Mister Universo (2016)

Mister Universo (2016)

  1. 90 Minuten

Filmkritik: Wer sucht, der findet.

69° Festival del film Locarno 2016
Gebändigt durchs Gitter.
Gebändigt durchs Gitter. © Studio / Produzent

Tairo (Tairo Caroli) ist ein Raubtierbändiger in einem italienischen Zirkus. Seine Tiger und Löwen sind zwar schon etwas altersschwach oder aggressiver drauf als nötig, aber er hat sie immer noch im Griff. Sorgen macht Tairo vor allem, dass ihm gerade einer seiner Tiger verstorben ist. Die allabendliche Show darf deswegen nicht langweiliger werden. Die Frau in seinem Leben ist die Kontorsionistin Wendy (Wendy Weber), die er wohl irgendwann mal heiraten wird - wenn denn nicht vorher einer von Tairos Raubkatzen sich das kleine Hündchen von Wendy als Zwischenmahlzeit schnappt.

Keine Angst vorm schwarzen Mann.
Keine Angst vorm schwarzen Mann. © Studio / Produzent

Als Tairo im Streit mit anderen Zirkusleuten aber ein Talisman abhandenkommt, will er eine Woche frei nehmen und sich Ersatz besorgen. Er hat das gebogene Eisenstück als Kind vom Bodybuilder Arthur Robin, dem ersten schwarzen Mister Universum, geschenkt bekommen. Es hat ihm bisher Glück gebracht und er braucht es wieder. Tairos Pause von der Unterhaltungsbranche nervt aber nicht nur den Zirkusdirektor, dem eine Lücke im abendlichen Programm droht, sondern auch Wendy, die ihrem Freund auf ihre ganz eigene Art zu helfen versucht. Wird Tairo den alten Mister Universum ausfindig machen?

Die Grenzen vom Dokumentarischen zum Fiktiven sind in Mister Universo fliessend. Die Schausteller spielen sich selber, und wie in Wild Women: Gentle Beasts spielt die nostalgische Melancholie einer aussterbenden Zunft eine grosse Rolle. Einen kleinen Gastauftritt hat z. B. die Schimpansen-Dame, die mit Adriano Celentano in Bingo Bongo auftrat. Der Film funktioniert vor allem wegen dieser Authentizität. Beim Plot passiert genau so viel, damit die gutmütigen Figuren in die richtige Richtung getrieben werden. Bei aller Einfachheit geht das auch ans Herz. Schliesslich ist man "una grande famiglia"!

Roland Meier [rm]

Roland sammelt 3D-Blu-rays, weil da die Publikationen überschaubar stagnieren, und kämpft im Gegenzug des Öfteren mit der Grenze der Speicherkapazität für Aufnahmen bei Swisscom blue TV. 1200 Stunden Film und Fernsehen ständig griffbereit sind ihm einfach nicht genug.

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