Aurore (2017)

Aurore (2017)

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  2. 89 Minuten

Filmkritik: Mach mal Menopause!

Ohrringe statt Augenringe
Ohrringe statt Augenringe

Single, arbeitslos und bald Grossmutter: Aurore (Agnès Jaoui) hat die Krise. Während ihre beste Freundin Mano (Pascale Arbillot) noch immer flott auf Männerfang geht, hat Aurora längst die Hoffnung aufgegeben, nochmals einen Partner an ihrer Seite zu finden. Ihre ältere Tochter Marina (Sarah Suco) ist schwanger, die jüngere Tochter Lucie (Lou Roy-Lecollinet) kämpft mit Teenieproblemen und sie selbst wird im Arbeitsamt gedemütigt. Niemand scheint sich mehr für sie zu interessieren, nicht mal die automatischen Schiebetüren wollen sich für sie öffnen.

Gruppenknuddeln!
Gruppenknuddeln!

Doch dann trifft sie per Zufall auf Christophe (Thibault de Montalembert), ihren früheren Jugendschatz. Plötzlich fühlt sie sich wieder jung und verliebt, die Schmetterlinge im Bauch sind zurück. Doch mit Anfang 50 ist das Leben nicht mehr so unbeschwert wie damals. Denn die alten Geschichten haben Spuren hinterlassen, und so droht das alte junge Liebesglück wieder zu scheitern, bevor es richtig begonnen hat.

Die Tragikomödie von Blandine Lenoir wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie ihre Protagonistin: nett, unaufdringlich und vielleicht gelegentlich etwas fade. Die Liebesgeschichte mag ein wenig abgestanden wirken, doch lassen einige schöne Einzelszenen und eine unauffällig starke Hauptdarstellerin Agnès Jaoui dieses Manko wieder vergessen. Ein Film nicht nur für Frauen um die 50.

Die schönsten Szenen in Aurore sind diejenigen, in denen nicht gesprochen wird: Sei es die Restaurant-Szene mit Aurore und Christophe, in der die Konversation von penetranten Opernsängern erstickt wird; sei es eine Flashback-Tanzszene, begleitet vom tollen Nina-Simone-Song "Ain't Got No, I Got Life". In diesen Momenten scheinen die traurig-süssen Erinnerungen durch, von der die Protagonistin zehrt, die Erinnerungen an ihre erste Liebe oder an ihre beiden Kinder, als sie noch jung waren.

Die Gegenwart ist jedoch trister. Mit souveränem Understatement spielt Agnès Jaoui die Hauptrolle der Aurore, an der das Leben irgendwie vorbeizieht. Zu jung, um als Seniorin durchzugehen, aber zu alt, um noch als jung zu gelten, ist sie irgendwo zwischen Stuhl und Bank gelandet. Spektakulär ist der Film von Blandine Lenoir nicht inszeniert - genausowenig spektakulär, wie es eben das Leben der Protagonistin ist.

So lebensecht die Protagonistin, so oberflächlich ihr männlicher Gegenpart. Thibault de Montalembert absolviert den ganzen Film mit dem gleichen gequält-leidenden Gesichtsausdruck und kriegt kaum Gelegenheit, seinen Charakter zu vertiefen. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, ist es doch in den wesentlichen häufiger gedrehten Filmen mit männlichem Protagonisten genau umgekehrt: Dort ist es oft der weibliche Love-Interest, der allzu eindimensional porträtiert wird. Ausgleichende Ungerechtigkeit, kann man da nur sagen. Freilich sind auch einige weibliche Nebenfiguren, allen voran Pascalle Arbillot als "Crazy best friend", ein wenig arg klischeehaft dargestellt.

Sympathisch wiederum ist die Alters-WG, in der Aurore schliesslich doch noch einen Job findet. Dort fällt dann auch die Weisheit des Tages: Ab 70 fängt das Leben an! So muss die Protagonistin halt wohl oder übel noch irgendwie 20 Jahre über die Runden kriegen.

/ ebe

Kommentare Total: 2

Bellowulf

Einfach ein guter, vergnüglicher, herzerwärmender Film mit viel französischem Charme. Wohl nicht das ganz grosse Kinoereignis, mais très sympa...

ebe

Filmkritik: Mach mal Menopause!

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:29