Downsizing (2017)

Downsizing (2017)

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  2. 135 Minuten

Filmkritik: Matt Damelinchen

74. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2017
Liebling, wir haben die Gäste geschrumpft!
Liebling, wir haben die Gäste geschrumpft!

Ein norwegischer Professor (Rolf Lassgård) schafft den wissenschaftlichen Durchbruch bei der Miniaturisierung lebender Organismen. Weil ein auf 12 Zentimeter reduzierter Mensch nur noch einen Bruchteil der Ressourcen verbraucht, scheint das Problem der Überbevölkerung gelöst. Eine erste Projekt-Kommune aus 36 Personen wird als wissenschaftliche Sensation gefeiert. "Downsizing" setzt sich als neue Lebensart weltweit fest und findet immer mehr faszinierte Beobachter.

Putzige Putzkraft
Putzige Putzkraft

So auch den rechtschaffenen Physiotherapeuten Paul (Matt Damon), der nach dem Tod seiner Mutter immer noch im selben Haus lebt. Finanziell reicht es ihm und seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) nicht ganz für den Traum vom Eigenheim. Die überall entstehenden "geschrumpften Gemeinden" sind deshalb eine Option. Ein Sparbatzen von 100'000 Dollar ist dort umgerechnet schnell mal ein paar Millionen wert. Das Paar lässt sich downsizen. Doch als Paul in der schönen neuen Welt namens Leisureland wieder aufwacht, ist er allein. Audrey hat sich in letzter Sekunde umentschieden.

Alexander Payne und sein längjähriger Drehbuchpartner Jim Taylor (Sideways, Election) mischen Science-Fiction und Satire zu einer sehr amüsanten Geschichte, die einige unerwartete Kapriolen schlägt. Obwohl der Film seit mehr als zehn Jahren in Planung gewesen ist, hat seine Botschaft hohe Aktualität in den USA eines Donald Trump. Und ebenso grossartig aufspielende wie passend gewählte Darsteller gestalten die doch etwas absurde Ausgangslage glaubhaft.

So faszinierend das fiktive menschliche Downsizing im Film auch ist, es kommt nicht ohne Nebenwirkungen aus. Nur schon rein praktisch hat der Prozess seine Tücken. Passt man nicht auf, und vergisst eine Zahnplombe oder Hüftprothese, kann auch mal der Kopf oder das Bein eines Patienten zerfetzt werden. Alexander Payne und Jim Taylor zeigen das Prozedere vor dem Übertritt in die Miniaturwelt ausführlich - von der Ganzkörperrasur bis zum kleinen Schäufelchen, das beim Patiententransport zum Einsatz kommt. Sie geben aber auch zu, dass sie wissenschaftlich nicht ganz konsequent waren. Die Stimme würde höher werden, mit kleinen Hilfsmitteln könnte so ein Zwölf-Zentimeter-Zwerg auch kurz aus eigener Kraft fliegen.

Das Downsizing ist denn auch für die beiden eher ein Vehikel zum gesellschaftlichen Kommentar. Was würde mit dieser Technik angestellt in den Ecken dieser Welt? Faszinierend dabei: Es gibt kulturelle Unterschiede. Die Skandinavier basteln sich eine Art Arche Noah in H0. In Vietnam wird es zur Foltermethode zweckentfremdet. Auf dem Balkan zieht man damit ein halblegales Schmuggel-Geschäft auf. Und der Amerikaner lebt seinen "Dream" in einer extrem serviceorientierten Themenpark-Welt, wo jeder vermeintlich sozial Benachteiligte reich sein darf.

Matt Damon spielt diesen capraesken Midwesterner, der den Werbe-Versprechungen von Leisureland folgt. Ein netter, leicht bräsiger Kerl - kein totaler Loser, aber doch nicht da im Leben, wo er ursprünglich mal hinwollte. Sein Eintritt in die neue Welt und die damit einhergehende Scheidung von der Ehefrau ist ein Weckruf. Ohne zuviel zu verraten verfällt er zuerst dem Hedonismus und zumindest einer Partydroge und später einem Öko-Kult. Europäer - durchgeknallt gespielt von Christoph Waltz und Udo Kier - öffnen ihm die Augen, und eine Asiatin, die schnell sprechende Vietnamesin Ngoc Lan gespielt von Hong Chau, haut ihn aus der Komfortzone.

Die bisher wenig bekannte Chau ist die grosse Entdeckung im Film. Sie entführt uns buchstäblich hinter die Kulissen von Leasureland, wo all das "Was-Wäre-Wenn" einem Reality-Check unterzogen wird. Dort ist die Unterschicht zuhause, mit der etwas dunkleren Hautfarbe als der Rest. Als einbeinige Putzhilfe mit einer Überdosis Optimismus bringt sie nicht nur Herz in die Geschichte, sondern auch noch mehr Humor in diese an Bildwitzen sowieso nicht armen Story; Kristen Wiig mit nur einer Augenbraue; das übergrosse Guetsli, das nach dem Downsizing zum Spass als Snack gereicht wird; die Eheringe, welche vom Zügelmann aus dem Camion gehievt werden. Trotz all dieser Jokes geht aber - wie bei jeder gelungenen Satire - die Message in Downsizing nicht vergessen.

/ rm

Kommentare Total: 7

Benster

Lustige Idee, mit der perfekten Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit umgesetzt. Christoph Waltz und Hong Chau spielen einfach herrlich.

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Der Film beginnt stark. Die Thematik rund um das Schrumpfen wird toll, witzig und interessant aufgezeigt. Leider konzentriert sich Downsizing in der zweiten Hälfte nicht mehr auf diese Aspekte und geht in eine Richtung die langweiliger kaum werden konnte. Dazu mit einer Laufzeit von 135min definitiv zu lange geraten.

yab

Im Ansatz gut, in der Ausführung eine Katastrophe. 1. Hälfte interessant, 2. total abgedreht und over the top. Alles in Allem eine grosse Enttäuschung, meiner Meinung nach!

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