Dave Made a Maze (2017)

Dave Made a Maze (2017)

  1. , ,
  2. 80 Minuten

Filmkritik: Uh-Maze-Ing

17. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2017
Come in... and try to find out.
Come in... and try to find out. © Studio / Produzent

Als Annie (Meera Rohit Kumbhani) eines Abends nach Hause kommt, trifft sie fast der Schlag: Ihr Freund Dave (Nick Thune) hat in ihrem Wohnzimmer ein elaboriertes Labyrinth konstruiert. Aus verschiedensten Kartonschachteln entstand ein derart komplexer Irrgarten, dass sich Dave selbst darin verirrt zu haben scheint. Seine Stimme ertönt aus dem Karton und warnt Annie davor, im Alleingang einen Rettungsversuch zu starten.

Die Nachricht um Daves Dilemma verbreitet sich schnell und schon bald treffen seine Freunde in der Wohnung ein. Darunter auch ein Dokumentarfilmer, der eine spannende Story wittert. Unter der Anführung von Annie macht sich die gesamte Gruppe auf ins Kartonlabyrinth, um ihren Freund herauszuholen. Sie ahnen nicht, welche Gefahren im Innern der Konstruktion auf sie warten.

Dave Made a Maze lebt rein von seiner abstrusen Idee und dem unendlich einfallsreichen Produktionsdesign des Labyrinths. Dieses ist dann auch der eigentliche Star des Filmes, denn die restlichen Figuren sind leider etwas flach geraten und erinnern an das Hipsterkino von Joe Swanberg und Konsorten. Doch die visuelle Vielfalt und das Ideenreichtum tragen den Film und sind bewundernswert - ein unterhaltsamer Mix aus Michel Gondry und Jim Henson.

Beim Nachschlagen der Filmographie von Regisseur Bill Watterson entdeckt man, dass er schon in diversen Grossproduktionen in Rollen wie "Boy in Park", "Backup Musician 2" oder "Diner Manager" zu sehen war. Für Dave Made a Maze sitzt er zum ersten Mal auf dem Regiestuhl und dort kann er eigentlich bleiben, denn sein Debut sprudelt nur so vor Ideen, welche er mit kleinem Budget gekonnt umsetzt.

Die Konstruktion des Labyrinths ähnelt dem Produktionsdesign von The Science of Sleep bringt aber auch ganz viel Eigenes. Am erstaunlichsten ist vielleicht eine Szene, welche mit optischer Täuschung und Perspektiven arbeitet. Eine Sequenz mit Handpuppen verblüfft ebenso wie die Darstellung der "blutigen" Szenen des Filmes. Bei so viel visueller Freude bleibt der Inhalt schon mal gerne auf der Strecke. Dem ist auch hier so. Der Plot bewegt sich von A nach B und der Versuch, die Midlife-Crisis der Hauptfigur ins Licht zu rücken, scheitert ebenso wie die Seitenhiebe auf die Filmindustrie an Hand der Figur des Dokumentarfilmers.

Die geschriebenen Witze zünden deutlich weniger als die optischen Gags und Einfälle, aber Watterson packt so viele von ihnen in seine Kartonschachteln, dass der Film von Anfang bis Ende unterhält. Die Schlusspointe lässt fast schon auf ein Sequel hoffen, welches wahrscheinlich nie kommen wird. Originelles Kino sollte unterstützt werden, weshalb man Dave Made a Maze trotz Schwachstellen unbedingt ausfindig machen sollte.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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