Bibi & Tina: Tohuwabohu total (2017)

Bibi & Tina: Tohuwabohu total (2017)

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  2. 111 Minuten

Filmkritik: Multikulti ist keine Hexerei

Dieses Dekret ist einfach "tremendous".
Dieses Dekret ist einfach "tremendous". © DCM

Die Hexe Bibi Blocksberg (Lina Larissa Strahl) und ihre beste Freundin Tina (Lisa-Marie Koroll) sind wieder einmal auf ihren Pferden unterwegs, als sie auf den schüchternen Jungen Aladin (Lea van Acken) treffen. Er ist auf der Flucht vor dem Krieg in Syrien und sucht in Deutschland Unterschlupf und Sicherheit. Irgendwie scheint aber noch mehr hinter Aladins Geschichte zu stecken, denn schon bald werden die drei von einer Gruppe verrückter Möchtegerngangster verfolgt.

"Mit mir kann man Pferde stehlen!"
"Mit mir kann man Pferde stehlen!" © DCM

Aladin ist gar nicht aus Syrien und dies ist auch nicht sein wirklicher Name. Dies wird klar, nachdem das Trio auf zwei tatsächlich aus Syrien stammende Flüchtlinge trifft, welche ihnen nun auch bei der Flucht vor den Bösewichtern helfen. Einer von ihnen hat es auf Tina abgesehen, welche jedoch bereits in festen Händen ist. Ihr Freund Alexander von Falkenstein hat zurzeit etwas andere Probleme, da sein Vater einen Deal mit dem fiesen Immobilienmagnaten Trumpf eingegangen ist und Burg Falkenstein in Gefahr schwebt.

Der vierte Teil der erfolgreichen Reihe verblüfft vor allem mit seiner Aktualität. Er bietet viel Diskussionsstoff zu Themen wie Flüchtlinge und Frauenrechten und verpackt sie kindgerecht mit einer simplen Geschichte und Musical-Einlagen. Etwas arg klamaukig ist das Ganze halt schon und die Popsongs sind zwar eingängig, aber musikalisch einfallslos. Mit seinen viel zu vielen Figuren überbordet der Film beinahe und im Schneideraum hätte ruhig grosszügiger gearbeitet werden können. Dank der positiven Message für mehr Toleranz für Andersartige ist er für sein Zielpublikum aber gewiss eine gute Sache.

Kaum zu glauben, dass Bibi und Tina bereits in die vierte Runde gehen. Auch dieses Abenteuer enthält pfiffigen Witz, lebensnahe Themen und eine Menge Musik. Leider geraten Bibi und Tina dank einer Reihe von Nebenfiguren in ihrem eigenen Film ein bisschen in den Hintergrund. Zu viel Zeit wird mit den depperten Bösewichten und dem kauzigen Grafen verbracht. So wirkt die eigentlich einfach Handlung verstreut und auch einfach zu lange. Hoch anzurechnen ist Detlev Bucks neuestem Streich aber die soziale Relevanz, die er in den Film hineinwebt. Einer der Bösewichte heisst Herr Trumpf, trägt blondes Haar und ist nur auf Moneten aus. Subtil ist dies nicht, regt aber zumindest zu Fragen und Diskussionen an.

Mit Flüchtlingskrise und Frauenunterdrückung werden hier Themen behandelt, die zwar viele Jugendliche beschäftigen, aber zu selten in einem derart federleichten Film verpackt werden. So gibt es nebst der Action und den zuckersüssen Liedern doch auch Substanz, die so verpackt auch eine grosse Masse an Kindern und Jugendlichen anspricht. Die Songs, in welche die Figuren ab und an ausbrechen, erinnern leicht an Disney, erreichen aber niemals diese Qualität. Man kann zwar rasch mitsingen, aber die Produktion tönt zu sehr nach Autotuning und Garage Band, um auch anspruchsvollere Musikfreunde begeistern zu können. Sie sind aber eine willkommene Abwechslung in der zu langen Spielzeit.

Ärgerlich am Plot selbst ist eigentlich nur die Tatsache, dass das Drehbuch Bibis Zauberkräfte wahllos einsetzt. Charaktere mit Zauberkräften sind schwierig und es gibt so manch einen Moment, bei dem unsere Helden sich leicht durch Hexerei hätten herauszaubern können. Schön aber, verkauft der Film sein Publikum nicht für doof, sondern bietet ihm trotz ernsten Themen auch die volle Ladung oberflächliche Unterhaltung.

/ ma

Trailer Deutsch, 01:58