Filmkritik: Nightmare on Elmer's Street

Filesharing vor der Weltpresse.
Filesharing vor der Weltpresse. © Xenix Filmdistribution

Filmemacher Werner Schweizer und Banker Rudolf Elmer sind gleich alt und kommen aus dem Zürcher Kreis 5. Während Schweizer sich linksalternativ engagierte, machte Elmer bürgerliche Karriere. Als letzterer von der Bank Julius Bär auf die Cayman Islands berufen wurde, war er bereits Leutnant und hatte seine Frau beim Standardtanz kennen gelernt. In der Steueroase optimiert Elmer das Offshore-Geschäft. Bis es ihm zu bunt wird und er Kundendaten an Wikileaks vertickert. Nun, da Elmer als Whistleblower vor Gericht steht, interviewt ihn Schweizer und verknüpft Elmers Lebensfaden mit seinem und der Geschichte des Schweizer Finanzplatzes der letzten vierzig Jahre.

Trotz Interviews an unterschiedlichen Orten bleibt einem der weltbekannte Whistleblower Ruedi Elmer in Werner Schweizers Dokumentarfilm seltsam fremd. Ob komischer Kauz, Bünzli oder Held - die vom Filmemacher angewandte Verbrüderungstechnik ist ebenso wenig hilfreich zum Erfassen des Menschen hinter der medialen Figur wie die Verweigerung der Gegenseite - namentlich Staatsanwaltschaft und Banken -, beim Projekt mitzumachen. Was bleibt, sind lustige Anekdoten über sturmsichere Laptops und eine mit Archiv-Material angereicherte Rekapitulation der Geschichte des Bankgeheimnisses von der Banken-Intitiative über die "Swissbankclaims" bis "Too Big To Fail".

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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Trailer Schweizerdeutsch, 01:51