Euthanizer - Armomurhaaja (2017)

Euthanizer - Armomurhaaja (2017)

Filmkritik: Karma is a bitch

1. OutNow Film Festival 2020
In den Zwinger gezwungen.
In den Zwinger gezwungen. © Outside the Box

Der zurückgezogen lebende Mechaniker Veijo (Matti Onnismaa) hat es nicht so mit Menschen. Vielmehr sagen ihm Tiere zu, wobei er im Nebenjob diese für wenig Geld umbringt. Da die Euthanasie beim Tierarzt viel zu teuer ist, suchen immer mehr Leute Veijo auf, der die kleinen Vierbeiner mit Gas tötet, während die grossen mit einer Pistole erschossen werden. Doch bevor er zu dieser Arbeit schreitet, versucht er den jeweiligen Besitzern jeweils noch eine «Lektion» zu erteilen, die klar machen soll, was sie bei der Tierhaltung alles falsch gemacht haben.

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doesthedogdie.com © Outside the Box

Eines Tages taucht bei Veijo der Automechaniker Petri (Jari Virman) auf, welcher die Hündin seiner Frau töten lassen will, da das Tier Kinder gebissen haben soll. In Wahrheit weigert sich Petri einfach nur, die 300 Euro für die Sterilisation der Hündin zu bezahlen. Veijo merkt schnell, dass da etwas nicht stimmt und beschliesst, die Hündin zu behalten. Es dauert jedoch nicht lange, bis Veijo, Petri und die Hündin erneut aufeinandertreffen.

Definitiv kein Feel-Good-Movie: In Euthanizer wird eine brutale Form von Karma zelebriert, die bis zum Ende durchgezogen wird. Das ist zwar konsequent, aber wegen der unausstehlichen Figuren und der Gewalt nicht unbedingt leicht bekömmlich. Ein kleiner dreckiger Film, den sich Tierliebhaber besser nicht ansehen sollten.

Die Website doesthedogdie.com klärt besorgte Kinozuschauer auf, ob Hunde oder andere Tiere zu Schaden kommen während der Handlung eines Filmes, den sie sich zu Gemüte führen wollen oder gerade ansehen. Alle, welche dort jeweils kurz nachschlagen, sollen den grösstmöglichen Bogen um das aus Finnland kommende, schwarzhumorige Thriller-Drama Euthanizer machen. Denn hier segnen gleich mehrere Tiere das Zeitliche - «zum Glück» aber auch ein paar gemeine Figuren, von denen der Film zur Genüge hat. Es sollte aber trotzdem nicht die finnische Version von John Wick erwartet werden. Für das ist dieser Euthanizer deutlich zu gemächlich unterwegs.

Es ist eine ziemlich miese Welt, welche hier gezeigt wird, in der Gewalt mit Gegengewalt bestraft wird. Dies dürfte viele abschrecken, denn auch unter den Figuren hat es kaum eine sympathische. Fast alle sind entweder asozial, böse, grausam oder haben einen Sprung in der Schüssel. Der Film scheint sich dabei fast ein wenig in diesem gezeigten Elend zu suhlen. Eine gewisse Faszination lässt sich dadurch nicht abstreiten, denn es macht schon neugierig, herauszufinden, wie weit Regisseur und Drehbuchautor Teemu Nikki zu gehen bereit ist.

Fehlende Konsequenz muss sich Nikki jedenfalls nicht vorwerfen lassen. Euthanizer ist von den Figuren über die Handlung bis zu den Gewaltspitzen durchgehend dreckig und düster. Da einige Szenen aber etwas gar kalkuliert provokativ wirken, ist die ganze Sache schon nach einer Weile recht ermüdend. Auch sind einige Charaktere wie der Möchtegern-Rassist und seine Kumpels etwas gar eindimensional geraten. So fühlt sich der Film dann auch etwas länger an, als es die Laufzeit von 83 Minuten vermuten lässt.

/ crs

Kommentare Total: 2

arx

Ich wage die gegenteilige These: Der Tierfreund wird sich in diesem Film gut aufgehoben fühlen. Denn mit dem herzensguten, aber abgrundtief verbitterten Veijo - eine ungemein spannende Figur! - tritt hier eine Art Racheengel der vernachlässigten und misshandelten (Haus-)Tiere auf. Es werden unhinterfragte Einstellungen gegenüber Tieren an den Pranger gestellt, die sich in unsere Gesellschaft eingenistet haben und mit mutiger und unerbittlicher Konsequenz durchexerziert, was diese für Auswirkungen hätten, würde man sie auch gegenüber den Menschen einnehmen. Und dann ist da noch die Frage, wie schön das sogenannte Einschläfern, die Euthanasie (gr. etwa für «schöner Tod»), denn wirklich ist.

Kurzweilige Angelegenheit, die auch gerne noch etwas differenzierter hätte sein können. Der Plot ist etwas zu geradlinig und die Ereignisse fallen manchmal mit der Tür ins Haus, aber für deren Hinnahme werden wir von ins Schwarze treffenden Gedanken, einem brillianten Matti Onnismaa und einem dauerrotierenden Jari Virman entschädigt.

crs

Filmkritik: Karma is a bitch

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Trailer Originalversion, mit deutschen Untertitel, 01:36