London Has Fallen (2016)

London Has Fallen (2016)

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  3. 99 Minuten

Filmkritik: Escape from London

Ein Butler für alle Fälle
Ein Butler für alle Fälle © Impuls Pictures AG

Der britische Premierminister ist an einem Herzinfarkt gestorben. Für seine Beerdigung werden die führenden Staatsmänner der Welt nach London eingeladen, darunter auch der amerikanische Präsident Benjamin Asher (Aaron Eckhart). Dessen Sicherheitschefin Lynne Jacobs (Angela Bassett) gefällt dieser Auslandtrip jedoch gar nicht, da es nicht genug Zeit für die Vorbereitung gibt. Doch trotzdem versichert Ashers Bodyguard Mike Banning (Gerard Butler), dass alles gutkommen werde.

Kuschelweicher Actionheld
Kuschelweicher Actionheld © Impuls Pictures AG

Doch Pustekuchen. Just in dem Moment, als Asher mit seiner Gefolgschaft bei der St. Paul Kathedrale ankommt, gibt es mehrere Anschläge auf die englische Hauptstadt, bei dem fast alle geladenen Staatschefs ums Leben kommen. Dank der Hilfe von Banning kann Asher nochmals entkommen, doch nun machen Hunderte von Terroristen Jagd auf das Duo. Völlig auf sich alleine gestellt, muss Banning nun versuchen, den Präsidenten ausser Land zu bringen, bevor er in die Hände der Terroristen fällt. Diese planen, den US-Präsidenten vor laufender Kamera hinzurichten.

London Has Fallen, die Fortsetzung des Actionkrachers Olympus Has Fallen, gefällt wieder dank starker Mann-zu-Mann-Action, doch wenn immer Visual Effects hinzugefügt werden, wird man aus dem Film geworfen. So kommt der Film trotz ein paar tollen Sequenzen wie einer One-Shot-Actionszene nicht an den Vorgänger heran.

Olympus Has Fallen hiess der Gewinner des Die-Hard-Im-Weissen-Haus-Filmduells, bei dem White House Down den Kürzeren zog. Zurecht, denn der Film von Antoine Fuqua war mit kernigeren Helden, besserer Action und weniger Kitsch auch der bessere Film. Als Belohnung gibt es nun eine Fortsetzung, auf die kaum jemand gewartet hat. Diese darf nicht nur die Stärken des Erstlings in einem grösserem Ausmass zeigen, sondern auch deren Schwächen.

Fakt: Olympus Has Fallen hatte im Vergleich zu anderen Hollywoodkisten recht miese Computertricks. Die Explosionen und Rauchschwaden liessen überdeutlich die Herkunft aus dem Rechner erkennen. So war man froh, wenn Gerard Butler ins 1:1 gehen konnte: da war dann jeweils grössenteils alles echt. Da bei einem Sequel natürlich alles grösser sein muss, reicht ein Sprengen eines (Weissen) Hauses natürlich nicht mehr aus. So werden in London Has Fallen Westminster Abbey, Chelsea Bridge und weitere Sehenswürdigkeiten brachial von der Landkarte entfernt. Doch die Effekte sind dermassen unterirdisch, dass man aus dem Film herausgezogen wird.

Der grösste Bock ist jedoch eine frühe Szene mit Morgan Freeman. In den Gängen des Weissen Hauses trifft sein Vizepräsident auf Butlers Bodyguard, und es ist überdeutlich, dass die beiden Schauspieler die Szene nicht gemeinsam gedreht haben. Es sind nur Close-ups ihrer Köpfe zu sehen. Solche Dinge waren in früheren Grindhouse-Filmen gang und gäbe, damit die berühmten Damen und Herren nur kurz ihre Sätze aufsagen mussten und dann wieder vom Set verschwinden konnten. Der Rest der Szene wurde dann so gedreht, dass der Zuschauer das Gefühl hatte, der Star sei wirklich über längere Zeit mit den andern Schauspielern am Set gewesen. Hier ist die Abwesenheit Freemans jedoch so offensichtlich, dass es zu gleichen Teilen peinlich und unfreiwillig komisch ist.

Nachdem London dann also nach etwas weniger der Hälfte der Laufzeit in Schutt und Asche liegt, besonnt sich der Film endlich auf seine Stärken: handgemachte Action. Hier macht Butler wieder eine tolle Figur in einem Szenario, das arg an den John-Carpenter-Klassiker Escape from New York erinnert. Doch nicht nur dort haben sich die Macher bedient: Im Showdown ist ein Track aus dem Mad Max: Fury Road-Score zu hören. Dem Spass tut dies jedoch keinen Abbruch. Vor allem eine mehrminütige Actionsequenz weiss zu gefallen, die wirkt, als hätten die Macher diese in einem Take gedreht. Mit der sauberen Kameraführung ist diese Szene eine Wohltat für alle, welche die olle Wackelkamera satt haben.

So macht die zweite actiontechnisch bessere Hälfte einiges von der ersten wieder gut. Für den kurzen Actionspass für zwischendurch reicht London Has Fallen völlig aus. An das erste Abenteuer des Mike Banning kommt diese Fortsetzung aber nicht heran.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Kommentare Total: 3

bloodout

Action gut ,Schauspieler auch o.k,doch leider :Ein Film zum 1 mal schauen das wars ,mehr gibt es von mir nicht zu sagen ,habe genau das erwartet!
Butler ist ein cooler Held doch BITTE kein PARIS HAS FALLEN !

muri

Gute erste Hälfte, danach zwar actionreicher, aber halt schon altbekannt.

Butler ist okay und erinnert halt an Jack Bauer ("24").

Okay zum einmal gucken.

crs

Filmkritik: Escape from London

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