Il colore nascosto delle cose (2017)

Il colore nascosto delle cose (2017)

Emma - Il colore nascosto delle cose
  1. ,
  2. ,
  3. 116 Minuten

Filmkritik: Liebe macht blind

13. Zurich Film Festival 2017
Rosen...
Rosen... © filmcoopi

Mit 40 Jahren fällt es dem erfolgreichen Werber Teo (Adriano Giannini) schwer, sich vom Jungesellenleben zu verabschieden. Zwar hat er seiner Freundin Greta (Anna Ferzetti) versprochen, bald zu ihr zu ziehen, doch eigentlich gefällt es ihm in seiner eigenen Wohnung, die er nur mit einem Staubsaugerroboter teilen muss, ganz gut. Zumal es so auch einfacher ist, zwischendurch bei seiner Geliebten Stefania (Valentina Carnelutti) auf ein Schäferstündchen vorbeizuschauen.

...und Dosen.
...und Dosen. © filmcoopi

Als er eines Tages die blinde Osteopathin Emma (Valeria Golino) kennenlernt, beginnt er diese heftig anzubaggern - hauptsächlich deswegen, damit er nachher bei seinen Kumpels mit der exotischen Eroberung angeben kann. Er ist auch erfolgreich, bald schon landen Emma und Teo miteinander in der Kiste. Doch es bleibt nicht bei dem One-Night-Stand. Die beiden treffen sich wieder und beginnen langsam, füreinander Gefühle zu entwickeln. Doch kann eine solch ungleiche Beziehung funktionieren?

Der Film von Silvio Soldini kann sich nicht entscheiden, ob er denn nun lieber das Blindsein thematisieren oder doch lieber ein romantischer Pärchenfilm sein möchte. Ersteres schafft er bedingt, in letzterem scheitert er hingegen glorios. Mit seinen fast zwei Stunden ist der letztlich recht belanglose Film zudem eine arge Geduldsprobe. Da kann man nur noch sagen: Augen zu und durch.

In romantischen Filmen hoffen die Zuschauer üblicherweise darauf, dass die beiden Protagonisten am Ende zusammenfinden. In Il colore nascosto delle cose hofft man hingegen genau das Gegenteil. Denn der von Adriano Giannini verkörperte Teo ist ein veritabler Unsympath, der Frauen nach Strich und Faden betrügt und belügt, so dass man die sich anbahnende Lovestory von Beginn weg mit einem Augenrollen mitverfolgt. Auch wenn im Verlaufe des Filmes versucht wird, seinen Charakter doch noch etwas menschlich zu machen - beispielsweise durch eine dreingepappte, schicksalsschwangere Kindheitsgeschichte -, kann das die Sympathien nicht wiederbringen, die er sich schon ganz zu Anfang verspielt hat.

Ein wenig zugänglicher ist da die Figur von Valeria Golino - ja genau, die aus Hot Shots! -, die mit ihrer Sehbehinderung zu kämpfen hat und trotzdem nicht einen auf Blindenbonus machen will. In einem Nebenplot versucht sie, eine jugendliche Schicksalsgenossin dazu zu motivieren, ihr Leben in die Hand zu nehmen, anstatt sich in ihrem Leid zu suhlen. Diese Message ist zwar ganz nett, doch ein bisschen wenig für einen fast zweistündigen Film. Ausserdem wirkt die im realen Leben mit Sehkraft ausgestattete Schauspielerin in ihrem Bemühen, die Blinde zu spielen, ein wenig affektiert und angestrengt.

Regisseur Silvio Soldini hat sich mit Tragikomödien wie Pane e tulipani oder Il comandante e la cicogna einen Namen gemacht. Diese holten die Zuschauer vielleicht nicht mit einer ausgefeilten Story, dafür mit einer guten Portion Charme ab. Leider geht Il colore nascosto delle cose dieser Charme grösstenteils ab. Es fehlen Highlights oder wenigstens Charaktere, die ans Herzen wachsen. So bleibt am Ende nur die Hoffnung, dass der unsympathische Weiberheld Teo am Ende so richtig auf die Fresse fällt.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Twitter
  6. Instagram
  7. Letterboxd

Trailer Italienisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:37