War on Everyone (2016)

War on Everyone (2016)

  1. 98 Minuten

Filmkritik: Wer nichts wird, wird Polizist. Oder Gauner. Oder beides.

12. Zurich Film Festival 2016
Fluchen, saufen, kiffen? Können wir!
Fluchen, saufen, kiffen? Können wir!

Gesetzestreue, Ehrlichkeit, Verantwortung. Eigenschaften, die einen guten Polizisten ausmachen, den beiden Cop Buddys Terry Monroe (Alexander Skarsgård) und Bob Bolaño (Michael Peña) aber komplett fehlen. Statt wie ihre Kollegen die bösen Jungs zu jagen und zu verknacken, sind die beiden meist bis zum Hals selber in illegale Machenschaften verwickelt: Sie dealen mit Drogen, konsumieren die unterschiedlichsten illegalen Substanzen und erpressen andere Kleinkriminelle. Daneben fliesst der Alkohol in rauen Mengen und es wird geflucht, was das Zeug hält. Da ist es dann auch kaum verwunderlich, dass sich die beiden immer wieder mit Suspendierungen konfrontiert sehen.

Doch irgendwoher muss das Geld ja kommen - erst recht, wenn Frau und Kinder da sind. Das illegale Geschäft mit Drogen, Erpressung und Betrug scheint sich auch tatsächlich auszuzahlen und lässt die Haushaltskasse klingeln. Alles läuft wie am Schnürchen, bis sich ihre Wege eines Tages mit denen des britischen Upper-Class-Kriminellen Lord James Mangan (Theo James) kreuzen. Dummerweise hat es der auf die gleiche Beute wie Terry und Bob abgesehen. Es beginnt ein Wettkampf, in dem sich die beiden korrupten Polizisten erstmals mit einem Gegner auf Augenhöhe konfrontiert sehen und bei dem sich beide Seiten nichts schenken.

Die Story rund um die beiden korrupten und kriminellen Cops Terry Monroe und Bob Bolaño beginnt harzig. Neben platten Sprüchen und vorhersehbaren Szenen schaffen es auch die Charaktere nicht, das Publikum wirklich zu überzeugen. In der zweiten Hälfte nimmt der Film nicht nur an Tempo auf, sondern zeigt zudem einige Szenen, die Wortwitz und Überraschung bieten. Soundtrack und Ausstattung hingegen überzeugen vom ersten Moment. Dennoch beinhaltet War on Everyone viel nicht ausgeschöpftes Satire-Potenzial.

Nach The Guard und Calvary präsentiert der irische Regisseur John Michael McDonagh mit War on Everyone seinen dritten Langfilm. Auch mit dieser schrillen, zynisch angehauchten und teilweise fast satirisch daherkommenden Komödie voller schwarzem Humor und schrägen Momenten schafft er es jedoch nicht, aus dem Schatten seines Bruders Martin McDonagh zu treten, der für Erfolge wie In Bruges oder Seven Psychopaths verantwortlich war.

Der Einstieg in die rund 90-minütige Reise voller Fäkalsprache, Gewalt und absurden Szenen verläuft harzig. Die beiden Hauptcharaktere sind kaum ausgereift, und so fällt es schwer, sich auf die beiden Hauptfiguren Terry und Bob einzulassen. Die flachen Dialoge weisen durchaus einen gewissen Witz auf, fallen aber doch meist mit ihrer Plumpheit durch. Das gleiche gilt auch für die Situationskomik. Viele Pointen sind vorhersehbar und schaffen die Gratwanderung zwischen amüsanter Slapstick-Komik und dummer Blödelei nicht immer. Erst der Auftritt von Theo James in der Rolle des adeligen Gangsterbosses James Mangan verleiht dem Geschehen einen gewissen Stil und Würde. Natürlich entpuppt sich auch diese Figur als menschlicher Abschaum, James vermag es aber, seine Rolle durchaus stilvoll und charmant zu interpretieren.

Einziger Lichtblick in den ersten 45 Minuten sind der Retrolook der ganzen Szenerie sowie der Soundtrack. Dabei haben die Macher des Films zwar nicht wahnsinnig tief in die Trickkiste greifen müssen, was sie aber hervorgebracht haben, hat durchaus seinen Reiz. So wurde mit unterschiedlichen Kameraeinstellungen, Überblendungen und Perspektiven gearbeitet, welche äusserst gelungen auf die Retro-Requisiten abgestimmt sind. Nicht selten fallen gewisse Parallelen mit Shaft oder The Streets of San Francisco auf.

Die Reise der beiden Hauptcharaktere nach Island in der Hälfte des Films ist so unglaublich absurd, dass sie schon wieder als genial bezeichnet werden könnte. Während dieses Intermezzos kommen auch erstmals sprachliche Raffinessen und Wortwitz zum Zug, die den einen oder anderen herzhaften Lacher wert sind. Zudem legen die Handlungsstränge an Tempo zu und ein kleiner Höhepunkt folgt dem nächsten. Es gelingt den Machern des Films, diese Pace bis zum gelungenen, wenn auch vorhersehbaren Ende aufrecht zu erhalten. Dennoch handelt es sich bei War on Everyone um eine Art filmische Bad-Taste-Party: irgendwie noch lustig. Aber eine richtig gute Stimmung vermag trotzdem nicht aufzukommen - dazu ist das Ganze dann doch zu trashy.

/ hom