Patriots Day (2016)

Patriots Day (2016)

Boston
  1. , ,
  2. 133 Minuten

Filmkritik: Nach dem Marathon ein Wettlauf gegen die Zeit

15. April 2013: Der Marathon von Boston ist in vollem Gange, als im Zielbereich innert kürzester Zeit zwei Sprengsätze explodieren. Im entstehenden Chaos versucht der im Zielbereich stationierte Police Sergeant Tommy Saunders (Mark Wahlberg) den Überblick zu wahren, um die ersten Rettungseinsätze zu koordinieren. Kaum sind die Verletzten weggebracht, treten Ermittler um FBI-Special-Agent Richard DesLauriers (Kevin Bacon) auf den Plan.

Nach kurzen Überlegungen klassifiziert DesLauriers die Attacke als einen terroristischen Akt und findet mit seinen Leuten heraus, dass die Attentäter noch auf freiem Fuss sind. Von nun an beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Anhand von Videoaufnahmen müssen die Terroristen so schnell wie möglich identifiziert und gefasst werden. Es könnte nämlich sein, dass sie ein weiteres Mal zuschlagen werden. Boston befindet sich fortan im Ausnahmezustand, während eine der grössten Fahndungen in der Geschichte der USA ihren Lauf nimmt.

Patriots Day ist die packende Aufarbeitung des Attentats auf den Bostoner Marathon vom 15. April 2013. Indem Regisseur Peter Berg in den ersten Minuten eine Vielzahl von sympathischen Figuren vorstellt, holt der Film trotz klarem Ausgang eine ungemeine Spannung aus der Geschichte. Trotz ein paar wenigen Längen spinnt er einen sehenswerten Film, der dank der Inszenierung eine unglaubliche mitreissende Wirkung hat.

Gegen Ende jedes Jahres überfluten die Studios den Markt regelrecht mit qualitativ hochwertigen Filmen. Die Absicht ist klar: Man möchte bei den Oscars gross mitmischen. Da die Academy jedoch nur höchstens zehn Filme in der Hauptkategorie nominieren kann, gibt es jeweils viele Filme, die den Sprung nicht schaffen. Während des grossen Preisverleihungsrummels gehen diese dann völlig unter und haben manchmal sogar Mühe, ihre Produktionskosten einzuspielen. So erging es unter anderem 2014 dem grossartigen Noir-Thriller A Most Violent Year, und so passierte es auch mit Peter Bergs Patriots Day, einem mitreissenden und packenden Drama um das Attentat auf den Marathon von Boston aus dem Jahre 2013.

Was Peter Berg mit seinem effektiven Katastrophenfilm Deepwater Horizon schon angedeutet hat, zeigt er hier noch eindrücklicher. Patriots Day mag zwar nicht so analytisch sein wie ein Zero Dark Thirty, doch besitzt er wie das bereits angesprochene Ölborer-Drama ein hohes Niveau auf emotionaler und der spannungsgeladenen Ebene. Der Trick, den Berg dabei anwendet, ist völlig simpel: Er stellt zu Beginn gut ein Dutzend an Charakteren vor, wobei beim Grossteil dieser erst nicht klar ist, wo sie ins Storykonstrukt hineinpassen sollen. Doch sie alle werden eine wichtige Rolle in den folgenden zwei Stunden spielen. Wenn dann eine Figur plötzlich zum Zug kommt, sind wir schon mit ihr verbunden und wir interessieren uns für ihr Schicksal. Berg schafft es trotz eines gestopften Programms innert kürzester Zeit aus allen Menschen zu machen, sodass sie nicht einfach nur plotrelevante Schachfiguren sind. Dies kommt dann auch der Spannung zugute. Der Ausgang der Geschichte dürfte bekannt sein, jedoch nicht, ob es die Unschuldigen in diesem Szenario heil rausschaffen. Da der Film jedoch immer wieder kurz die Terroristenjagd pausiert, um die Wege der Nebenfiguren zu zeigen, hat dies kleinere Längen zur Folge. Doch es zahlt sich letzten Endes voll aus.

Der Anschlag selbst ist derweil von der Inszenierung her ein an Intensität kaum zu überbietender Albtraum. Die Bilder von offenen Wunden, verzweifelten Hilferufen und auseinandergerissenen Familien sind nervenzerfetzend unangenehm. Der Film zieht einen in diesen Momenten richtig ins Geschehen hinein und gibt die Ohnmacht und die Überforderung der Protagonisten perfekt wieder. So schlimm wie bei Mel Gibsons Gewaltexzessen (Hacksaw Ridge) wird es hier aber nicht. Vieles wird den Köpfen der Zuschauer überlassen. Dies kann auch von den Motiven der Attentäter gesagt werden, die nicht klar ausformuliert werden. Der Film begibt sich somit nicht auf Glatteis, sondern beschränkt sich auf eine Geschichte, in der Zusammenhalt und Zusammenarbeit das Elend besiegen. Eine schöne Botschaft, die auch beweist, dass der deutsche Titel "Boston" besser ist als der Originaltitel Patriots Day, der hoffentlich nicht zu viele abschrecken wird. Dieser handwerklich toll gemachte und spannende Film hat es nicht verdient, ignoriert zu werden. Schade, dass die Academy anderer Meinung war.

/ crs

Kommentare Total: 2

pradox

war ganz ok. -> dachte, sei eine art doku, jedoch ziemlich actiongeladen.
hatte die geschichte damals nicht wirklich mitverfolgt, ob diese nun wirklich so verlief, lasse ich mal im raum stehen.
auf jeden fall sehenswert.

crs

Filmkritik: Nach dem Marathon ein Wettlauf gegen die Zeit

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