Publikumsliebling Günther Jauch das High Noon zweier Giraffenbullen, begleitet verbal die Sprungeleganz eines Servals oder berichtet von neugierigen Pottwalen und verliebten Faultieren. Die ganze Bandbreite der Flora und Fauna soll abgedeckt werden, unter anderem auch ganz Grundsätzliches zu den Bedingungen für die Entstehung von Leben. Dabei vermittelt das Wort jeweils nur das Nötigste, um dem Auge und dem Ohr freie Bahn zu lassen.

Die Dokumentation bringt Bekanntes in grossartigen Bildern, die jederzeit durch ihre einzigartige Stimmung bestechen. Sei es die magisch anmutende Biolumineszenz in der Nacht, Eintagsfliegenschwärme in der Abenddämmerung, oder wenn man in Super-Slow-Motion zusehen kann, wie eine Biene von einem Regentropfen fast erschlagen wird: jedes Bild ist ein Hingucker. Und wenn sich dann noch ein Bär wie Balu an einem Baum reibt, wird einem die scheinbare Inszeniertheit geradezu unheimlich. Ein Making-of wäre wohl ebenso faszinierend wie das Werk selbst.

Mit einer auffälligen Hartnäckigkeit ist die auditive Komponente inszeniert. Getreu dem Motto «Schläft ein Lied in allen Dingen» wird die Natur packend, aber manchmal ziemlich gewaltsam zum Klingen gebracht. Die erstarrten Meerechsen werden mit Mönchsgesängen unterlegt, der Überlebenskampf eines Zebrajungen von musikalischer Hektik begleitet und die Mickey-Mousing-Abteilung scheint voll und ganz ausgelastet worden zu sein. Diese Dokumentation erweist sich mitunter als Lehrbeispiel für die dramaturgische Macht der Filmmusik.

Verstörend wird der tonale Aufwand bei den wenigen gewagten Bild-Ton-Kombinationen, die ziemlich pubertär daher kommen. Ein mit Formel-1-Geräuschen fliehendes Tier oder unaufhörlich flatulierende Bären - der etwas marktschreierische Untertitel des Films «So haben Sie die Welt noch nie erlebt!» trifft schliesslich in mehreren Hinsichten zu.

Nachdem er sich durch Flora und Fauna gearbeitet hat, gelangt der Film schliesslich bei einem besonderen und eigenartigen Tier an, dem Menschen. Natürlich darf hierbei der moralische Aufruf zum rücksichtsvollen Umgang mit unserem Planeten nicht fehlen. Doch Unsere Erde 2 platziert ihn nicht pathetisch, sondern lässt ihn gleichsam als aufklärerisch nüchtern gehaltenes Echo der zuvor ausgebreiteten Fülle an Naturerscheinungen nachhallen.

/ arx

Kommentare Total: 2

muri

Ein "Best-of" der TV-Reihe. Wer diese also gesehen hat, dem wird nichts Neues geboten. Trotzdem, die Bilder sind atemberaubend, lustig, tragisch, wunderschön.

Einzig der deutsche Kommentar von Günther Jauch nervt mitunter. Der Rest ist klasse! Must-See für Kids!

arx

Filmkritik: Karneval der Tiere

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Trailer Deutsch, 01:37