The Death of Stalin (2017)

The Death of Stalin (2017)

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  3. 106 Minuten

Filmkritik: Want to be politically incorrect? Make a movie about it!

Vier Politiker und ein Todesfall
Vier Politiker und ein Todesfall

Stalin (Adrian McLoughlin) geniesst ein unbeschwertes, luxuriöses Leben im sowjetischen Russland. Blöd nur, dass er in einem seiner pompösen Zimmer einen Schlaganfall kriegt und im Koma landet. Als seine «treuen» Berater ihn am nächsten Tag auffinden, beginnt ein Wettrennen voller Intrigen, Morden und Folter - nachdem sich der Stab erstmal über das Bild des in seinen Exkrementen liegenden Oberhaupts beruhigt hat. Klar ist: Georgi Malenkow (Jeffrey Tambor) wird nun Ministerpräsident. Zum Glück ist er nicht die hellste Leuchte in Russland, weshalb es den übrigen Stabsmitgliedern - allen voran Lavrenti Beria (Simon Russell Beale) und Nikita Chruschtschow (Steve Buscemi) - leichtfällt, ihn zu ihren Gunsten zu manipulieren.

Für Ruhm und Ehre! Und Wodka.
Für Ruhm und Ehre! Und Wodka.

Als Stalin dann tatsächlich stirbt, überstürzen sich die Ereignisse. Ein riesiges Staatsbegräbnis ist zu organisieren, Stalins Tochter Svetlana (Andrea Riseborough) ist ruhigzustellen, Stalins Sohn Vasily (Rupert Friend) ist aus dem Alkoholdelirium zu holen, jemand muss sich um die schöne Pianistin und Landesverräterin Maria Veniaminovna Yudina (Olga Kurylenko) kümmern, und dann taucht da auch noch Generalstabschef Georgi Schukow (Jason Isaacs) auf...

The Death of Stalin ist eine empfehlenswerte Satire, der es - dunkelschwarzem Humor sei Dank - gelingt, ein düsteres Kapitel der russischen Geschichte auf witzige und unterhaltsame Weise zu thematisieren. Der Film ist für ernsthafte Personen aus der Diversity Community nicht geeignet. Wer Gefallen findet an Satiren, in denen kein Witz schwarz genug sein kann, dem sei geraten, den Streifen mehr als nur einmal zu geniessen - falls man vor Lachen den einen oder anderen Witz verpassen sollte...

Um dem geneigten Leser, der geneigten Leserin die Art des hier vorgestellten Films näher zu bringen, wird folgende Review im Stil dieser fantastischen Satire verfasst.

Schön waren die Zeiten, als man sagen durfte, was man wollte, ohne jemanden dabei zu beleidigen. Ob ausländerfeindlich, homophob oder sexistisch - im kommunistischen Russland durfte man alles sagen! Wenn dir dann halt mal aus Versehen ein ungünstiger Kommentar über Genosse Stalin entweicht, bist du selber schuld, dass du im Gulag verschwindest. Hättest mal besser was gegen Schwarze gesagt. Oder Schwule. Oder Behinderte. Oder Frauen. Aber ja, diese Zeiten sind vorbei und man muss ganz schön aufpassen, dass man keine der unzähligen Minderheiten in der Gesellschaft aus Versehen beleidigt. Der Gulag ist schliesslich nichts gegen digitales «An-den-Pranger-Stellen». Wenn man doch mal politisch inkorrekt sein möchte, verpackt man heute am besten alles in einen Film und nennt es "Satire". In diesem Sinne: Gut gemacht Armando Iannucci (The Thick of It)! Der Brite verpackt in eindreiviertel Stunden so viele politisch inkorrekte Sprüche, Handlungen und Gesten, dass es der Diversity Community wohl den «Nuggi» raushaut. Und statt öffentlich denunziert wird er dafür zusammen mit Komikern wie Monty Python auf ein Podest gehoben.

Eigentlich bietet The Death of Stalin zu viele grossartige Schauspieler, Momente und Aspekte, um sie alle zu nennen. Deshalb nehme ich mir hier ein paar Zeilen Platz, um folgenden Darstellern zu danken:

- Steve Buscemi (The Big Lebowski) dafür, dass er Steve Buscemi ist. Und weil er uns damit zeigt, dass Schauspieler wohl die besten Politiker sind.
- Jeffrey Tambor (Arrested Development), für seine dümmliche Umsetzung des Ministerpräsidenten, der damit einmal mehr beweist, dass Grips keine Bedingung für eine politische Karriere ist.
- Jason Isaacs (Harry Potter and the Chamber of Secrets), für seine stechend blauen Augen und seinen epischen Auftritt während der Beerdigung (die darauffolgenden Szenen können aufgrund eines akuten Lachflashs nicht rezensiert werden). #IAmBeautifulIDontNeedToBeClever
- Michael Palin (A Fish Called Wanda), weil er trotz wenig Screentime einen Hauch Monty Python aufzuleben vermag.
- Und schliesslich Simon Russell Beale (Into The Woods), weil kein anderer so viele Folter- und Mordszenen dermassen humorvoll und trocken umgesetzt hätte.

Aus Platzgründen kann hier leider nicht mehr konkret auf die Leistungen von Andrea Riseborough, Olga Kurylenko und Rupert Friend eingegangen werden. Diese Eingrenzung ist aber zufällig und keine Diskriminierung. Aber über Riseborough und Kurylenko gibt es eh nicht viel zu sagen. Sie sind ja auch Frauen. Gegen Rupert Friend kann nichts Negatives gesagt werden, denn er ist weiss und nicht schwul.

The Death of Stalin unterhält auf vielen Ebenen, punktet mit grandiosen Schauspielern und einem spritzigen Drehbuch. Empfehlenswert ist der Film vor allem für geistig Fortgeschrittene. Für geistig weniger Fortgeschrittene (wie z.B. Amerikaner, nicht Weisse, Frauen, Homosexuelle oder Politiker) bietet der Film nur teilweise Unterhaltung, wie beispielsweise bei einzelnen Folterszenen von Unschuldigen, die dann aber doch etwas zu kurz kommen. Und wer sich durch diese Kritik «offended» fühlt, sollte ebenfalls die Finger von diesem Film lassen und sich ein Sachbuch über Langusten gönnen.

/ dro

Kommentare Total: 2

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Irgendwie enttäuschend. Der Film hätte alles für eine gute Satire gehabt. Ich wurde aber nie das Gefühl los, dass man das noch bissiger hätte gestalten können. Ein paar vereinzelte Szenen waren wirklich witzig. Eher ein Film den man nach ein paar Tagen wieder vergessen hat.

dro

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