Nerve (2016)

Nerve (2016)

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  3. 96 Minuten

Filmkritik: Snapchat: The Movie

Challenge Accepted!
Challenge Accepted!

Vee (Emma Roberts) ist ein typischer Teenager im letzten Highschooljahr. Unsicher über ihre Zukunft und etwas schüchtern, steht sie meist im Schatten ihrer Freundin Sydney (Emily Meade). Als eine neue App namens Nerve erscheint, nimmt Sydney ihre Chance war, sich noch mehr in den Vordergrund zu stellen. Nerve ist ein Spiel, bei dem sich jeder Nutzer entscheidet, ob er Spieler oder Zuschauer ist. Zuschauer bezahlen Geld und können einzelnen Spielern Aufgaben stellen. Je schwieriger die Herausforderung, umso mehr Geld kann der Spieler verdienen.

Der kleine Franco und die kleine Roberts
Der kleine Franco und die kleine Roberts

Wer eine Aufgabe nicht bewältigt oder aufgibt, scheidet aus dem Spiel aus. Die Community hat die Macht. Nach einem Streit mit Sydney beschliesst Vee es ihr zu zeigen und meldet sich auch als Spielerin an. Bereits bei ihrer ersten Herausforderung trifft sie auf Ian (Dave Franco), der ebenfalls Nerve zockt. Im Zuge einer Aufgabe fahren die beiden von Staten Island nach Manhattan und das gefährliche Abenteuer beginnt.

Nerve ist ein unterhaltsamer Thriller, der sich vor allem an ein jüngeres Publikum richtet. Dabei ist er allerdings sehr konsequent. Die visuelle Anbindung des Smartphones als ständiger Begleiter, aktuelle Musik aus den Charts und die unaufhörliche Jagd nach mehr Followern passen zu den Figuren im Teenageralter. In den Hauptrollen überzeugen Emma Roberts und Dave Franco als sympathisches Paar. So ganz ohne die typischen Klischees kommt der Film allerdings nicht aus und besonders im letzten Drittel wirkt die Geschichte weniger durchdacht.

Wann habt ihr euch zuletzt eine App nicht installiert, weil ihr mit den Nutzungsbedingungen nicht einverstanden wart? Was sind schon die persönlichen Daten wert, wenn man dafür den neusten Trend direkt auf seinem Smartphone hat. "Nerve" ist wie Wahrheit oder Pflicht, nur ohne die Wahrheit. Eine Art Snapchat, bei der man Geld verdienen kann. Je mehr Follower, umso besser.

Die Regisseure Henry Joost und Ariel Schulman kennen sich aus bei der Inszenierung mit Hilfe von Kameras in der Filmwelt, beiden haben zusammen Paranormal Activity 3 und 4 gedreht. Ein so fliessendes und sinnvolles Zusammenspiel der Kameras sieht man allerdings nicht oft, zumal Nerve kein Found-Footage-Film ist. Wenn der Zuschauer Vee aus der gleichen Perspektive beobachtet wie ihre Follower, dann ist man mittendrin im Film und wird sich zugleich der Überwachung bewusst. Wer Nerve spielen will, muss seine Privatsphäre aufgeben, das eigene Leben im Tausch gegen ein paar hundert Dollar und den kurzen Ruhm. Ängste und Schwächen werden von der Community für neue Herausforderungen ausgenutzt.

Wenn Ian auf seinem Motorrad nachts durch die Häuserschluchten von Manhattan rast, leuchten überall Neonlichter. Dazu erklingt elektronische Musik von Künstlern wie MØ und Basenji, Nerve wirkt stets wie am Puls der Zeit. Dagegen wirken die Wu-Tang-Clan-Referenzen aufgesetzt und etwas anbiedernd, auch wenn Vee aus Staten Island kommt. Weitere Klischees findet man in ihrem Freundeskreis, natürlich ist das Mädchen im Rampenlicht eine fiese Zicke und der schüchterne Junge ein Computernerd. Während der gesamte Film im Neo-Noir-Look erstrahlt, ist das Spiel Nerve selbst im Retrolook gehalten.

Durch die Videospielstruktur erleben auch die Figuren eine stetige Steigerung. Während die ersten Aufgaben noch witzig und harmlos sind, wird es mit zunehmender Laufzeit immer gefährlicher. Der Handlungsverlauf wirkt dadurch natürlich und nachvollziehbar bis zum Punkt der Eskalation. Die Fragen, wer hinter dem Spiel steckt und wie weit Spieler und Zuschauer bereit sind zu gehen, stellen sich erst im Laufe des Films. Wenn die Dramatik dann ihren Höhepunkt erreicht, schwächelt Nerve leider etwas. Es ist nicht bedrohlich, nicht ernsthaft genug. Die Auswirkungen des Spiels werden nur angedeutet und leider nicht konsequent gezeigt. So bleibt der Film ein attraktiver Thriller, der aber weniger Tiefgang bietet, als es seine Thematik zulassen würde.

/ sma

Kommentare Total: 2

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Nerve hat seinen gesellschaftskritischen Reiz. Leider vermiesen die dummen Stereotypen, der Teenie Soundtrack sowie die lächerliche Moralpredigten von Robert die ganze Stimmung. Mehr als zwei Sternli gibt es nicht.

sma

Filmkritik: Snapchat: The Movie

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