The Mermaid - Mei Ren Yu (2016)

The Mermaid - Mei Ren Yu (2016)

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  2. 94 Minuten

Filmkritik: Wasser-Kraft

NIFFF 2016
Aus dem Wasser, marsch!
Aus dem Wasser, marsch! © Studio / Produzent

Der Unternehmer Liu Xian (Deng Chao) hat so ziemlich alles im Leben, was man sich nur wünschen kann: viel, viel Geld, immense Macht und jede Menge Frauen. Für sein neuestes ambitioniertes Meererschliessungs-Projekt haben er und seine schöne Geschäftspartnerin Ruolan (Zhang Yuqi) das Naturschutzgebiet "Grüner Golf" gekauft, wo sie mittels des sogenannten Sonar-Verfahrens Schallwellen ins Meer senden, um so das Wasser von Schädlingen zu säubern.

Was Xian aber nicht weiss: Im Grünen Golf leben zahlreiche halb-menschliche, halb-tierische Meerbewohner, die vom Sonar-Verfahren krank werden oder sogar sterben. Aus diesem Grund hat das Meervolk unter seinem Anführer, einem Tintenfisch-Menschen (Show Luo), entschieden, Xian zu töten. Dafür auserkoren wird die schöne Meerjungfrau Shan (Lin Yun). Der Plan: Shan soll sich als Frau verkleidet an einer Party an den Unternehmer heranmachen, diesen verführen und in eine Falle locken. Der erste Teil des Auftrags ist nicht besonders schwer, denn Xian zeigt sich fasziniert von der mysteriösen Frau, die so gar nicht auf sein Geld aus zu sein scheint. Dumm nur, dass auch Shan langsam Gefühle für ihren Widersacher entwickelt...

"Made in China" muss nicht immer auf Billigware hindeuten: The Mermaid hat einiges gekostet und im Produktionsland das Vielfache davon eingespielt. Und auch hinsichtlich Qualität ist der Film von Stephen Chow alles andere als billig: Die lüpfige Meerjungfrau-Rom-Com vermag mit ihrem augenzwinkernden Charme auch die europäischen Zuschauer zu begeistern, sofern sie bereit sind, sich durch die etwas gewöhnungsbedürftigen ersten Filmminuten zu kämpfen. Empfehlenswert!

So sieht also ein chinesischer Blockbuster aus. The Mermaid schlug im Reich der Mitte ein wie eine Bombe: Mit Einnahmen von 40 Millionen US-Dollar am ersten Tag legte er den bis dato erfolgreichsten Box-Office-Start eines chinesischen Filmes hin und den zweiterfolgreichsten Premierentag überhaupt, geschlagen nur von Furious 7. Rund einen Monat später war es bereits der erfolgreichste Film an Chinas Kinokassen und der erste Film, der dort die 500-Millionen-Dollar-Grenze sprengen konnte.

Funktioniert chinesisches Blockbusterkino auch im Abendland? Zunächst macht dies nicht gerade den Eindruck. Der Einstieg ist lustig gemeint, wirkt allerdings eher wirr, überdreht und hysterisch - und vor allem überfrachtet. Die Charaktere werden nicht sauber eingeführt, stattdessen gibt's auf leeren Magen Slapstick-Einlagen, die jedoch nicht so richtig wirken. Angesichts des überwältigenden Erfolges in China mag der europäische Filmfan dabei schon ein wenig darüber nachgrübeln, ob es wohl auch an den kulturell bedingten Unterschieden liegt, dass man diesen China-Humor einfach nicht witzig findet.

Doch siehe da: Ist die erste halbe Stunde mal überstanden, hat man sich erstmal an die Protagonisten gewöhnt, zündet der Funke plötzlich doch noch. Und wie. The Mermaid entwickelt sich zu einer romantischen Komödie im besten Sinne, mit absurd-witzigen Szenen einerseits, mit stimmungsvoller Romantik andererseits. Und sogar ein Schuss Sozialkritik ist enthalten: Die von Xian verwendete Sonar-Technik gibt es nämlich tatsächlich, und sie wirkt sich tatsächlich auch schädlich auf die Vegetation im Meer aus. Diesen Hauch von Öko-Bewusstsein in einem chinesischen Mega-Blockbuster auszumachen, ist nicht nur angenehm, sondern widerlegt auch einige vielleicht etwas vorschnell gefasste Vorurteile bezüglich Chinesen, die sich einen Deut um die Umwelt scheren.

Überhaupt unterscheidet sich der Film von Shaolin Soccer-Regisseur Stephen Chow gerade durch eine gewisse unverbrauchte Frische von amerikanischen oder europäischen Blockbuster-Kollegen. Hier ist nichts durchkalkuliert, und wenn doch, dann wird es von der Spielfreude der gut aufgelegten Darsteller souverän verdeckt. Mit ihrem Charme schaffen sie es so, auch die Herzen derjenigen Zuschauer zu erobern, die bei chinesischen Filmen sonst nur Ping Pong verstehen.

Simon Eberhard [ebe]

Aufgewachsen mit Indy, Bond und Bud Spencer, hatte Simon seine cineastische Erleuchtung als Teenager mit «Spiel mir das Lied vom Tod». Heute tingelt er durch Festivals und mag Krawallfilme genauso wie Artsy-Farts. Nur wenn jemand einen Film als «radikal» bezeichnet, rollt er genervt mit den Augen.

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