Filmkritik: Lieber saufen gehen als absaufen

Im Eggli am Schämen.
Im Eggli am Schämen.

Die beiden Nerds Dash (Stimme: Jason Schwartzman) und Assaf (Stimme: Reggie Watts) werden von kaum einem an ihrer Schule ernstgenommen. Eine ziemlich blöde Situation, sind sie beide doch auch Teil des Autorenteams der Schülerzeitung. Während dies an Dash immer mehr zu nagen scheint, ist Assafs Aufmerksamkeit vermehrt bei der Editorin Verdi (Stimme: Maya Rudolph), in die er verliebt ist. Wird Dash etwa wegen der Liebe seinen einzigen Freund verlieren? Das darf nicht sein und so publiziert Dash einen fiesen Artikel über Assaf und Verdi, der alles zerstören könnte.

Rot und schon tot?
Rot und schon tot?

Doch dieses Gefühlschaos wird zweitrangig, als durch ein Erdbeben das Schulhaus ins Meer fällt. Den Schülern und den Lehrern bleibt nur wenig Zeit, denn das Schulhaus beginnt schnell zu sinken. Können Dash, Assaf und Verdi diesem nassen Grab entkommen? Auf ihrem Weg aus dem Schulhaus treffen sie auf Haifische, fiese Oberstüfler sowie die toughe Lunchlady Lorraine (Stimme: Susan Sarandon).

Der kreative, aber aufgrund seines Stils gewöhnungsbedürftige My Entire High School Sinking Into the Sea mischt einen gewöhnlichen High-School-Film mit einem Survival-Plot à la The Poseidon Adventure zu einem unterhaltsamen Animationsfilm, bei dem aufgrund vieler verschiedenen Gefahren und dem coolen Setting durchgehend was Spannendes los ist.

Coming-of-Age-Storys an Schulen gibt es viel zu viele. Dem Genre könnte man mal echt einen Schubs geben. Dies wurde in dem Animationsfilm My Entire High School Sinking Into the Sea auch gemacht. Nur dass dieser Schubs die Schüler in grosse Gefahr bringt. Denn der Titel ist Programm - hier säuft ein Schulhaus ab.

Zwar kämpfen die Schüler auch hier um die üblichen Probleme wie Eifersucht und Rangordnung, bei der die Coolen oben sind und die Weniger-Coolen unten. Doch wird das nie wirklich zentral. Es geht in erster Linie ums nackte Überleben. Wer Filme wie The Poseidon Adventure oder das Kurt-Russell-Remake kennt, wird ein paar Déjà-vus erleben, wenn die Kiddies durch Gänge schwimmen und plötzlich unten oben ist und umgekehrt. Das hat einen unglaublich hohen Unterhaltungsfaktor und ist herrlich erfrischend.

Die Animation ist hingegen etwas gewöhnungsbedürftig. Hier wurden vermehrt die fetten Pinsel anstatt die feinen aufgefahren. Vieles ist abstrakt und manchmal braucht es etwas Vorstellungskraft um zu erkennen, was genau geschieht. Dass der Film kein grosses Budget hatte, hat sicherlich auch etwas damit zu tun, was aber zu einigen kreativen Einfällen führte (Stichwort: Liftschacht). Die Figuren sind derweil nicht gerade gross sympathisch. Protagonist Dash ist sogar ein ziemlicher Arsch, der nur an sich selbst denkt. Doch fällt dies nicht gross ins Gewicht, da es für die Figuren wie in einem Game immer wieder neue Aufgaben auf neuen Levels zu bewältigen gibt. So bleibt für die Figuren nie lange Zeit, um ihre Probleme zu diskutieren.

Probleme haben jedoch nicht nur die Schüler, sondern auch das US-amerikanische Schulsystem, das ein paar satirische Hiebe abbekommt. Denn dass es überhaupt zu dieser Im-Meer-Versinken-Situation kommt, ist die Schuld von Offiziellen, die sich nicht richtig um das wackelige Fundament kümmern und Schüler so in einen Überlebenskampf schicken. Das klingt doch alles recht nach den Zuständen vieler US-Schulen, von denen man immer wieder was vernimmt.

Sehen muss man diese Zusammenhänge jedoch nicht, um hier unterhalten zu werden. My Entire High School Sinking Into the Sea ist auch dank einer Länge von 75 Minuten ein kurzweiliges Erlebnis, das ein echter Geheimtipp ist.

/ crs

Trailer Englisch, 01:59