Live by Night (2016)

Live by Night (2016)

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  2. 129 Minuten

Filmkritik: Der Klügere kippt nach

They See Me Rollin'
They See Me Rollin' © 2016 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Boston, 1926: Trotz Alkoholverbots, der Prohibition, fliesst das sogenannte Feuerwasser noch immer in Strömen. In geheimen Brauereien arbeiten Schmuggler und Gangster unter einem Dach und versorgen die Stadt mit Schnaps. Ein gefährlicher Job, der zwar den schnellen Reichtum verspricht, aber auch rasch mit einer Kugel im Kopf enden könnte. Das weiss auch Ganove Joe Coughlin (Ben Affleck), der Sohn des Polizeichefs (Brendan Gleeson). Mit kriminellen Geschäften finanziert er seinen Lebensunterhalt und seine Affäre mit der Freundin des irischen Mafiabosses Albert White (Robert Glenister). Es kam, wie es kommen musste und Joe endet nach einem schiefgelaufenen Job im Spital und muss sich von Boston verabschieden.

What would Batman do?
What would Batman do? © 2016 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Wieder gesund macht sich Joe auf den Weg nach Tampa, wo er das Alkoholgeschäft ankurbeln und seinem Widersacher White die Kunden stehlen will. Zusammen mit seinen neuen kubanischen Freunden steigt er die Karriereleiter empor und wird zum Star der Stadt. Doch nicht alle unterstützen den Erfolg des irischen Geschäftsmanns. Seine Bostoner Vergangenheit holt ihn ein, aber auch der Ku-Klux-Klan und die Kirche stehen mit dem Ganoven auf Kriegsfuss. Ein Kräftemessen, das Joe eigentlich nur verlieren kann.

Über vier Jahre nach dem Erfolg von Argo nimmt Ben Affleck erneut auf dem Regiestuhl Platz. Natürlich spielt er in seinem neusten Film auch gleich die Hauptrolle und als Produzent fungierte er ebenfalls. Live by Night ist Drama, Thriller und eine gehörige Portion Crime-Noir. Trotz vielen Wendungen und anständiger Spannungsschraube fehlt dem Werk der nötige Fokus, um Ordnung in das Genrechaos zu bringen und in vielen Einstellungen auch die letzte Konsequenz, um einen Hit zu landen. So ist Live by Night ein ansprechender Film, der aber mit etwas mehr Feinschliff zum Preishamster hätte werden können.

Mit Argo gewann Ben Affleck an den Academy Awards 2013 den Oscar für den besten Film, den wohl wichtigsten Filmpreis überhaupt. Seitdem hat sich beim Regisseur, Produzenten und Schauspieler aus Kalifornien einiges geändert. Neben überzeugenden (Gone Girl) und weniger überzeugenden (Runner, Runner) Schauspielleistungen schrieb Affleck vor allem als neuer Batman Schlagzeilen. Nach Christian Bale war es für viele ein Schock, in Zukunft den Ex von Jennifer Lopez im Fledermauskostüm zu sehen. Batman v Superman: Dawn of Justice blieb erwartungsgemäss einiges schuldig und Afflecks Kritiker sind nicht weniger geworden. Es wird definitiv Zeit, ein paar wohlwollende Worte für den bemühten Hollywoodstar zu finden.

Mit Live by Night, seiner ersten Regiearbeit nach Argo, präsentiert er einen 129-minütigen Noir-Krimi, der sich etwas gar ernst nimmt und bei dem das Einmaleins des Film Noirs in jeder Einstellung erkennbar ist. Dies ist nicht schlecht, allgemein ist Live by Night kein schlechter Film, doch immer wieder wird den Zuschauern bewusst, was für Potenzial hier ungenutzt bleibt. Nichtsdestotrotz ist Afflecks neuster Film ein ansprechender und unterhaltsamer Krimi, der viele Wendungen bietet und nur im Mittelteil einige Längen aufweist. Schauspielerisch bleibt Affleck wie auch sein ganzer Cast zahm, was aber auch mit den nicht besonders anziehenden Figuren zusammenhängt. Einzig Elle Fanning kann mit ihrer interessanten Rolle positiv herausstechen. Grosse Namen wie Brendan Gleeson, Sienna Miller oder Zoe Saldana erhalten aber kaum Chancen, um ihr Können unter Beweis zu stellen.

In Live by Night dreht sich vieles um die Prohibition und den dazugehörigen Alkoholschmuggel. Bereits in der hochgelobten HBO-Serie Boardwalk Empire oder in John Hillcoats Crime-Drama Lawless wurde dieses Thema aufgegriffen, ebenso Konfrontationen mit dem Ku-Klux-Klan und der Mafia. Das ist auch gleich das Hauptproblem von Afflecks Schnapsthriller. Der Film wirkt oft ein wenig verwässert und risikoscheu. Der Plot ist zwar bis auf ein paar wenige Ausnahmen spannend, aber leider fehlt der Wow-Effekt auf ganzer Linie. Live by Night ist wie Ben Afflecks Batman; gut, aber nicht bahnbrechend.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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Kommentare Total: 4

Ghost_Dog

Nicht übel, hoffe das gibt dem genre wieder etwas aufwind. Guter film der unterhält, aber zum gaaanz grossen wurf fehlt das quäntchen extrapower...

ma

Eastwood hätte den Bruder von Afflecks Figur gespielt. Fiel wohl der Schere zum Opfer. Anscheinend soll ja im Buch noch ein grosser Teil im Charlestown Gefägnis gespielt haben.

behar

Scott Eastwood spielt in diesem Film? Hab ihn nicht gesehen ;)

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