Split (2016/IX)

Split (2016/IX)

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  2. 117 Minuten

Filmkritik: Meine Gefühle sind total gespalten

Happy birthday ... not.
Happy birthday ... not. © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Nach einer Geburtstagsparty werden die Schülerinnen Casey (Anya Taylor-Joy), Marcia (Jessica Sula) und Claire (Hayley Lu Richardson) von einem Unbekannten (James McAvoy) entführt. Als die Mädchen wieder aufwachen, sind sie in einem Kellerraum eingeschlossen. Von Angst erfüllt, beginnen Marcia und Claire erste Fluchtpläne zu schmieden. Doch die Aussenseiterin Casey weiss sofort, dass die Mädchen kaum eine Chance haben.

Kevin, bist du's?
Kevin, bist du's? © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Dass sie es mit einem besonders aussergewöhnlichen Entführer zu tun haben, erkennen die Drei, als er in Frauenkleidung vor sie tritt und sich als Patricia vorstellt. Wenig später gibt er sich im Trainingsanzug als neunjähriger Hedwig zu erkennen, der sie vor einer Bestie warnt. Den Mädchen dämmert, was seine Psychiaterin Dr. Karen Fletcher (Betty Buckley) schon lange weiss: Der Entführer namens Kevin leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung. Seinen Körper bevölkern mindestens dreiundzwanzig Identitäten. Wird es Casey und den anderen gelingen, die Persönlichkeiten gegeneinander auszuspielen und aus dem Keller zu entkommen?

In alter Shyamalan-Manier präsentiert der Regisseur den Zuschauern einen übernatürlichen Thriller, der mit zahlreichen Wendungen überrascht. Dabei zeigt M. Night Shyamalan, dass weniger oft mehr ist und verzichtet weitgehend auf grosse Schockmomente. Stattdessen verlässt er sich auf die unterschwellige Bedrohung, die von Kevins vielen Persönlichkeiten und der Ankündigung der Bestie ausgeht. James McAvoy beweist in seiner Rolle Vielseitigkeit im wahrsten Sinne.

Mit The Visit feierte M. Night Shyamalan ein kleines Comeback, mit Split findet er endgültig zu alter Form zurück. Der Regisseur tut gut daran, sich auf kleinere Produktionen zu konzentrieren, bei denen er das Skript nach seinen Vorstellungen umsetzen kann und bleibt dabei seinem Faible für übernatürliche Phänomene treu. Mit der dissoziativen Identitätsstörung hat sich Shyamalan zudem ein sehr interessantes Thema ausgesucht, auch wenn Split mehr auf Fantasie als auf Fakten beruht.

Tiefere Einblicke in Kevins Störung erhalten die Zuschauer durch die Therapiestunden bei Dr. Fletcher. Sitzung für Sitzung erfahren sie mehr über die Ursachen von Kevins Erkrankung und langsam wird deutlich, wie gefährlich einige der Persönlichkeiten wirklich sind. Shyamalan zieht so die Spannungsschraube bis zum Finale immer fester. Dabei setzt er, wie für ihn typisch, auf lange Einstellungen statt auf kurzweilige Schockmomente.

Zwar bekommen die Zuschauer nicht alle dreiundzwanzig Persönlichkeiten in Kevins Körper zu sehen, James McAvoy hat trotzdem alle Hände voll zu tun. Ob als religiöse Patricia, mysophober Dennis oder Paradiesvogel Barry, dem Schotten gelingt es, die Charaktere durch Mimik, Gestik und Stimme einzigartig zu gestalten. Selbst in Szenen, in denen er zwischen den verschiedenen Persönlichkeiten hin- und herspringt, kauft man ihm die Spaltung der Figur ab. Zu Beginn ist dies zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig und sorgt für den einen oder anderen Lacher, doch bald lernt man, die Persönlichkeiten als Individuen zu sehen.

Das erkennt auch die schlaue Casey und weiss schnell, wie sie auf die Persönlichkeiten einzugehen hat. Anya Taylor-Joy etablierte sich bereits als Farmerstochter Thomasin in The Witch als Nachwuchstalent. In Split deutet ihr zurückgezogenes Spiel an, welches Trauma sich unter Caseys ruhiger Oberfläche verbirgt. Was genau dahintersteckt, enthüllt Shyamalan schrittweise über Rückblenden. Die Kombination aus Kellerszenen, Therapiesitzungen und Flashbacks gelingt dem Regisseur mühelos und sorgt für zahlreiche Wendungen, die die Zuschauer bei der Stange halten. So dürfen sie gemeinsam mit Casey rätseln, welches Schicksal die Mädchen erwartet. Das Ende ist dann schliesslich doch ein Schocker. Teils Thriller, teils Drama, teils Horror: Split bleibt bis zum Schluss so überraschend wie die Persönlichkeiten in Kevins Körper. Vor allem die letzte Szene dürfte bei vielen Filmfans für Gesprächsstoff sorgen.

Swantje Oppermann [swo]

Swantje ist seit 2013 Teil der OutNow-Crew. Zu ihren Lieblingen gehören «Jurassic Park», «When Harry Met Sally» und «Se7en». Bei «Titanic» muss sie noch heute heulen. Das Filmfestival Venedig liebt sie nicht nur wegen der Filme, sondern auch, weil dort der Aperol Spritz in rauen Mengen fliesst.

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Kommentare Total: 7

HORRORMAN87

Die Story in Split über dissoziative Identitätsstörung wurde gut verarbeitet, gerade wenn man sieht in welchen Universum der Film spielt. Der Film geht ohne grosses Vorspiel auch schnell los. James McAvoy zeigt seine bisher schauspielerisch beste Leistung.
Split ist aber nicht unbedingt etwas für jeden. Bestimmte Dinge sind nicht ganz verständlich, dem einen ist es nicht brutal genug, dem anderen nicht logisch genug. Die 24.te Persönlichkeit ist auch etwas unrealistisch. Aber insgesamt ist in Split eine sehr gruselige und unterhaltsame Stimmung mit interessanten Shyamalan-Twist.

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Filmreview von: https://horrorfilme-portal.de/split/

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Nach The Visit ist Shyamalan meiner Meinung nach wieder eine Treppenstufe höher gestiegen. Ich fand den Film grösstenteils spannend und die Persönlichkeitsstörung, auch wenn es gegen Ende zu übertrieben wird, höchst interessant.

pps

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Die Theorie mit dem Zug in dem Screenrant-Artikel geht nicht auf, McAvoy ist viel zu alt dafür (vor 17 Jahren war er 21, also kein kleiner Junge mehr). Aber vielleicht ist es wieder mal "Hollywood-Alter"...

McAvoy und Taylor-Joy spielen gut, aber der Film ist während der ganzen Laufzeit extrem vorhersehbar und überhaupt nicht schockierend. Die einzige Überraschung kam in der letzten Szene; das restliche Publikum im Kinosaal schien dieses Ende aber offenbar überhaupt nicht einordnen zu können, es gab jedenfalls keine Reaktionen. Ich bin also immer noch nicht überzeugt, dass Shyamalan die Kurve wieder gekriegt hat. Tatsächlich hat mich der Film eher geärgert, wenn auch nicht auf Happening-Level.

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