L'Odyssée (2016)

L'Odyssée (2016)

Jacques - Entdecker der Ozeane
  1. ,
  2. 122 Minuten

Filmkritik: Abenteuerlust und Familienfrust

12. Zurich Film Festival 2016
Er lebt seinen Traum.
Er lebt seinen Traum. © Frenetic Films

Seinen Traum, Pilot zu werden, muss Jacques-Yves Cousteau (Lambert Wilson) aufgeben. Aufgrund eines Unfalls und damit einhergehenden Verletzungen am Arm darf JYC, wie er sich auch nennt, nicht mehr im Cockpit Platz nehmen. Davon lässt er sich jedoch nicht unterkriegen. Jede einzelne Zelle seines Körpers scheint nach Abenteuern zu dürsten. Der Draufgänger findet so schnell eine neue Leidenschaft: das Tauchen.

Dank dieser Passion, gepaart mit einem unbeirrbaren Glauben an die Wissenschaft und technische Fortschritte, bereist JYC die sieben Weltmeere mit seiner Frau Simone (Audrey Tautou). Er hat sich eigens dafür ein Forschungsschiff gekauft und startet in das Abenteuer seines Lebens. Dass seine beiden Söhne Philippe (Pierre Niney) und Jean-Michel (Kevin Otto) nicht mitfahren dürfen, dafür die Schulbank drücken müssen, nehmen sie ihrem Vater sehr übel, vor allem Philippe. So befindet sich JYC nicht nur in allen Gewässern der Welt, sondern auch bei seiner Familie auf Tauchgang.

Jérôme Salle gelingt es, das aufregende Leben des Jacques-Yves Cousteau in einen ebenso aufregenden Film zu verpacken. Als packend erweist sich JYCs Gedanken- und Gefühlswelt: von einem fürsorglichen Vater, einem Abenteurer bis hin zu einem karrieregeilen Filmemacher. Die Figur des Jacques-Yves könnte abwechslungsreicher nicht sein. Während man ihn im einen Moment bewundert, könnte man ihn im nächsten Moment ohrfeigen. Passende Symbolbilder runden das Bild des Abenteurers ab. L'odyssée ist ein eindrücklicher Abenteuerfilm, eine gelungene Biografie und eine Hommage an Jacques-Yves Cousteau.

Dass Jacques-Yves Cousteau ein Tausendsassa war, zeigt L'odyssée ohne Wenn und Aber. Doch nicht nur die Handlung, sondern auch Symbolaufnahmen machen dies immer wieder deutlich. So liegt der fürsorgliche Vater in einer idyllischen Sommernacht Arm in Arm mit seinen beiden Söhnen am Strand, sieht sich die Sterne an und gibt ihnen Ratschläge für ihr Leben. Kaum befindet er sich auf dem Schiff, ist er, und nur er, der Kapitän. Als Philippe als Erwachsener an Bord gehen möchte, zeigt sich eine klare Hierarchie. Zuerst begrüsst er seinen Bruder auf Deck 1. Auf Deck 2 nimmt er seine Mutter in den Arm. Zuoberst auf Deck 3 steht er schliesslich seinem Vater gegenüber. Genau diese Symbolaufnahmen sind es, die L'odyssée selbst zu einem tollen Kunstwerk machen.

Auch die Sinneswandlungen JYCs fallen auf. So wird der Abenteurer und Filmemacher nicht bloss als Genie und Draufgänger, sondern ebenfalls von einer negativen Seite gezeigt. Nämlich als rücksichtsloser Boss, der seinen Erfolg über alles andere stellt, auch über die Familie. Diese Darstellung verhindert eine Heroisierung der Figur. Neben all den vielen Comicverfilmungen der letzten Jahre kann sich der Kinobesucher daran erfreuen, einen Menschen und keinen Supermenschen zu sehen. Wobei die Abenteuerlust und Disziplin von JYC schon sehr bewundernswert sind.

Hegt man das Bedürfnis, L'odyssée zu kritisieren, ist eine Fokussierung auf den Inhalt des Films, vor allem ab der zweiten Hälfte, notwendig. Das zentrale Thema besteht im Umweltschutz. Selbstverständlich muss JYCs Zeit als Umweltschützer in seiner Biografie behandelt werden. Selbstverständlich muss man den Umweltschutz ernst nehmen. Aber wissen wir nicht langsam über diese Problematik Bescheid?

Vielleicht noch nicht genug. Es noch einmal zu sagen, schadet ja nicht. Und wenn der vermeintlich zu dominante Umweltschutz die einzige Kritik eines Films darstellt, ist die Nörgelei bereits auf sehr hohem Niveau.

Thomas Abplanalp [abt]

Thomas schreibt seit 2015 als Freelancer Filmkritiken für Outnow. Kinematografisches impressioniert nämlichen ohnegleichen: Filmisches ist leidenschaftlich multiplex. Originalität und traumhafte Nostalgie orchestrieren wunderbar.

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 02:05