The Olive Tree - El olivo (2016)

The Olive Tree - El olivo (2016)

El Olivo - Der Olivenbaum
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  2. 100 Minuten

Filmkritik: Bäumiger Road-Trip

Das ist eine arg hohe Frisör-Rechnung...
Das ist eine arg hohe Frisör-Rechnung...

Als kleine Mädchen schon hatte Alma eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Grossvater Ramón. Auf der Oliven-Plantage der Familie gab es einen ganz besonderen Baum, der es Alma und ihrem Opa angetan hat. Alma liebte es, auf diesen 2000 Jahre alten Baum zu klettern oder in seinem Schatten den spannenden Geschichten ihres Grossvaters zuzuhören. Viele Jahre später, Alma hat sich zu einer rebellischen jungen Frau entwickelt, gerät die Familie in Geldnot und Almas Eltern verkaufen den wertvollen Baum ohne das Einverständnis von Ramón. Der Baum schien ein Teil des alten Mannes gewesen zu sein, denn nach dessen Verschwinden zieht er sich zurück und spricht kein Wort mehr.

Road Trip
Road Trip

Alma kann ihren Grossvater nicht leiden sehen und beschliesst, den Baum, der inzwischen an eine grosse Firma in Deutschland verkauft wurde, zurückzuholen. Unter falschen Vorwänden überredet sie ihren lebhaften Onkel Alcachofa (Javier Gutiérrez) und ihren scheuen Arbeitskollegen Rafa, die Reise mit ihr anzutreten. Natürlich stellt sich alles nicht so einfach wie gewünscht heraus und das ungleiche Trio erlebt auf dem Weg einige Abenteuer und muss Umwege in Kauf nehmen, während es Ramón zu Hause immer schlechter geht. Können sie den Baum rechtzeitig zu ihm zurückbringen?

El Olivo ist ein Sommermärchen mit viel Potenzial zum Feel-Good Hit. Sympathische Figuren, eine emotionale Geschichte und eine grosse Portion Sentimentalität dürfte das Kinopublikum begeistern. Zu diesen zwar toll funktionierenden Elementen kommt leider auch eine Vorhersehbarkeit hinzu, die schon fast ein wenig zu viel ist. Die Geschichte bietet kaum Überraschungen und das erwartete Ende verliert dadurch ein wenig an Emotionalität. Dennoch bleibt ein unterhaltsames Stück Gefühlskino mit gefälligem Humor und einer tollen Besetzung, das sich nicht scheut, genau das zu tun, was von ihm verlangt wird.

Er ist beindruckend, der Olivenbaum in der Plantage von Ramón. Seine mächtigen Wurzeln und seine furchige Rinde scheinen Geschichten zu erzählen. Dieser Baum hat etwas erlebt und es ist nachvollziehbar, wie sehr auch Hauptfigur Alma daran hängt. Der Film bietet dennoch zu wenige Szenen aus der Kindheit der Protagonistin und die tiefe Beziehung zu ihrem Grossvater beschränkt sich aufs Geschichtenerzählen und Ästepflanzen. Da wäre etwas mehr bestimmt nötig gewesen, um Almas Entscheidungen nachvollziehen zu können. Hauptdarstellerin Anna Castillo macht dies zum Glück mit ihrer starken Leistung, die die gesamte emotionale Bandbreite von ihr abverlangt, wieder wett und gibt dem Film ein stark pochendes Herz; damit packt sie den Zuschauer von Anfang an.

Der Roadtrip-Aspekt des Filmes ist der heiterste Teil der deutlich dreigeteilten Handlung. Javier Gutiérrez ist charmant als Onkel, doch der Humor, der durch ihn entsteht, ist aus dem Feelgood-Handbuch und ein Subplot um ein grosses Modell der Freiheitsstatue ist etwas zu viel der Marke "Sundance". In diesen Sequenzen rutscht der Film von der realistischen Tragikomödie zu einer unfreiwilligen Parodie des Genres, welches die einfache, aber packende Geschichte nicht nötig gehabt hätte. Der Film erholt sich dann in seinem letzten Drittel glücklicherweise wieder. Er bleibt zwar der Schablone treu, macht dies aber gut und reisst dank Castillo auch mit und man verlässt den Saal schliesslich mit einem guten Gefühl. Ziel erreicht.

/ ma

Trailer Spanisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 02:03