A United Kingdom (2016)

A United Kingdom (2016)

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  3. 111 Minuten

Filmkritik: (Kicked) Out of Africa

41st Toronto International Film Festival
United im Kingdom
United im Kingdom © Pathé Films

London kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Die Büroangestellte Ruth Williams (Rosamund Pike) lernt an einer Party den sympathischen Oxford-Studenten Seretse Khama (David Oyelowo) kennen. Die beiden sind sehr voneinander angetan und beschliessen auf gemeinsame Dates zu gehen. Nach einem solchen gesteht Seretse Ruth, dass er nicht mehr lange in London bleiben kann. Er ist der zukünftige König des britischen Protektorats Betschuanaland und muss so bald in seine Heimat zurückkehren. Anstatt getrennte Wege zu gehen, heiraten Ruth und Seretse - mit weitreichenden Folgen.

Während Ruth von ihrem Vater aufgrund der Heirat mit einem Schwarzen verstossen wird, haben die britische Regierung und das Volk von Betschuanaland ebenfalls keine Freude an dem Paar. Für die Leute in Betschuanaland ist es unvorstellbar, eine weisse Königin zu haben und die Briten fürchten eine grosse Gefahr für das politische Klima, da in Südafrika zur gleichen Zeit gerade die Apartheid durchgesetzt wird. Hat unter diesen Umständen die Liebe von Seretse und Ruth überhaupt eine Chance?

A United Kingdom ist schönes Gefühlskino, in dem eine Liebe viele Probleme aus dem Weg zu räumen versucht. Dies ist vor allem dank den Hauptdarstellern Rosamund Pike und David Oyelowo sehenswert. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte hat das Herz am rechten Fleck, da sie auch von Regisseurin Amma Asante nicht zu schwülstig erzählt wird. Ein guter, wenn auch aufgrund einiger Längen kein herausragender Film.

Die Geschichte eines dunkelhäutigen Mannes und einer weissen Frau, die für ihre gemeinsame Liebe kämpfen. Das ist der Stoff für grosses Gefühlskino und in diesem Fall sogar Stoff direkt aus dem realen Leben. Seretse Khama und Ruth Williams gab es wirklich und ihre Geschichte lohnt es sich zu erzählen. Dieser Aufgabe angenommen hat sich Regisseurin Amma Asante und herausgekommen ist mit A United Kingdom ein toll gespieltes Liebes-Drama mit ein paar Längen.

Viel Zeit für Liebesbekundungen gesteht sich der Film nicht ein. Stattdessen wird schon ab nach gut einer halben Stunde auf politischer Ebene über das Paar diskutiert. Doch in der wenigen Zeit, in der wir das Paar zusammenkommen sehen, verkörpern Rosamund Pike und David Oyelowo absolut glaubhaft die gegenseitige Anziehung ihrer Figuren. Wäre dieser Teil nicht gelungen, wäre das ganze Drama danach wirkungslos. Doch die beiden britischen Darsteller brillieren und verhelfen dem Film schon früh zu einem Höhenflug.

Schade, dass diese Höhe später nicht mehr erreicht wird. Auch wenn der Kampf gegen Rassismus und Bürokratie interessant zu verfolgen ist, lahmt der Film dann immer wieder. Dies hat damit zu tun, dass in der zweiten Hälfte des Filmes das Liebespaar kaum mehr gemeinsam auf der Leinwand zu sehen ist. Dies hat natürlich mit der Geschichte zu tun - Seretse wurde durch die Behörden in London festgehalten -, doch fehlt dem Film dann das Feuer, so dass er fast nicht anders zu entfachen im Stande ist. Schlecht wird A United Kingdom dadurch nicht, denn man kann sich herrlich über die Ungerechtigkeiten, die dem Paar wiederfahren, aufregen. Mit den Figuren von Tom Felton und Jack Davenport gibt es zudem zwei Bürokraten zum zufriedenen Nichtgernhaben. Doch schleichen sich eben dann doch Abschnitte ein, welche ein baldiges Happy-End herbeiwünschen lassen.

Trotz dieser Schwächen ist A United Kingdom gutes und engagiertes Kino, welches für mehr Verständnis auf der Welt wirbt und die Liebe als Mittel zur Lösung von Problemen empfiehlt. Dies klingt zum Glück schwülstiger als es in Wirklichkeit ist. Regisseurin Amma Asante ist das Thema zu wichtig, als dass sie es im Kitsch ersaufen lassen könnte. Zusammen mit den schönen Bildern von dem im Horrorbereich gross gewordenen Kameramann Sam McCurdy (The Descent) hat Asante einen sehenswerten Film geschaffen, den es sich auf der grossen Leinwand anzusehen lohnt. Für alle Fans von grossem Gefühlskino definitiv ein Pflichtfilm.

Chris Schelb [crs]

Chris arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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