Race (2016)

Race (2016)

Zeit für Legenden
  1. , ,
  2. ,
  3. 134 Minuten

Filmkritik: The Fastest Man on Earth

Ain't no way they can stop me now
Ain't no way they can stop me now

Ohio 1933: Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende junge Afroamerikaner Jesse Owens (Stephan James) wird dank seiner athletischen Fähigkeiten an der Ohio State University aufgenommen. Um die einmalige Chance auf eine Collegeausbildung zu nutzen, lässt er Freundin und Tochter in seiner Heimatstadt zurück. An der Universität trifft er auf den Leichtathletik-Coach Larry Snyder (Jason Sudeikis), der früher selbst einmal ein erfolgreicher Läufer war.

Horrible Bosses
Horrible Bosses

Den alltäglichen Rassismus erlebt Owens auch am College: ob mit Footballspielern, die ihn in der Kabine offen beleidigen, oder mit Zuschauern, die bei den Wettkämpfen unverhohlen ihren Hass herausschreien. Gesegnet mit einem unglaublichen Talent, kann er mit Hilfe von Coach Snyder auch seine Technik verbessern. Mit zunehmendem Erfolg werden die Olympischen Spiele schnell das grosse Ziel für den Sportler Owens. Dabei ist es alles andere als sicher, dass die US-amerikanische Mannschaft überhaupt an Hitlers Spielen in Berlin teilnimmt.

Race ist ein solides Biopic über einen Jahrhundertsportler, dem die Anerkennung lange verwehrt blieb. Zu den Dramen um Owens Familie und seinen Trainer gesellen sich noch die Rassenprobleme und die Frage, ob man Sportveranstaltungen wie die Olympischen Spiele für politische Interessen nutzen sollte. Der eigentliche Sport rückt zu stark in den Hintergrund. Die Handlung wirkt dadurch überladen, zudem fehlt es an Tempo, und die Schauspieler überzeugen nur mässig. Das niedrige Budget lässt das historische Berlin nicht auf der Leinwand wieder auferstehen.

Angesichts der späten Anerkennung, die Jesse Owens im eigenen Land erfahren hat, ist es wohl nicht verwunderlich, dass man in Hollywood 80 Jahre gebraucht hat, um sein Leben auf die Leinwand zu bringen. Der Filmtitel ist ein cleveres Wortspiel, das schon andeutet, dass es hier nicht nur um den Sport geht. Regisseur Stephen Hopkins (Predator 2) zeigt zwar nur drei Jahre aus dem Leben von Owens, dabei handelt es sich aber um die spektakulärsten.

Die Geschichte beginnt in seiner Heimatstadt, die grosse Familie lebt in armen Verhältnissen und Owens selbst hat schon ein Kind mit seiner Freundin. Kleidung, Fahrzeuge und Strassenzüge lassen sofort die Dreissigerjahre erkennen. Beim Bildfilter hat man es zum Glück nicht übertrieben, der Retrolook erfüllt seinen Zweck. Jesse ist der Erste aus der Familie, der ein College besucht. Bei der Busfahrt durch den Bundesstaat Ohio wird aber schon eine weitere Besonderheit deutlich: Zusammen mit seinem Freund muss er im Bus in einem separierten Teil für Farbige platznehmen, das Thema Rassentrennung ist stets im Film präsent.

Am College wartet ein bekanntes Klischee auf den Sportler und die Zuschauer: der Trainer, der früher selbst mal erfolgreich war und heute an seinem alten College einen Arbeitsplatz gefunden hat, inklusive Alkoholproblem. Jason Sudeikis ist vom Beruf Komiker und hat bis heute kaum ernsthafte Filme gedreht, auch in Race ist kein Charakterdarsteller aus ihm geworden. Von den anderen Schauspielern überzeugt vor allem Jeromy Irons. Leider bietet ihm die Nebengeschichte mit dem US-amerikanischen Olympischen Komitee wenig Raum. Weder William Hurt noch der sehr seltsame Goebbels-Darsteller Barnaby Metschurat sind wirklich interessante Gegenspieler. Insgesamt gewinnen die Darsteller der Naziführungsriege keinen Ähnlichkeitswettbewerb.

Da Jesse Owens' Erfolge bekannt sind, fehlt es in den Wettbewerben oft an Spannung. Die lange Laufzeit von 136 Minuten ist dabei kontraproduktiv. Sportdramen haben es nicht immer leicht, die eigene Sportart passend zu inszenieren, Sprintrennen gehören allerdings schon zu den dynamischeren Disziplinen. Ein Spektakel wie bei Usain Bolt bekommt man in Race aber nicht zu sehen.

Von all seinen Themen wird der Rassismus in dem Film am überzeugendsten behandelt. Angefangen bei der Benachteiligung im Alltag, zeigt der Film auch kurz den Hass, den viele US-Amerikaner für ihre Mitbürger übrig haben. Owens macht seinem Coach klar, dass er das Problem nicht verstehen kann. Die Szenen, in denen Jesse gegen die Politisierung seiner Karriere ankämpft und von der Leidenschaft für den Sport erzählt, gehören zu den Höhepunkten. Der Vergleich zwischen den USA und dem Deutschen Reich ist insofern interessant, als beide damals widerlichen Rassismus in unterschiedlichen Formen praktisiert haben. Wenn Owens erstaunt feststellt, dass es in Berlin keine getrennten Unterkünfte für weisse und schwarze Sportler gibt, es ist bezeichnend für die damalige Situation. Trotzdem wäre hier noch mehr Spielraum gewesen, zumal Rassismus und Sportveranstaltungen in autoritären Staaten auch heute leider noch aktuelle Themen sind.

/ sma