Aftermath (2017)

Aftermath (2017)

Vendetta: Alles was ihm blieb war Rache
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  3. 94 Minuten

Filmkritik: Frustbewältigung mit Arnold

Terminator in Bedrängnis
Terminator in Bedrängnis

Roman Melnyk (Arnold Schwarzenegger) ist ein einfacher Arbeiter, der sich auf die Ankunft seiner Frau und Tochter freut. Sie sollen per Flug eintreffen und der werdende Grossvater bereitet alles für den Empfang vor. Am Flughafen, mit Blumenstrauss in der Hand, wird er dann jedoch in einen separaten Raum gebeten, wo ihm mitgeteilt wird, dass der Flug mit seiner Familie an Bord verunfallt ist und es keinerlei Überlebende gibt.

Emotionen gefällig?
Emotionen gefällig?

Jake (Scoot McNairy) ist Fluglotse und hat in seiner Schicht mit technischen Problemen zu kämpfen. Die Telefone funktionieren nicht und während er dieses Hindernis zu umgehen versucht, verpasst er, dass sich zwei Flugzeuge in der Luft nähern und kurz darauf ineinander prallen. Obwohl ihm am Vorfall keine Schuld zugewiesen wird, bricht das Leben des Mannes zusammen und all die ihm zur Verfügung gestellte psychologische Hilfe ist nutzlos. In einer fremden Stadt, mit neuem Namen, soll er danach ein neues Leben beginnen.

Roman hingegen akzeptiert den Verlust seiner Familie nicht. Er versucht via Fluggesellschaft und Polizei an den Namen des Fluglotsen zu kommen, wird aber immer wieder abgewiesen. Bis er einen entscheidenden Tipp bekommt, der ihn auf die Spur des vermeintlichen Mörders seiner Familie bringt.

Aftermath bietet zwar einen bemühten Hollywoodstar, hat aber grosse Probleme in der Erzählstruktur und den Emotionen. Die sind nämlich kaum glaubwürdig und lassen die Figuren mit einer Distanz agieren, die man in einem Drama schlichtweg besser lösen muss. So bleibt ein trauriger Film mit einer ebensolchen Geschichte, in der es keine Gewinner gibt.

Im Juli 2002 starben bei einem Flugzeugunglück über Überlingen (beim Bodensee) über 70 Menschen. Die Schuld für diese Katastrophe suchte einer der Hinterbliebenen damals bei einem Fluglotsen von Skyguide, der Firma, die für die Flugsicherung zuständig war. Der Fall ging durch die Medien, erst recht als dieser Mann den Lotsen zwei Jahre nach dem Unfall erstach. Aftermath basiert, sehr lose allerdings, auf diesem Ereignis und hat mit Megastar Arnold Schwarzenegger natürlich ein Zugpferd eingespannt, welches dem Film eigentlich hätte Publicity verschaffen sollen. Genützt hat es leider nicht viel, denn der Film wurde nie im Kino ausgewertet, sondern direkt via Internet und DVD vermarktet.

Die Hintergrundgeschichte von Aftermath ist tragisch und traurig. Auf dieser Schiene lässt Regisseur Elliott Lester (Blitz) seine Figuren entsprechend trauern und leiden. Vor allem Arnold Schwarzenegger hat viel zu überstehen und versucht, seinem Image als knallharter Actionheld entgegenzuwirken. Das gelingt nicht immer glaubhaft, aber man sieht dem Österreicher an, dass er sich bemüht, auch die ruhigen Sequenzen zu meistern.

Inhaltlich hingegen kommt der Film kaum vom Fleck und man versucht, beide Hauptfiguren in eine Opferrolle zu drücken, die sich so gegenseitig schwächen. So wird aus Aftermath kein Rachethriller, wie es der deutsche Titel Vendetta - Alles was ihm blieb andeutet, sondern ein Drama, das die Zuschauer frustriert und traurig zurücklässt. Die ganze Stimmung ist bedrückt, die Darsteller wirken bemüht und das Ende ist nicht konsequent genug, um Diskussionsstoff zu bieten.

/ muri

Trailer Deutsch, 02:05