Disobedience (2017)

Disobedience (2017)

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  3. 114 Minuten

Filmkritik: Jew is the warmest colour

42nd Toronto International Film Festival
Wenn Rachel mit der Rachel...
Wenn Rachel mit der Rachel... © Pathé Films AG

Es sind Jahre vergangen, seit die Jüdin Ronit Krushka (Rachel Weisz) ihre Heimat England verlassen hat und in New York Karriere als gefeierte Fotografin gemacht hat. Eines Tages ereilt sie die Nachricht, dass ihr Vater, ein angesehener Rabbi in der jüdisch-ortodoxen Gemeinschaft in London, verstorben ist. Ronits Rückkehr in die Heimat wird nicht von allen gleich gerne gesehen. Vater und Tochter haben sich nämlich zerstritten, als Ronit ihren eigenen und nicht den von der Gemeinde vorgeschriebenen Weg gehen wollte.

Wer sich hingegen über Ronit freut, sind ihr Cousin Dovid (Alessandro Nivola) und seine Frau Esti (Rachel McAdams). Die beiden Frauen kennen sich schon, seit sie Kinder waren. Schon damals begann Esti tiefe Gefühle für Ronit zu entwickeln, die nun wieder hervortreten. Zwischen den beiden Frauen beginnt eine leidenschaftliche Romanze, die Esti wie auch Dovid alles kosten könnte.

Disobedience zeigt eine gefühlvolle Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, die es laut Religion und Tradition nicht geben sollte. Das in Grautönen präsentierte englischsprachige Debüt des Chilenen Sebastián Lelio geht nahe, auch wenn gegen Ende mit zwei Drehbuchentscheidungen ein besserer Film verhindert wird.

Nach seinen gefeierten letzten beiden Werken Gloria und Una mujer fantastica ist Disobedience das englischsprachige Debüt des Chilenen Sebastián Lelio. Dabei zeigt er sich erneut als Meister des Gefühlskinos, auch wenn er im letzten Teil des Filmes zwei Soap-Opera-Böcke schiesst.

Schön anzusehen ist dieser Disobedience rein oberflächlich nicht wirklich. Hässliche Grautöne dominieren, was dem Film sogar in Szenen im Freien einen klaustrophobischen Touch gibt. Das macht durchaus Sinn, wird in der Story doch die Freiheit und Selbstbestimmung der von Rachel Weisz und Rachel McAdams gespielten Frauen durch Tradition und Religion eingeengt. Anders als ein inszenierungsverspielter Regisseur wie Xavier Dolan (Mommy) behält Leilo die Grautöne den ganzen Film über bei, lässt sie also auch nicht in den leidenschaftlicheren Szenen zwischen den Frauen mal beiseite.

Eine dieser leidenschaftlicheren Sequenzen ist eine Sexszene zwischen den Frauen, die sehr stilvoll gedreht ist, auch wenn eine Handlung während des Liebesspiels für etwas schiefe Blicke bei den Zuschauern sorgen dürfte. Doch der Film bleibt nicht wegen dieser Szene in Erinnerung, sondern wegen des interessanten Aufbaus der Liebesgeschichte. Das Werk beginnt mit Weisz' Ronit, wobei man das Gefühl bekommt, dass dies ihr Film sei. Doch nach einer guten halben Stunde wird der Fokus spielend leicht auf McAdams' Esti gelegt. So kriegen die Gefühlswelten der beiden genügend Zeit eingeräumt, sodass ihre Liebesgeschichte dann auch funktioniert.

Da ist es richtig schade, dass sich der Film in den letzten 20 Minuten ein paar Fehltritte leistet. Gemeint sind zwei Drehbuchentscheidungen, die hier nicht gespoilert werden sollen. Gesagt sei aber, dass diese besser in eine Soap-Opera passen als in ein gefühlvolles Drama mit ernstzunehmenden Figuren. Schlecht wird der Film dadurch nicht, nur ist es ärgerlich und wäre vermeidbar gewesen.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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