Sing (2016)

Sing (2016)

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  2. 108 Minuten

Filmkritik: American Animal Idol

41st Toronto International Film Festival
Saumässig gute Moves
Saumässig gute Moves

Seit er als junger Koalabär die legendäre Diva Nana Noodleman (Jennifer Hudson) im Theater seines Vaters hat singen hören, ist Buster Moon (Matthew McConaughey) fasziniert von den Brettern, die die Welt bedeuten. Heute gehört das Theater ihm und hat seine besten Tage längst hinter sich. Um dem Ruin zu entgehen und den vergangenen Glanz wieder aufleben zu lassen, veranstaltet Buster in seinem Theater eine Casting-Show und setzt für den Gewinner eine Prämie von 1000 Dollar aus - aus denen wegen eines Tippfehlers auf dem Flyer 100'000 Dollar werden.

Orange is the new Gorilla.
Orange is the new Gorilla.

Der verlockende Preis zieht Talente aus der ganzen Stadt an, um an dem Wettbewerb mitzumachen: das Stachelschwein Ash (Scarlett Johansson), ein Teenie-Mädchen mit Rockmusik im Blut; die Hausfrau Rosita (Reese Witherspoon), die eine Horde an jungen Ferkeln durchfüttern muss; den jungen Gorilla Johnny (Taron Edgerton), der in die Gangster-Fussstapfen seines Vaters treten soll; den selbstbewussten Mäuserich Mike (Seth McFarlane), der sich als Tingeltangel-Musiker durchschlägt; oder die schüchterne Teenager-Elefantin Meena (Tori Kelly), die eine tolle Stimme hat, allerdings auf der Bühne aus lauter Lampenfieber keinen Ton rausbringt...

Der Titel ist Programm: In Sing wird gesungen, was das Zeug hält. Der neueste Film von Illumination Entertainment mag nicht so vielschichtig und tiefsinnig sein wie beispielsweise Zootopia oder Inside Out, dafür ist es ein Gute-Laune-Film für die ganze Familie, der bestens unterhält und die Zuschauer fröhlich mit den Füssen mitwippen lässt. Und jetzt Bühne frei!

Tiere ziehen immer. Musik-Shows ziehen auch immer. Prima, haben da wohl die Verantwortlichen von Illumination Entertainment gedacht: Kombinieren wir doch einfach beides. Auf dem Papier mag die Formel von Sing daher ein wenig wie Kalkül anmuten. Ein wenig gemahnt dieses Kalkül an die gnadenlose Vermarktung der Minions aus Despicable Me, dem bisher bekanntesten Produkt des Studios.

Doch Kalkül hin oder her, solange das Resultat so schmissig daherkommt, sei dies nur zu gerne verziehen. Denn Sing hat alles, was einen gelungenen Animationsfilm ausmacht: knuddelige Sympathieträger, freche Sidekicks, Humor, Gefühle, Musik und Tempo. Speziell für einen Animationsfilm mit Blockbuster-Ambitionen ist, dass er auf einen Einzel-Protagonisten verzichtet und stattdessen eine Vielzahl von Co-Protagonisten auflaufen lässt - denen klingende Namen die Stimme leihen; sei es nun ein Matthew McConaughey, eine Reese Witherspoon, eine Scarlett Johansson oder ein Seth McFarlane.

Und natürlich sind Sprecherinnen - Verzeihung, Sängerinnen - mit entsprechender Stimm-Power mit am Start. Angesichts des Casting-Show-Themas erstaunt es auch nicht weiter, dass zwei davon selbst eine American-Idol-Vergangenheit haben. Tori Kelly und Jennifer Hudson sorgen für musikalische Highlights in einem Potpourri, das von Frank-Sinatra- über Gipsy-Kings- bis hin zu Katy-Perry-Songs reicht. Vor allem auch in der ersten Casting-Runde werden dermassen viele Hits von unterschiedlichsten Tierarten angetönt, dass man gar nicht mit Zählen mitkommt.

Die Vielfalt der Tierwelt erinnert etwas an Zootopia, der erst kürzlich im Kino gelaufen ist. Hier sind die Charaktereigenschaften der Tiere etwas weniger sorgfältig auf die zugeschriebenen Eigenschaften der betreffenden Spezies zugeschnitten worden - die Auswahl der Tiere scheint manchmal etwas willkürlich. Doch das steht hier auch nicht im Zentrum. Sing ist schliesslich keine Fabel, sondern eine tierische Casting-Show. Und dessen sympathische Kandidaten wie auch der Showmaster Buster Moon gehören auch ohne 100'000 Dollar definitiv zu den Siegern.

/ ebe

Kommentare Total: 4

yan

Ich stimme muri in allen Punkten zu. Sing und Pets versprechen viel, bieten aber bloss durchschnittlichen Animationsspass.

muri

Starker Trailer, der einmal mehr die besten Szenen bereits zeigt. Der Film hat dann nach ein paar Minuten sein Pulver schon verschossen und segelt in sicheren, voraussehbaren und langweiligen Bahnen gegen Ende. Eine mitunter plumpe Aneinaderreihung von Popsongs, die leider nur von einer Handvoll Viechern vorgetragen wird. Hatte mich auf mehr Abwechslung und fetzigere Musik gefreut.

Wie bei "Pets" hab ich mich ein bisschen verschaukelt gefühlt...

globinli

Toller Trickfilm. Auch auf deutsch singen die Tiere in englisch und den Originalstimmen! Es hat für jeden Musikgeschmack was dabei.

Wäre ein tolles Beispiel, wie man das mit diesen unsäglichen Castingshowas auch machen könnte! Herzig, unterhaltsam, etwas für die ganze Familie.

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