Lady Macbeth (2016/I)

Lady Macbeth (2016/I)

  1. 90 Minuten

Filmkritik: What happens in the North stays in the North

12. Zurich Film Festival 2016
First Ave Maria, then sex
First Ave Maria, then sex © Studio / Produzent

1865: Die 17-jährige Katherine (Florence Pugh) wird mit einem viel älteren Mann verheiratet und lebt fortan in dessen Haus, das sie nicht verlassen darf. Ihre Tage verbringt Katherine gelangweilt herumsitzend und aus dem Fenster schauend. Als ihr Gatte mit seinem Vater (Christopher Fairbank) eines Tages geschäftlich verreist, packt Katherine die Gelegenheit und erkundet die ländliche Gegend um das Haus. Dabei lernt sie den Arbeiter Sebastian (Cosmo Jarvis) kennen. Aus der Bekanntschaft wird schnell eine leidenschaftliche Affäre, die an der Dienerschaft nicht unbemerkt vorübergeht.

Als ihr Schwiegervater zurückkehrt, erfährt Katherine schnell, dass ihre nächtlichen Eskapaden bereits wohlbekannt sind. Sebastian bekommt die Konsequenzen dafür körperlich zu spüren und Katherine wird von ihrem Schwiegervater auf ihren Platz verwiesen. Doch so schnell gibt sie sich nicht geschlagen, denn die Liebschaft mit Sebastian hat in ihr ein Feuer entfacht, das sie nicht kampflos wieder erlöschen lässt.

Lady Macbeth ist düster, kalt und brutal. Die Stimmung der Geschichte überträgt sich sehr gut auf das Publikum und hinterlässt vorwiegend negative Gefühle. Die Schauspielerinnen und Schauspieler leisten solide Arbeit. William Oldroyds Erstlingswerk ist nichts für Zartbesaitete und braucht Sitzfleisch, doch es bleibt sehenswert.

Lady Macbeth spielt im kalten Norden Englands Mitte des 19. Jahrhunderts. William Oldroyd gelingt es meisterlich, die Kälte des Nordens sowie den furchtbar langweiligen Alltag von Katherine auf der Leinwand umzusetzen. Das erste Filmdrittel ist genau so wie das Leben der Protagonistin: langweilig, fad und öde. Im Allgemeinen erzeugt Lady Macbeth ein ungutes Gefühl. Ausser einigen Szenen mit wirklich schwarzem Humor gibt es keine Heiterkeit. Von der kargen Landschaft über den kalten, abweisenden Ehemann bis zu den schweigsamen Bediensteten - die düstere Grundstimmung des Films überträgt sich auf das Publikum.

Florence Pugh bewältigt die anspruchsvolle Rolle der Katherine problemlos. Obwohl sie besonders zu Beginn der Geschichte das Opfer darstellt, glückt ihr der Wechsel zur kaltherzigen Frau reibungslos. Dies könnte aber auch daran liegen, dass ihr Gesicht die meiste Zeit völlig ausdruckslos bleibt. Erwähnenswert ist Naomi Ackie als Dienstmädchen Anna. Im Gegensatz zu Florence Pugh ist sie ein offenes Buch. Obwohl sie kaum spricht, schafft es Naomi Ackie, durch reine Mimik ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Es fällt schwer, viel über Lady Macbeth zu schreiben. Wie der Film selbst spärlich inszeniert ist, scheint es auch passend, eine spärliche Review darüber zu schreiben, wobei die kühle, düstere Stimmung der Geschichte hier nur sehr schlecht wiedergegeben werden kann. Es bleibt lediglich noch zu sagen, dass diese Verfilmung des gleichnamigen Buches von Nikolai Leskov zwar sehenswert ist, nicht jedoch für Zartbesaitete. Obwohl es kein blutrünstiger Actionstreifen ist, bleibt es ein brutaler Film, der bei den Zuschauenden ausschliesslich negative Gefühle zurücklässt, die noch einige Zeit nach Filmende nachhallen.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

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Trailer Englisch, mit deutschen Untertitel, 02:41