Bad Genius (2017)

Bad Genius (2017)

  1. , ,
  2. 130 Minuten

Filmkritik: Bestanden!

18. Neuchatel International Fantastic Film Festival 2018
Ich ha min Tascherechner dihei vergesse!
Ich ha min Tascherechner dihei vergesse!

Dank ihren ausserordentlichen Schulleistungen erhält Lynn (tief Luft holen: Chutimon Chuengcharoensukying) ein Stipendium an einer guten thailändischen Schule. Dort trifft sie auf Grace (Eisaya Hosuwan), die schulisch nicht ganz auf ihrem Level ist. Lynn versucht darauf, Grace mit Nachhilfestunden zu unterstützen, doch es nützt nichts. Die standardisierten Tests sind zu schwierig. Beim Klavierüben kommt sie auf eine nicht ganz legale Idee, wie sie ihrer Freundin zu besseren Noten verhelfen könnte.

Nicht nur Grace ist von dieser Idee begeistert, auch andere Mitschüler kriegen Wind davon und wollen Lynn sogar für ihre Methode bezahlen. Ohne mit den Wimpern zu zucken, nimmt sie die Herausforderung an und beginnt, die Klasse zu unterrichten. Nach den schuleigenen Prüfungen wartet die nächste Herausforderung: STIC, ein international standardisierter Test für die Aufnahme an grossen Universitäten weltweit. Lynn und ihre Freunde beginnen an einem irren Plan zu arbeiten, wie sich Dutzende Schüler durch diese Prüfungen schummeln und sie dabei mächtig Geld verdienen können.

Was auf dem Papier langweilig erscheint, entpuppt sich als spannender, kurzweiliger Heistfilm. Zwar werden nicht Wertgegenstände, sondern Prüfungsantworten entwendet, weniger nervenaufreibend ist Bad Genius deswegen aber keineswegs. Der Film glänzt zudem mit slickem Schnitt, einem pumpenden Soundtrack und einer guten Prise Humor. Das rassige Tempo kann er aber leider nicht bis zum Schluss halten.

In der Schulzeit gibt es nichts Nervenaufreibenderes als Prüfungen zu schreiben. Der thailändische Regisseur Nattawut Poonpiriya hat dieses Gefühl genommen und gibt es in seinem Schulthriller (!) Bad Genius enorm gekonnt wieder. Denn in der Theorie klingt dieses Konzept sterbenslangweilig: ein paar Schüler, die einander beim Schummeln helfen. Doch die Präsentation des Films lässt dieses Gefühl nach wenigen Minuten dem Gefühl der Spannung weichen.

Entscheidend ist dabei der gelungene Schnitt. Öfters erinnerte er an den Stil von Edgar Wright mit Match Cuts, schnellen Close-ups und zackigen Kameraschwenkern. Dazu kommen der pumpende Elektrosoundtrack und die passend eingesetzten Klassikstücke. Dadurch wirkt der Film extrem temporeich und die ersten zwei Drittel vergehen wie im Flug. Im dritten Akt will er dann zu viel und die Dramatik gerät etwas ausser Kontrolle. Spannend bleibt's aber bis zum Schluss. Und der Film nimmt sich auch nicht sehr ernst, denn er merkt selbst, wie überzeichnet die Ausgangslage ist.

Trotzdem ist in Bad Genius eine gewisse Kritik am thailändischen Schulsystem zu erkennen. Standardisierte Prüfungen testen an den Fähigkeiten der Schüler vorbei, Lehrer werden zu knausrig bezahlt und Eltern müssen an gewissen Schulen eine Art Bestechungsgeld, genannt "Tea Money", bezahlen, damit ihre Kinder diese Schulen besuchen dürfen. Diese Anschuldigungen bleiben aber unterschwellig und nehmen nie Überhand.

So kommt der Humor auch nicht zu kurz. Sowohl der visuelle als auch der gesprochene funktioniert gut, auch wenn durch die Sprachbarriere wahrscheinlich der eine oder andere Witz verlorengeht. Die jungen Thai-Darsteller haben eine tolle Chemie untereinander und überzeugen bei den witzigen wie auch bei den gelegentlichen dramatischen Szenen. Im starken Kontrast stehen die englischsprechenden Schauspieler. Vor allem Ego Mikitas als STIC-Supervisor ist absolut underirdisch. Gelegentlich beschwört er fast seinen inneren Tommy Wiseau herauf, was einige ernste Szenen unfreiwillig komisch macht.

Strukturiert ist der Film dabei wie ein Heistfilm, mit gelegentlich eingespielten Verhörsszenen und Voice-Over über einer Montage der beschriebenen Aktion. Die Geschichte hätte noch etwas besser fliessen können, wenn vor allem zum Schluss einige Hürden weggelassen werden worden wären. Ausserdem wirken ihre Pläne stellenweise etwas gar übertrieben; auf Realismus will Bad Genius aber nie heraus, sondern eine rasante, unterhaltende Geschichte erzählen. Und das gelingt.

/ nna