Miss Sloane (2016)

Miss Sloane (2016)

Die Erfindung der Wahrheit
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  3. 132 Minuten

Filmkritik: Kein Globi in der Lobby

"Ich würde gerne ein 'O' wie 'Oscar' kaufen."
"Ich würde gerne ein 'O' wie 'Oscar' kaufen."

Von ihren Auftraggebern geliebt, von ihren Gegnern gehasst: das ist die Lobbyistin Elizabeth Sloane (Jessica Chastain), die sich mit ihren Methoden zwar immer am Rande der Legalität bewegt, damit jedoch Erfolg hat. Ihre Zielstrebigkeit und Erfolgsquote hat sich in Washington herumgesprochen, und so wird sie eines Tages von der Waffenlobby kontaktiert. Deren Verantwortlichen möchten verhindern, dass ein Gesetz zur stärkeren Kontrolle und Durchleuchtung der persönlichen Hintergründe von Waffenbesitzern vor den Kongress gebracht werden soll.

Sie hat definitiv die Hosen an.
Sie hat definitiv die Hosen an.

Doch anstatt den Job anzunehmen, schlägt sie sich auf die Seite des Idealisten Rodolfo Schmidt (Mark Strong) und seiner Firma, die den Gesetzesentwurf lanciert hat. Eine Tatsache, welche die Waffenlobby überhaupt nicht gerne sieht. Sloane sieht sich fortan einem mächtigen Gegner gegenüber, der alles versuchen wird, um sie und ihre Mitstreiter zu Fall zu bringen - koste, was es wolle.

Der spannende und rasant erzählte Polit-Thriller Miss Sloane überzeugt mit einer wunderbaren Jessica Chastain als toughe Lobbyistin und einem interessanten Plot, der auf emotionaler Ebene funktioniert und zum Nachdenken über kaputte politische Systeme anregt. Ein kleiner Geheimtipp.

Man mag sich bei Miss Sloane zwischendurch ein bisschen wie in einem Aaron-Sorkin-Film vorkommen. Der bekannte Drehbuchautor schrieb geschliffene, schnelle und preisgekrönte Dialoge, unter anderem für David Finchers Facebook-Film The Social Network und die von ihm erschaffene TV-Serie The Newsroom. Da geht es oft Schlag auf Schlag, sodass ein Gespräch zwischen zwei Personen mehr mit einem Tennismatch gemein hat als mit einem lockeren Schwatz. Doch Miss Sloane ist nicht von Sorkin, sondern von dem 32-jährigen Jonathan Perera, für den es sein erstes Skript war. Es ist beachtlich, was er auf die Beine gestellt hat, und mit der grossartigen Jessica Chastain wurde eine dankbare und überzeugende Abnehmerin für seine Textzeilen gefunden.

Shakespeare in Love-Regisseur John Madden spielt diese Trümpfe clever aus. Das Drehbuch erlaubt es, ein hohes Tempo zu gehen und Madden nutzt dies. Die Erzählung ist geradezu rasant, und man muss schon den Kopf dabei haben, um den schnellen Gesprächen folgen zu können. Das grosse Ganze bleibt aber immer in Sicht, und so muss man nicht alles bis ins kleinste Detail verstanden haben, um der Handlung zu folgen.

Letzen Endes geht es um den Kampf Gut gegen Böse, hier "Vernunft vs. Waffenlobby". Ein Konflikt, der besonders in den USA immer wieder diskutiert wird, während hierzulande oftmals nur der Kopf geschüttelt werden kann. Egal, ob bei Kopfschüttler oder Sturkopf, das Thema beinhaltet emotionalen Sprengstoff und sorgt dafür, dass während des Filmes die Emotionen auch beim Zuschauer auf und ab gehen.

Miss Sloane zeigt aber auch, mit welchen Mitteln gekämpft wird; Mitteln, die nicht immer sauber sind. Es wird mit Druck Einfluss auf Entscheidungsträger genommen, und dabei werden auch mal Schicksalsschläge zum Vorteil umgemünzt. So wird der Film auch zur Anklage an ein System, in dem nicht unbedingt jener Recht erhält, der im Recht ist. Inmitten diesem wüsten Kampf schlägt sich Chastain wunderbar als kontrollierendes Biest, das alle Tricks zu kennen scheint und der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Sympathisch ist diese fast schon kalkulierende Maschine nicht unbedingt, aber es macht eine Freude, dieser starken Frau und dem Spiel Chastains zuzusehen.

Fraglich ist jedoch, wofür es einen Subplot mit einem männlichen Escort gebraucht hat, da er am Ende nicht besonders relevant ist. Auch ist das Ende etwas dick aufgetragen und mutet fast ein bisschen billig an. Doch dieser Politthriller unterhält für zwei Stunden wunderbar, weshalb wir dies Miss Sloane nicht zur Last legen wollen. Wir bei OutNow.CH spielen nämlich fair und geben diesem Film die Wertung, die er verdient hat: 5 Sterne.

/ crs

Kommentare Total: 3

Conor

Dialogschwangerer Lobbyisten Thriller mit herausragendem Cast, angeführt von einer brillanten Jessica Chastain.

andycolette

Heute gesehen sensationell und genau für eine so Hammer Darstellerin wie Jessica Chastain gemacht ! Wohl die beste Frau in Hollywood muss dann nochmals gehen und so intelligent!!

crs

Filmkritik: Kein Globi in der Lobby

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