Borg McEnroe (2017)

Borg McEnroe (2017)

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  3. 107 Minuten

Filmkritik: Kein ganz grosses Tennis

42nd Toronto International Film Festival
"Herr Borg, welches Mikrophon finden Sie schöner?"
"Herr Borg, welches Mikrophon finden Sie schöner?" © Ascot Elite

1980: Der Schwede Björn Borg (Sverrir Gudnason) ist die Nummer eins im Tennis und hat unter anderem das legendäre Wimbledon-Turnier schon viermal gewonnen. Würde er den Titel dort ein fünftes Mal gewinnen, hätte er Unglaubliches vollbracht. Der Druck, welcher da auf dem Ausnahme-Atleten zu liegen scheint, ist immens, doch äusserlich lässt sich Borg nichts anmerken. Wer Borg an seinem fünften Wimbledon-Triumph hindern könnte, ist das aufstrebende US-Tennis-Ass John McEnroe (Shia LaBoeuf).

"F***!"
"F***!" © Ascot Elite

Der Amerikaner sorgt aber nicht nur mit seinem Können für Schlagzeilen, sondern auch aufgrund seines aufbrausenden Temperaments auf dem Spielfeld, das eigentlich so gar nicht in die saubere Welt des Tennis passt. Borg und McEnroe: zwei Sportler, die von aussen so verschieden sind. Sie beide werden es 1980 in den Final von Wimbledon schaffen. Ihr Aufeinandertreffen wird ein Fünf-Satz-Spiel, das als eines der besten je ausgetragenen Duelle in der Welt des Sports in die Geschichte eingehen wird.

Der Film Borg/McEnroe ist vor allem ein Film über den schwedischen Ausnahmekönner, während der fluchende Amerikaner leider nur sekundär behandelt wird. Auch wegen des deutlich weniger interessanten Borg entsteht so ein unausgeglichener Film, bei dem dann das grosse Finale wegen der schwachen Inszenierung zudem nicht wirklich vom Hocker reisst.

Der Bindestrich im Titel "Borg/McEnroe" sollte ja eigentlich für "vs." stehen. Doch nach dem Schauen des Filmes hat man eher das Gefühl, dass dem Satzzeichen eine andere Bedeutung zukommt. Denn der Film fühlt sich eher nach "Borg VOR McEnroe" an.

Denn die beiden Athleten werden in dem Werk von Janus Metz nicht gleich behandelt. Es ist vor allem Borgs Film, über dessen Werdegang der Zuschauer einiges erfährt, während McEnroe lediglich mit ein paar Hinweisen betreffend "Daddy Issues" abgespeist wird. Dabei ist doch der fluchende Amerikaner der viel interessantere Sportler als der so perfekt scheinende Schwede. Shia LaBoeuf als Tennis-Rüpel gefällt, da der Schauspieler in Vergangenheit ebenfalls wegen Schimpftiraden in die Presse geriet und man ihm den Part auch so locker abkauft. An ihm liegt es nicht, dass vieles, was sein McEnroe abseits des Platzes so von sich gibt, reine Behauptung bleibt - was übrigens auch für Sverrir Gudnasons Borg gilt.

Dem gefeierten Dokumentarfilmer Janus Metz gelingt es dann auch nicht gross, Spannung aufzubauen. Ok, zugegeben, der Ausgang des Wimbledon-Finals 1980 dürfte Sportfans bekannt sein. Doch aufgrund der sprunghaften Erzählung und der Tatsache, dass Borg bevorzugt behandelt wird, fiebert man als Zuschauer nicht gebannt dem grossen Duell entgegen. In einem besseren Film würde man mit beiden mitfiebern, doch hier sind einem beide recht egal.

Das Finale selbst, welches in den letzten 20 Minuten gezeigt wird, macht dann auch keinen Spass. Zu oft ist die Kamera viel zu nahe dran am Geschehen, sodass wir zwar Schläge sehen, jedoch selten, wohin der Ball dann geht. Ob dies vielleicht auf die begrenzen Tennis-Fähigkeiten der Darsteller zurückzuführen ist? Was immer der Grund ist, die schnellen Schnitte bringen nicht Rasanz rein, sondern mehrheitlich Verwirrung.

So ist das Ganze ein recht frustrierender Film, der sehr gerne Psychogramm zweier Profis sein möchte, was jedoch auf Borgs Seite wegen dessen stoischer Ruhe scheitert, während es bei McEnroe wegen der zu limitierten Präsenzzeit misslingt. Für das irgendwann bestimmt kommende Roger-Federer-Biopic dürfte es ein Leichtes sein, diesen Film schon lange vor dem Zustandekommen eines fünften Satzes zu bezwingen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 2

andycolette

Fantastic movie und fantastic actors ! Und wieder so ein blöder Kommentar eines ahnungslosen!! wer selber Wettkampf Tennis gespielt hat liebt diesen Film breathtaking!!!

crs

Filmkritik: Kein ganz grosses Tennis

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