Little Men (2016)

Little Men (2016)

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  3. 85 Minuten

Filmkritik: Sorry for your loss

12. Zurich Film Festival 2016
Just chillin'.
Just chillin'. © Look Now!

Nach dem Tod seines Vaters zieht der wenig erfolgreiche Schauspieler Brian Jardine (Greg Kinnear) mit seiner Familie, seinem 13-jährigen Sohn Jake (Theo Taplitz) und seiner Frau Kathy (Jennifer Ehle) von Manhattan nach Brooklyn ins Haus des Verstorbenen. Im neuen Heim lernt Jake den extrovertierten Tony (Michael Barbieri) kennen. Tony ist nicht nur im gleichen Alter wie Jake, sondern interessiert sich auch für die Hobbys des Aussenseiters. Schnell entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden Jungs.

Last(er) des Lebens
Last(er) des Lebens © Look Now!

Tonys Mutter Leonor (Paulina García) führt einen eigenen Schneiderladen und ist Untermieter bei Jakes Vater Brian. Zu dessen Vater hatte sie stets ein enges Verhältnis und bezahlte daher nur eine sehr niedrige Miete. Ein Betrag, den Brians Familie nicht akzeptieren kann. Während Jake und Tony zusammen Zukunftspläne schmieden, gerät die Diskussion der Eltern über den neuen Mietvertrag aus den Fugen - ein Krieg der Generationen bricht aus.

Little Men handelt davon, wie zwei Parteien über Geld streiten, während sich deren Kinder anfreunden und zusammen über ihre Zukunft nachdenken. Klingt nicht besonders spannend, ist es eigentlich auch nicht. Ira Sachs' Film hat so gut wie keine Höhepunkte, lebt den Grundsatz 'weniger ist mehr' und verlässt sich komplett auf den erschreckend ehrlichen Alltag. Dies macht der US-Amerikaner aber in einer Art und Weise, die kaum Vorwürfe zulassen. Little Men versprüht zwar keine Kinomagie, dafür viele Wahrheiten über das Leben.

Mit der Weltstadt New York hat der US-Regisseur Ira Sachs wohl seinen Lieblingsfilmschauplatz gefunden. Nach Keep the Lights on und Love is Strange kehrt er zum dritten Mal in den Big Apple zurück. Sein neustes Werk Little Men ist ein kleiner und sanfter Film. Er erzählt eine einfache Geschichte aus dem Leben zweier Familien, thematisiert den Immobilienmarkt Brooklyns, die Magie der Freundschaft und wie diese beiden Komponenten einen Streit der Generationen auslösen.

Nach Love is Strange lag der Verdacht nahe, dass sich Sachs wiederum mit der gleichgeschlechtlichen Liebe beschäftigt. Ein Thema, das der Regisseur hier aber unerfreulicherweise nur, wenn überhaupt, unterschwellig andeutet. Dafür bleibt bei der kurzen Spieldauer von knapp 90 Minuten auch gar keine Zeit, denn Sachs hält den Fokus nebst der 'grossen' Freundschaft der Kleinen auch auf die für Kinderaugen 'kleinen' Probleme der Grossen.

Vorwürfe kann man Sachs nur wenige machen. Sein Film macht eigentlich so gut wie keine Fehler. Sein Cast spielt hervorragend, vor allem die beiden Jugendlichen geben eine exzellente Performance ab. Viele interessante Aspekte werden aber nur angedeutet und spannende Entwicklungen werden von der Realität eingeholt. Little Men ist aus dem Leben gegriffen und damit schon fast ärgerlich ehrlich.

/ yan