Darkest Hour (2017)

Darkest Hour (2017)

Die dunkelste Stunde
  1. , ,
  2. 125 Minuten

Filmkritik: Ein Liechtli namens Winston

42nd Toronto International Film Festival
Peace out
Peace out © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Es ist 1940, Europa befindet sich im Krieg. Bisher konnte der Vormarsch der deutschen Nationalsozialisten nicht verhindert werden. In dieser schweren Stunde tritt Winston Churchill (Gary Oldman) sein Amt als Premierminister von Grossbritannien an. Es ist nun an ihm zu entscheiden, ob Grossbritannien sich Nazi-Deutschland ergeben oder stark bleiben und als Nation seine demokratischen Ideale verteidigen soll.

Ein Drink, oder zwei, drü... und ä Zigi
Ein Drink, oder zwei, drü... und ä Zigi © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Das Kriegsgeschehen wird zunehmend prekärer, Churchills Entscheidungen sind sehr umstritten. King George (Ben Mendelsohn) und das Volk sind ihm als Premierminister gegenüber äusserst skeptisch und seine eigene Partei beginnt gegen ihn zu arbeiten. Doch Churchill versucht allen Widerständen zu trotzen und wird dabei von der unerbittlichen Liebe seiner Frau Clemmie (Kristin Scott Thomas) unterstützt, die ihm stets zur Seite steht und ihm die Stirn zu bieten vermag. Und dank seiner Passion für Politik gewinnt er die tatkräftige Unterstützung der jungen Sekretärin Elizabeth Layton (Lily James), die ihn fasziniert und seine etwas ermüdeten Lebensgeister wieder zum Leben erweckt.

Der genial gespielte Darkest Hour begeistert vor allem dank Gary Oldman in der Rolle des Winston Churchill und gefällt mit seiner Reduzierung aufs Wesentliche. Die Zeit, in der die Welt wegen Nazi-Deutschland auf der Kippe stand, wird mit tollem Set-Design zum Leben erweckt. Der Film schafft es, die Zuschauer in diese Welt hineinzutransportieren. Keine lahme Geschichtslektion, sondern durchaus mitreissendes Kino.

Seit der Veröffentlichung des ersten Bildes war klar, dass der legendäre Gary Oldman hier gross auftrumpfen und das Geschehen völlig an sich reissen würde. Dies macht er auch mit seiner Präsenz, dem vielen Make-up und seinem Schauspiel, doch Darkest Hour ist zum Glück nicht nur einfach die Gary-Oldman-Show, sondern auch ein von Joe Wright (Atonement) toll inszeniertes Drama, das diese "dunkelste Stunde" mit bedrückenden Bildern auf die Leinwand bringt.

Wright zeigt Churchill dabei nicht als Helden, sondern als Mann, der gefüllt ist von Zweifeln und Schiss hat, mit seinen Entscheidungen schlimme Dinge auszulösen. Oldman spielt das grandios unter einer gefühlten Tonne an Make-up - der eigentlich pensionierte Kazuhiro Tsuji wurde für den Job aus dem Ruhestand geholt. Es ist faszinierend, dabei zuzusehen, wie Oldman Churchills Macken, seinen schweren Gang und den trockenen Humor - ja, es gibt hier was zu lachen - zum Besten gibt. Neben ihm brillieren in dem Film auch der Australier Ben Mendelson als King George VI, Lily James als Sekretärin Layton und Kristin Scott Thomas als Churchill-Frau Clemmie.

Ein klassisches Biopic ist dies jedoch nicht. Wright beschränkt sich in seiner Erzählung auf wenige Wochen von Churchills Ernennung zum Premierminister bis zur Evakuierung von Dünkirchen, was das Werk zu einem interessanten Gegenstück zu Christopher Nolans Kriegs-Epos macht. Das bedeutet also, dass hier keine Szenen mit einem rebellischen jungen Churchill durchgestanden werden müssen. Wright kommt gleich zur Sache und hält den Fokus auf diese schwierige Zeit, in der ein Mann über das Schicksal vieler Menschen entscheiden und seine Entscheidung dann auch noch gut verkaufen musste.

Das geht im Film dann leider nicht ohne den Einsatz von Pathos über die Bühne, denn Wright und Oldman kosten die bekannte "We Shall Fight on the Beaches"-Rede so richtig aus. Auch ist die Kamera oftmals immer etwas zu nah am Geschehen, was in Zusammenhang mit den vielen Reden ermüdend wirken kann. Doch wer mit einem wachen Kopf an Darkest Hour herangeht, kriegt einen der bestgespielten Beiträge zum Zweiten Weltkrieg geboten, der mit der Ausstattung und einigen prächtigen Luftaufnahmen weitere Trümpfe in den Händen hält.

/ crs

Kommentare Total: 3

yan

Ja, die Schauspieler spielen stark, die Inszenierung ist ausgezeichnet und John Wright versucht so gut wie möglich langweiligen Momenten aus dem Weg zu gehen. Mal von seiner Black Mirror-Episode abgesehen, konnte ich mich mit Wrights Werken nie gross anfreunden. Auch bei Darkest Hour ist dies nicht anders: Oscar-Bait, schön verpackt als wichtiges Biopic, das sich aber in keinster Weise von anderen Genrevertretern abhebt.

andycolette

Sehr gut der Anfang etwas langatmig kaum zu glauben das Gary Oldman hinter dieser Maske steckt! Wie elegant schlank er an den golden globes ausgesehen hat! Mister Churchill in der U Bahn mit den Bürger das war härzig ! Toll aber Blade Runner 2049 hätte es mehr als bester Film des Jahres bei den Oscars verdient gehabt!!!

crs

Filmkritik: Ein Liechtli namens Winston

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