The Beguiled (2017)

The Beguiled (2017)

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  2. 94 Minuten

Filmkritik: Internat-Dating

70e Festival de Cannes 2017
Beim Kerzenlicht sieht man die Flecken auf dem Kleid nicht so gut.
Beim Kerzenlicht sieht man die Flecken auf dem Kleid nicht so gut.

1864 in Virginia, mitten im amerikanischen Sezessionskrieg: Martha (Nicole Kidman) leitet ein Internat für Mädchen und junge Frauen. Eines Tages trifft die 12-jährige Marie (Addison Riecke) auf den schwer verwundeten Soldaten John McBurney (Colin Farrell) und bringt ihn ins Internat. Aus Menschlichkeit entschliesst sich Martha, den Soldaten vorübergehend aufzunehmen - obwohl er für die feindlichen Nordstaaten kämpft. Sobald er wieder gesund ist, soll er das Internat wieder verlassen.

Er hat keinen blassen Dunst, was ihm blüht.
Er hat keinen blassen Dunst, was ihm blüht.

Die Präsenz des Korporals im Internat geht nicht spurlos an den jungen Frauen vorüber: Die 17-jährige Alicia (Elle Fanning) hat genauso ein Auge auf den attraktiven Soldaten geworfen wie die etwas ältere Edwinia (Kirsten Dunst). Und auch Martha kann sich des Charmes von John McBurney nicht völlig entziehen. Doch der Mann im Haus sorgt auch für Eifersucht unter den jungen Frauen. Der heimliche Wettstreit, wer von ihnen wohl den Korporal für sich gewinnen kann, zieht eine verhängnisvolle Folge von Ereignissen nach sich...

Sofia Coppola setzt in ihrem werkgetreuen Remake des Klassikers von Don Siegel mit Clint Eastwood in der Hauptrolle keine wesentlich neuen Akzente - muss sich aber sicher auch nicht hinter dem Original verstecken. The Beguiled überzeugt im zweiten Teil als schwarze Komödie mehr denn als Drama, ist leidlich unterhaltsam und hat keine unnötige Längen - doch ist in seiner Vorhersehbarkeit auch ein wenig belanglos.

Welcher heterosexuelle Mann würde wohl nicht gerne in einem Mädcheninternat mit Insassinnen wie Elle Fanning, Kirsten Dunst oder Nicole Kidman rumknuspern? Doch für den von Colin Farrell verkörperten Protagonisten entwickelt sich der feuchte Traum mit dem Softporno-Plot bald zum Alptraum. Er ist nicht der Erste: Das Buch "A Painted Devil" von Thomas P. Cullinan aus dem Jahr 1966, auf dem dieser Film beruht, wurde nämlich 1971 bereits einmal verfilmt. Und zwar vom Machogespann Don Siegel und Clint Eastwood, das im selben Jahr den ersten Dirty Harry-Film abdrehte.

Nun hat sich mit Sofia Coppola also eine Frau desselben Stoffes angenommen. Das verspricht einen neuen, weiblichen Blick auf die Materie. Dieser unterscheidet sich allerdings augenscheinlich hauptsächlich dadurch, dass die Filmhandlung etwas gestrafft wurde: Mit 90 Minuten ist Coppolas Version eine Viertelstunde kürzer als das Original. Der Protagonist darf in diesem Film weniger lang sein Hahn-im-Korb-Dasein geniessen, bevor's zur Sache geht. Das ist sicher die richtige Entscheidung, denn dieser erste Teil ist - feuchte Männerphantasien mal ausgeklammert - auch der weniger interessante.

Im zweiten Teil hingegen entwickelt sich das anfängliche Kostümdrama zur schwarzen Komödie weiter und bietet damit einige bösartig vergnügliche Momente. Allerdings ist der Spuk dann schon relativ schnell wieder vorbei - die Nachwirkung ist nicht besonders stark. Und eine pointiert feministische Perspektive ist Coppolas Neuversion auch nicht anzusehen, bleibt sie doch abgesehen von den Kürzungen sehr nahe am Original.

Immerhin steht ihr ein ansehnlicher Cast zur Verfügung: Colin Farrell und Nicole Kidman haben mit The Killing of a Sacred Deer sozusagen parallel einen zweiten gemeinsamen Film miteinander gedreht. Farrell als charmantes Objekt der Begierde und Kidman als berechnende Internats-Oberin haben ein Heimspiel. Doch eigentlich ist es vor allem Kirsten Dunst als Edwina, die aus dem Cast heraussticht. Die Mimin, die hier nach Marie Antoinette und The Virgin Suicides bereits ein drittes Mal mit Sofia Coppola zusammenarbeitet, spielt eigentlich die einzige verletzlich scheinende Figur und ist damit heimliche Sympathieträgerin in einem Film, der zwar kurzweilig ist, dem es aber an grossen Momenten mangelt.

/ ebe

Kommentare Total: 3

yan

Sofia Coppola zaubert zwar schöne Bilder auf die Leinwand und hat tolle Darstellerinnen im Aufgebot. Ihr Remake ist aber zäh, belanglos und eigentlich auch ziemlich unnötig. Mit 94 Minuten knackig-kurz fühlt sich der Arthouse-Film trotzdem endlos an.

andycolette

Freue mich schon noch nie einen Film mit Nicole gesehen der nicht super war bin gespannt !!??

ebe

Filmkritik: Internat-Dating

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