Our Kind of Traitor (2016)

Our Kind of Traitor (2016)

Verräter wie wir
  1. 107 Minuten

Filmkritik: Meine Frau, die russsiche Mafia und ich

Der nette Mafioso von nebenan
Der nette Mafioso von nebenan

Das britsche Paar Perry (Ewan McGregor) und Gail (Naomie Harris) verbringt einen romantischen Urlaub in Marokko. An ihrem vorletzten Abend lernt Perry in einem Restaurant den russischen Geschäftsmann Dima (Stellan Skarsgård) kennen, der ihn spontan zu einer Party einlädt. Dima umgarnt Perry und zeigt ihm seine Welt. Wie sich herausstellt, ist es die Welt der russischen Mafia. Kurz vor der Abreise bittet Dima ihn um einen Gefallen, er solle bei seiner Heimkehr einen USB-Stick mit Informationen an den britischen Geheimdienst MI6 übergeben.

Mein Name ist Lewis. Damian Lewis.
Mein Name ist Lewis. Damian Lewis.

Perry und Gail geraten zwischen die Fronten in diesem Interessenkonflikt zwischen britscher Regierung, Geheimdienst und russischer Mafia. Dabei steht nicht nur die Beziehung der beiden auf dem Spiel, sondern auch das Leben von Dima und seiner Familie. Mit der Unterstützung vom Geheimagenten Hector (Damian Lewis) beginnt ein Abenteuer, welches sie quer durch Europa führt.

Die Verfilmung von John le Carrés Roman ist ein klassischer Spionagethriller, der jedoch weitgehend ohne Action auskommt. Visuell ist der Film gut inszeniert und die Musik bleibt im Gedächtnis. Our Kind of Traitor macht aber zu wenig aus seinen Schauplätzen und noch weniger mit seinen Figuren. Mit zunehmender Laufzeit verschiebt sich der Fokus des Films, weg vom verletzlichen Perry und hin zum selbstsicheren Hector. Die Geschichte bietet wenig Überraschungen, es fehlt oft an Tempo und Spannung. Eine sympathischere und klare Hauptfigur hätte auch dem politischen Aspekt des Films geholfen.

Die britische Regisseurin Suzanne White (Nanny McPhee and the Big Bang) reiht sich mit ihrem neusten Werk in die lange Liste der John-le-Carré-Verfilmungen ein. Vom britschen Autor stammen nämlich unter anderem die Vorlagen zu Filmen wie Tinker Tailor Soldier Spy und The Constant Gardener. Die europäische Produktion bleibt auch bei den Darstellern und Schauplätzen ihrem Kontinent treu.

Our Kind of Traitor fängt mit einer zerrüttenden Beziehung an und arbeitet sich langsam zur Politik und Finanzwelt hoch. Besonders Perry dient in der Geschichte als Verbindungsstück zwischen den verschiedenen Parteien. Der hilfsbereite Gentleman und Professor für Poetik darf nie an seinem Engagement zweifeln, und ihm wird trotz seiner grossen Bemühungen der Aufstieg zum Helden verwehrt. Die Probleme mit seiner Freundin Gail verschwinden mit fortlaufender Spieldauer ebenso wie sein Einfluss auf die Entwicklung der Handlung.

Den anderen Figuren fehlt es an Persönlichkeit. Hector hat als Idealist immer Recht, und Dima ist ständig der liebevolle Familienvater und sympathische Gastgeber, seine berufliche Karriere in der russischen Mafia spielt für seinen Charakter anscheinend keine Rolle. Zumindest von den Dialogen haben es einige interessante in das adaptierte Drehbuch von Hossein Amini (Drive) und in den Film geschafft. Besonders die Männerfreundschaft zwischen Perry und Dima sticht heraus.

Das ein Spionagethriller fast gänzlich auf Action verzichtet, ist etwas ungewohnt, andere John-le-Carré-Verfilmungen haben jedoch schon bewiesen, dass es funktionieren kann. Die europäischen Schauplätze wie Paris und Bern bieten Abwechslung zu amerikanischen Agentenfilmen. Allerdings spielen die Handlungsorte kaum eine Rolle, ein Ballett oder ein Museum findet man in jeder Grosstadt, die Anekdote mit dem Bärengraben ist wohl nur für Schweizer Zuschauer interessant. Nur der Finanzschauplatz London ist wirklich wichtig für die Handlung. Bei der Kameraarbeit bekommt man dafür etwas mehr geboten. Nette Establishing Shots, Spiegelungen und das teils starke Spiel mit der Tiefenschärfe sind keine Selbstverständlichkeit. Der Score von Marcelo Zarvos unterlegt viele Szenen passend und entspricht im positiven Sinn den Genrekonventionen.

Our Kind of Traitor ist ein solider Film, der dem Spionagefilm-Genre wenig Neues hinzufügt. Die Umsetzung der Gesellschaftskritik mit dem Fokus auf Politik und Finanzwelt ist wenig gelungen. Bei den Schauspielern überzeugt vor allem Stellan Skarsgård, der den launigen Russsen überzeugend mimt und dabei auch körperlich sehr präsent ist.

/ sma

Kommentare Total: 2

Ghost_Dog

Der Film lebt von der meiner Meinung nach geile Performance des Bookies Dima, ansonsten bietet die Story leider nicht sehr viel Überraschung, aber zumindest fiebert man mit! Guter Film, der leider den Durchschnitt nicht zu durchbrechen vermag,

sma

Filmkritik: Meine Frau, die russsiche Mafia und ich

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