Battle of the Sexes (2017)

Battle of the Sexes (2017)

Battle of the Sexes - Gegen jede Regel
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  3. 121 Minuten

Filmkritik: Schlag um Schlag zur Gleichberechtigung

42nd Toronto International Film Festival
Läck du mir am Schläckstängel
Läck du mir am Schläckstängel

USA, Anfang der Siebziger: Die 29-jährige Billy Jean King (Emma Stone) ist nicht nur die Nummer eins im Frauentennis, sondern auch Aktivistin, die sich für die Rechte der Frauen einsetzt. Für sie ist es unverständlich, dass bei einem kommenden Turnier die Frauen bis zu achtmal weniger Preisgeld erhalten sollen als die Männer. Die Begründung von Topfunktionär Jack Kramer (Bill Pullman), dass man den Männern lieber beim Spielen zusieht, lässt sie mal gar nicht gelten und gründet daraufhin eine eigene Tennis-Tour.

Gleichberechtigung bei den Hosenlängen?
Gleichberechtigung bei den Hosenlängen?

Der ehemalige Tennisspieler Bobby Riggs (Steve Carell) verfolgt dies wie auch viele andere Männer eher mit einem Lächeln. Doch der inzwischen 55-Jährige sieht auch die Chance, sich wieder ins Rampenlicht zu bringen. Mit Sprüchen, dass die Frauen an den Herd und nicht auf den Center Court gehören, baut er sich selbst als Chauvinist auf. Sein Ziel ist, sich selbst zum Hassobjekt zu machen, um dann weibliche Tennisspielerinnen zu gutbezahlten Showkämpfen herauszufordern. Unter anderem hat er dafür auch Billy Jean King im Kopf. Als sie zusagt, kommt es 1973 zum grossen Kampf der Geschlechter.

Der legendäre und für die Emanzipation wichtige Kampf der Geschlechter zwischen Billy Jean King und Bobby Riggs wird hier als unterhaltsame Tragikomödie präsentiert, die dank zwei tollen Leads (Emma Stone und Steve Carell) sowie überzeugend inszenierten Tennisszenen zu gefallen weiss. Ein netter Crowdpleaser der Macher von Little Miss Sunshine, der jedoch nicht sein ganzes emotionales Potenzial nutzt.

Aufschlag für das Duo Stone/Carell beim Duell der Tennisfilme im Kinojahr 2017 gegen Gudnason/LaBoeuf. Ein Ass gleich zu Beginn mit der Themenwahl. Der Match Mann vs. Frau bringt deutlich mehr Zündstoff als das Aufeinandertreffen zweier Tennislegenden, das doch etwas böse gesagt nur für Sportfans interessant ist. Es wird sich gleich bei den ersten Punkten zeigen, dass es bei diesem Duell kein Tie-Break braucht, um die Entscheidung herbeizuführen.

Ok, zugegeben: Der Vergleich macht nur oberflächlich betrachtet Sinn. Beide Filme sind zwar in der Welt des Tennis angesiedelt, doch geht es in beiden Fällen um mehr als nur darum, einen Filzball über das Netz zu kriegen. Während Borg/McEnroe jedoch beim Psychogramm zweier Getriebener scheiterte, reüssiert Battle of the Sexes beim gefassten Plan, eine Welt zu zeigen, in welcher der Kampf um Gleichberechtigung noch deutlich aussichtsloser aussah.

Anders als zum Beispiel ein Suffragette lockern die Regisseure Jonathan Dayton und Valerie Faris (Little Miss Sunshine) die Geschehnisse immer wieder mit Humor auf, woraus ein unterhaltsamer Crowdpleaser mit zwei toll aufspielenden Hauptdarstellern entsteht. Emma Stone spielt die kämpferische wie auch die verletzliche Seite von King famos, während Carell als Pausenclown genauso überzeugt wie auch in den ruhigeren Sequenzen, die tiefer in seinen auf den ersten Blick oberflächlich wirkenden Charakter blicken lassen.

Wo man die beiden Filme weiter vergleichen kann, ist bei der Inszenierung der Tennisszenen gegen das Ende hin. Dominierten bei Borg/McEnroe noch die Close-ups, sodass wir zwar die Gesichter der Schauspieler sahen, jedoch selten einen ganzen Ballwechsel, ist es hier genau umgekehrt. Das Spiel wird hier aus der bei TV-Übertragungen bekannten Perspektive gezeigt. Wegen der etwas unscharfen Optik - in den Seventies gab es halt noch kein HD - ist nicht wirklich zu erkennen, ob da Emma Stone und Steve Carell die Schläger schwingen. Macht aber nichts, denn die erprobten Doubles zeigen ganz grosses Tennis und verwerten damit perfekt die dramatische Vorarbeit der Schauspieler. Das reisst richtiggehend mit.

Zum totalen Triumph fehlt Battle of the Sexes jedoch trotzdem einiges. Auf emotionaler Ebene schickt der Film die Zuschauer nicht so richtig auf die Achterbahn, wobei das Potenzial mit einem Subplot um eine Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen durchaus vorhanden gewesen wäre. Der Film bleibt da immer etwas auf der Oberfläche hocken und erinnert zwischendurch mehr an einen TV-Film als an grosses Kino. Trotzdem ein netter und auch wichtiger Film, der Spass macht, während man ihn anschaut.

/ crs

Kommentare Total: 3

yan

Das Tennisspiel ist echt besser inszeniert als bei Borg/McEnroe. Vergleichbar sind die Filme trotzdem nicht, da Tennis bei Battle of the Sexes eigentlich nur Mittel zum Zweck ist. Emma Stone und Steve Carell mimen die zwei grossen Figuren hinter dem Geschlechterkampf und zeigen weshalb sie zu den Topstars Hollywoods gehören. Die biografische Tragikkomödie Battle of the Sexes braucht zwar ein bisschen um in Fahrt zu kommen, doch ist das Duell Mann gegen Frau erst mal losgetreten, macht der Film kaum was falsch und zeigt uns Probleme, die wir noch heute nicht aus der Welt schaffen konnten.

Conor

Etwas mehr Anspruch und Tiefe hätte dem Battle sicher gut getan. Wie Emma Stone Billie Jean King verkörpert ist jedoch äusserst beeindruckend.

crs

Filmkritik: Schlag um Schlag zur Gleichberechtigung

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