Wiener-Dog (2016)

Wiener-Dog (2016)

  1. 90 Minuten

Filmkritik: What if? Then what?

Wiener-Dog und Wiener-Dog
Wiener-Dog und Wiener-Dog

Das Abenteuer von Wiener-Dog beginnt in einem Tierheim. Der Name des Dackels ändert sich dabei ebenso oft wie seine Besitzer. Als Aufmunterung für einen krebskranken Jungen geholt, erlebt er den sterilen Alltag von Remis (Keaton Nigel Cooke) wohlhabender Familie. Mit der Tierarzthelferin Dawn Wiener (Greta Gerwig) und ihrem alten Schulfreund Brandon (Kieran Culkin) fährt er durch die USA.

Es braucht mehr Filme mit Danny DeVito!
Es braucht mehr Filme mit Danny DeVito!

An der Seite des Professors und Drehbuchautors Dave Schmerz (Danny DeVito) erlebt er die Schattenseiten einer ganzen Industrie, bevor er am Ende auf der Couch der alten Dame Nana (Ellen Burstyn) landet. Wiener-Dog ist dabei der treue Begleiter für alle Lebenslagen auf der Reise durch das Leben.

Wiener-Dog ist eine Komödie über Einsamkeit, Familie und die eigene Sterblichkeit. Der Dackel ist das verbindende Element der Geschichte und steht in den Episoden unterschiedlich stark im Fokus. Die Tour durch die USA ist dabei auch eine Reise durch das Leben, stets begleitet vom Tod. Absurdität findet man nicht nur in den Dialogen, sondern auch in der Inszenierung. Es hat etwas Anmutendes an sich, wenn bei klassischer Musik eine langsame Kamerafahrt über eine Spur aus Hundekot stattfindet.

Wiener-Dog ist der sechste Langfilm von Regissseur Todd Solondz (Happiness), das Episodenwerk über einen Dackel und seine menschlichen Begleiter ist zeitgleich ein Spin-off zu Solondz Debütwerk Welcome to the Dollhouse. Denn schon in der zweiten Episode sehen wir Dawn Wiener, das einsame Mädchen von der Junior Highschool, als erwachsene Frau. Sie ist nicht die einzige Figur, die man wiedertrifft. Brandons Familie steht im Fokus der zweiten Episode.

Auf der Fahrt zum Tierarzt fragt Remi seine Mutter, warum sein Hund denn sterilisiert werden muss. Der folgende Dialog ist exemplarisch für die Thematik und die Absurdität des Films. Anfangs noch einfühlsam, verstrickt sich die Mutter schnell in eine Vergewaltigungsgeschichte, an deren Ende sie zu dem Fazit kommt, dass der Tod etwas Gutes sei. Solondz macht es einem bewusst nicht leicht seine Figuren zu mögen, ihre Aussagen sind zum Teil genauso bitterböse wie ihre Handlungen.

Später trifft man eine Mariachi-Band, die tieftraurig ist und unbedingt zurück nach Mexiko will, weil es in Amerika einsam ist. Alle Hauptfiguren an Wiener-Dogs Seite sind einsame Menschen, die aber noch auf bessere Zeiten hoffen und doch in der einen oder anderen Form mit der Sterblichkeit konfrontiert werden. In Szenen wie dem Gespräch zwischen Brandon und seinem behinderten Bruder Tommy zeigt der Film auch seine gefühlvolle Seite.

Intermissions sind im heutigen Kino selten geworden, Wiener-Dog glänzt hier allerdings. Nach der zweiten Episode erlebt man die Reise des Hundes aus einer anderen Perspektive, begleitet vom grandiosen Lied "The Ballad of the Wiener-Dog". Die Filmschule in der nachfolgenden Episode degradiert den Hund zum stillen Begleiter. Der überzeugende Danny DeVito rennt seinem Erfolg als Drehbuchautor hinterher, während seine klassischen Unterrichtsmethoden die Ideen seiner Studenten sabotieren. Gleichzeitig sieht man Bewerbungsgespräche, in denen junge Leute von Superheldenideen wie Sticky Fingers reden und wie sehr sie das Medium lieben, ohne jedoch einen einzigen Film nennen zu können. Es ist Kritik an der eigenen Industrie, in der Solondz Filme nicht als Kassenschlager gelten.

Wiener-Dog ist anders. Der Film ist bizarr, traurig und komisch. Es ist eine ernste Satire, die ihre Themen nuanciert behandelt. Die Episoden greifen zwar inhaltlich ineinander, der Hund sorgt allerdings nicht für eine zusammenhängende Geschichte. Der Cast um Greta Gerwig überzeugt, die reduzierte Kameraarbeit von Ed Lachman (Carol) ist sehenswert und am Ende bleibt einem (hoffentlich) mehr in Erinnerung als der Ohrwurm aus der Intermission.

/ sma