The Nice Guys (2016)

The Nice Guys (2016)

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  2. 116 Minuten

Filmkritik: Ha-Ha Bang Bang

69e Festival de Cannes 2016
Mein Partner mit der gebrochenen Schnauze
Mein Partner mit der gebrochenen Schnauze © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Los Angeles im Jahre 1977: Der Schläger Jackson Healey (Russell Crowe) erhält von der jungen Amelia (Margaret Qualley) den Auftag, den Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) aufzusuchen. Dieser ist nämlich auf der Suche nach ihr, und das soll aufhören. Nach einem schmerzhaften Besuch von Healey leistet March dem Wunsch Folge und konzentriert sich stattdessen auf einen anderen Fall. Die Tante des Pornostars Misty Mountains behauptet, dass sie ihre Nichte gesehen hat - und dies obwohl Misty vor ein paar Tagen nach einem Autounfall ums Leben kam. Während March ermittelt, kriegt Healey Besuch von zwei Schlägern, welche auf der Suche nach der plötzlich verschwundenen Amelia sind.

Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen.
Wir sind die Coolsten, wenn wir cruisen. © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Healeys Neugier ist geweckt, und so beschliesst er, March aufzusuchen, um herauszufinden, was hier genau gespielt wird. Der Privatdetektiv scheint aber eher daran interessiert zu sein, seine Klienten abzuzocken, als Fälle zu lösen. Doch mit Healey an seiner Seite beginnt er sich ernsthaft mit dem Fall auseinanderzusetzen. Ein Fall, der sie in die Pornoindustrie und auch ins Justizdepartement führt. Kommen die beiden Herren da etwa einer riesigen Verschwörung auf die Spur?

The Nice Guys, die neuste Action-Komödie von Shane Black (Kiss Kiss Bang Bang), ist ein grosser Spass. Ryan Gosling als nicht sehr geschickter Detektiv ist zum Schiessen, und Russell Crowe darf in den Actionszenen zeigen, dass er trotz grosser Wampe noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Ein cooles, unterhaltsames und vor allem sehr lustiges Buddy-Movie, das mental die Actionfilme aus den Achtzigern und Neunizigern wie Lethal Weapon und Last Boy Scout zurückbringt.

Solche Filme wie The Nice Guys werden von grossen Hollywoodstudios kaum mehr gemacht. Diese altmodischen Detektivfilme, die auch beim Gewaltgrad etwas härter sein dürfen und bei denen die Ermittler fluchen wie Rohrspatzen. Doch nun bringt Shane Black, Vater von Filmen wie Lethal Weapon, Last Boy Scout und The Long Kiss Goodnight, endlich wieder einmal coolen Detektiv-Groove mit toller Seventies-Musik (Earth Wind & Fire, Bee Gees, Kool and The Gang) in die Kinos. Einen Film, in dem vor allem Ryan Gosling zu Comedy-Höchstform aufläuft.

Der Plot des Filmes ist jetzt nicht gerade der schlauste, doch mit jede Menge Situationshumor, gewitzten Dialogen und ein paar netten Actionszenen kaschiert Black dies ganz gut. Vor allem Gosling als scheinbar planloser Detektiv ist grossartig, wenn er Hitler-Vergleiche zieht und mal wieder irgendwo herunterfällt. Zur totalen Witzfigur wird March aber nicht, da er die bei Black obligatorische tragische Backstory erhält. Russell Crowe an seiner Seite hingegen ist der ruhende, aber gewaltätige Pol und gefällt vor allem in den Actionszenen. Black versucht zwar mit einem Flashback Crowes Figur etwas Tiefe zu verleihen, doch ist dies zu wenig. Das ist aber durchaus ok, wird der Film so doch nicht zu schwer und bewahrt sich so trotz Mord und Todschlag seinen schrulligen Grundton. Bester Beweis ist da der Showdown, wo nicht nur geballert wird, sondern auch einem davonrollenden MacGuffin nachgerannt werden darf.

Vergleiche mit Lethal Weapon dürften wohl viele gemacht werden, doch hat der Streifen mehr gemeinsam mit Last Boy Scout. Dort wie auch hier gab es eine Verschwörung sowie eine Teenager-Tochter, die sich in die Ereignisse einmischt und dabei mehr als nur ein bisschen involivert wird. Angourie Rice als Holly spielt den Part sicher und besteht locker neben den Schauspielschwergewichten. Teenagerdarsteller können die Zuschauer mit ihren Performances aus einem Film reissen. Rice hingegen tut dies nicht, sondern überzeugt von Anfang bis Ende.

Bleibt zu hoffen, dass The Nice Guys nun nicht dasselbe Schicksal ereilt wie Kiss Kiss Bang Bang. Die fast perfekte Krimigroteske mit Robert Downey jr (vor seiner Iron Man-Zeit) und Val Kilmer wollten leider nicht viele im Kino sehen. Deshalb lässt jetzt die Superhelden mal beiseite und lacht euch bei diesem herrlichen Buddy-Movie schief. Diese Nice Guys sind zwar nicht so nice, aber garantieren für einen äusserst unterhaltsamen Abend.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 4

Ghost_Dog

Der Streifen ist wirklich gut, und hält weas er verspricht. Ultrakomisch und brutal, mit den beiden Guys die sichtlich Spass hatten. Eine wahre Wohltat zwischen den meist langweiligen oder dümmlichen Komödien endlich mal wieder etwas mit Schmiss zum lachen.

El Chupanebrey

Ryan Goslings Leistung ist für mich ein komödiantisches Meisterwerk. Der Typ hat nicht nur dramatisches Talent.

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The Nice Guy hält was er verspricht. Der Beginn ist zunächst eher zäh. Aber je länger der Film dauert, desto besser wird er. Unglaublich unterhaltsam, mit einem toll aufspielenden Duo (besonders Crowe) und köstlichen Dialogen.

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