Now You See Me 2 (2016)

Now You See Me 2 (2016)

Die Unfassbaren 2
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  2. 129 Minuten

Filmkritik: Mischen impossible

Willkommen im Hause Gryffindor!
Willkommen im Hause Gryffindor!

Den vier Reitern, den Robin Hoods unter den Zauberern, droht Gefahr. Vor einem Jahren haben sie den Versicherungsboss Arthur Tressler (Michael Caine) um sein Vermögen und den grossen Zaubertrick-Enthüller Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) hinter Gitter gebracht. Besonders dieser zeigt sich mächtig böse und schwört Vergeltung an der Magiertruppe. Diese ist jedoch von der Bildfläche verschwunden. Ihre Mitglieder wurden ins "Auge", die Geheimgesellschaft für Magier, aufgenommen, womit sie sich alle ihren grossen Traum erfüllt haben. Nun sind sie noch zu dritt und erwarten daher nicht nur den nächsten Auftrag ihres Anführers und FBI-Agenten Dylan Rhodes (Mark Ruffalo), sondern auch ein neues Team-Mitglied.

Hello from the other side.
Hello from the other side.

Während also Merritt McKinney und Jack Wilder (Woody Harrelson, Dave Franco) im stillen Kämmerlein dafür sorgen, dass ihnen die Finger nicht einrosten, hat der dritte Reiter im Bunde, Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), die Nase voll vom Warten. Er macht sich selbst auf die Suche nach dem Auge - und wird fündig. Natürlich weiss ihr Boss bereits von der neuen Mission und präsentiert den neuen Reiter Lula May (Lizzy Caplan). Nun denn, Bühne frei! Doch offenbar ist ihnen jemand zuvorgekommen. Der Trick geht total schief, Dylan wird entlarvt, die Reiter ziehen die Notbremse und türmen. Doch am Ende ihres Fluchtwegs erwartet sie nicht ein sicherer Raum, sondern Macau, das Las Vegas des Ostens. Und damit auch der verrückte, totgeglaubte Jungunternehmer Walter Mabry (Daniel Radcliffe), der so einiges im Schilde führt.

Von vermisster Leichtigkeit kann in Now You See Me 2 zwar im Vergleich zum ersten Teil nicht mehr die Rede sein. Doch wie schon sein Vorgänger krankt der Actionstreifen am Too-much-Syndrom. Die überbordende Kreativität in Drehbuch, Regie und Visual Effects überwältigt zwar, steht sich aber gleichzeitig selbst im Weg. In hektischem, hohem Tempo die ganze Zeit über gilt es mehrere Storylines zu verfolgen, die immerhin stärker zur Entfaltung kommen können als ihre Charaktere. Dennoch bietet Now You See Me 2 starke Unterhaltung.

Es gehört mittlerweile zur Standardausrüstung eines jeden Films, der auch nur ein bisschen Action zeigt, Schwung in Fernost zu holen. Kein Wunder, die fremde Kultur bietet eine gute Kulisse für das Unvorhersehbare. Eigentlich logisch, zieht es Now You See Me 2 nach Macau. Doch mit dieser Einsicht endet auch schon unser Blick in die Kristallkugel. Denn bei dem, was sich am Südchinesischen Meer abspielen wird, kommt kein Hellseher nach. Hektisch, rasant und mit hohem Tempo geht es durch die finsteren Gassen; es wird geprügelt, geflohen und gemordet. Praktisch mit jedem Szenenwechsel wird die Geschichte neu ausgelegt, Freunde werden zu Feinden, Feinde zu Freunden. Langweilig wird es nicht, aber dem Koloss an Filmmaterial zu folgen, bedarf einiger Anstrengung. Aber Achtung, wie heisst es doch gleich im ersten Teil? "Je mehr man zu sehen glaubt, desto einfacher kann man getäuscht werden."

Zu sehen bekommt man auch eine grosse Hand voll Stars. Das hat zur Folge, dass die Grosszahl der Charaktere zur Allegorie wird. Eisenberg mimt den schnoddrigen Narzissten, Tom-Cruise-Zwilling Dave Franco den Schönling, Lizzy Caplan die Exzentrikerin. Daniel Radcliffe ist wieder unter die Zauberer zurückgekehrt und steht dieses Mal auf der bösen Seite. Reizvoll, wenngleich bisweilen ins Perverse überdreht. Mark Ruffalo zeigt weiterhin, wie cool ein Melancholiker sein kann. Von Woody Harrelsons abgefahrener Mimik kann man ohnehin nicht genug bekommen und - oh, happy day! - in Now You See Me 2 gibt's ihn gleich doppelt. Als Merritt McKinney trifft er seinen Zwillingsbruder Chase und dieser ist um einiges durchgeknallter als Merritt. Und obendrauf gibt's noch Morgan Freeman und Michael Caine. Ja, jeder darf mal in den Zylinder greifen.

Wie schon der erste Teil, ist der Film darauf aus, durch Enthüllung und Nacherzählung zu verblüffen. Ob nun aufsteigender Regen, eine Rutsche ans andere Ende der Welt oder die Flucht aus einem Safe; ein Blick hinter die Spiegel und zwischen die doppelten Böden verrät: Der Film gefällt sich selber und liebt es, zu demonstrieren, dass er uns immer einen Schritt voraus ist. Er selbst ist ein grosser Zaubertrick. «The best tricks work on many levels.» Auch wenn der Streifen auf vielen Ebenen funktioniert, kann sich Now You See Me 2 zwar zu den grossangelegtesten, leider aber nicht zu den besten Tricks zählen. Um Schlüssigkeit zu wahren, ist schlussendlich zu viel filmischer Hokus-Pokus im Spiel. Wenn eine Spielkarte über mehrere Meter punktgenau geworfen werden kann, verspricht das bisweilen Nervenkitzel und gute Unterhaltung, steht aber im Konflikt mit dem Film, der den Zuschauer in die Tricks der Magier einweihen will. Dann ist da noch der grosse Plot-Twist am Ende, wo mit fast brachialer Gewalt die Dinge zurechtgebogen werden. Der vor Stars strotzende Cast, die üppige Story, die rasante Action: Das kann zu viel sein, aber in dieser Qualität auch wortwörtlich grosses Kino.

/ arx