Shut In (2016)

Shut In (2016)

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Filmkritik: Naomi allein zuhause

Bitte eine grosse Pizza ohne Überraschungen.
Bitte eine grosse Pizza ohne Überraschungen. © Impuls Pictures AG

Kinderpsychologien Mary (Naomi Watts) lebt abgeschieden auf dem Land und kümmert sich dort liebevoll um ihren Stiefsohn Stephen (Charlie Heaton), welcher seit einem tragischen Autounfall vollständig gelähmt ist. Geistig erschöpft von dieser Belastung, überlegt sie sich schweren Herzens, Stephen in ein Pflegeheim einzuweisen.

Jetzt sehe ich den fertigen Film und bin ernüchtert.
Jetzt sehe ich den fertigen Film und bin ernüchtert. © Impuls Pictures AG

Als einer ihrer Patienten, der kleine taubstumme Tom (Jacob Tremblay), spurlos verschwindet, verändert sich auf einmal alles. Mary wird von Alpträumen heimgesucht und ist fest davon überzeugt, dass es in ihrem Haus nicht mit rechten Dingen zugeht. Und dies kurz vor einem grossen Wintersturm, der es fast unmöglich machen wird, das Haus zu verlassen

Was in Drehbuchform gut klingt, muss auf der grossen Leinwand nicht zwingend funktionieren. Shut In versucht mit ausgelutschten Mitteln Spannung zu erzeugen und orientiert sich auch noch zu sehr an grossen Vorbildern. Vor allem gegen Ende nimmt das Handeln der Figuren immer unglaubwürdigere Züge an, womit einzig noch das Schauspiel von Naomi Watts als wirklich sehenswert bezeichnet werden darf.

Das Drehbuch zu Shut In befand sich im Jahr 2013 auf der sogenannten Blacklist: einer Liste der besten noch nicht verfilmten Filmideen, die jedes Jahr im Dezember veröffentlicht wird. Und dies schürt Erwartungen, waren doch auch einmal die Drehbücher zu Prisoners oder Argo dort zu finden. Und mit Naomi Watts ist der Thriller auch gleich hochkarätig besetzt worden.

Shut In wurde von Regisseur Farren Blackburn durchaus routiniert inszeniert, und man ist sehr nahe am Geschehen, das durch die Konzentration auf Mary und ihren Sohn Stephen leicht klaustrophobisch wirkt. Durch die Wohnsituation der beiden, praktisch abgeschirmt von der Aussenwelt, ergibt sich automatisch eine spannende Ausgangslage, welche aber leider auch schon die grösste Stärke des Films bleibt.

Zu sehr orientiert man sich an den üblichen Regeln des Genres: Mit kurzen Schockmomenten und eindringlichen Soundeffekten, aber ohne frische Ideen möchte man den Zuschauer in die Irre führen. Daher ist das Verwirrspiel über weite Strecken erschreckend vorausschaubar, und an mancher Stelle hat man sich wohl stark von Klassikern des Genres inspirieren lassen. So stark, dass man manchen Déjà-vu-Effekt haben könnte, wenn Shut In nicht der erste Thriller ist, den man zu sehen bekommt.

Spannung ist stellenweise durchaus vorhanden, denn die bekannten Stilmittel erfüllen ihren Zweck, auch wenn man vergebens auf Überraschungen warten muss. Der Twist am Ende, welcher das Finale einläutet, ist aber leider äusserst enttäuschend und wirkt schon fast unfreiwillig komisch. Es fühlt sich einfach zu sehr nach einem Film an, der nach einer strikten Anleitung gedreht worden ist, wie ein Thriller zu funktionieren hat. Dass Shut In dadurch sehr konstruiert und wenig originell wirkt, ist schade, denn die Ausgangslage der Geschichte hätte sicher mehr zu bieten gehabt.

Remo Barny [rny]

Remo ist seit 2015 Freelancer bei OutNow und ein Achtzigerjahre-Kind mit schwerer Film-Abhängigkeit. Grundsätzlich schaut er alles, was ihm in die Finger kommt, Hauptsache es passt gerade zur aktuellen Tagesform. Nur bitte keine Kunstfilme, denn die sind meistens ein rotes Tuch für seine Synapsen.

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