Bad Cat - Kötü Kedi Serafettin (2016)

Bad Cat - Kötü Kedi Serafettin (2016)

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  2. 80 Minuten

Filmkritik: Das verruchte Leben meiner Katze

NIFFF 2016
Auf dem Klo eine rauchen und die Kippe dann lässig ins Katzenklo schnippen.
Auf dem Klo eine rauchen und die Kippe dann lässig ins Katzenklo schnippen. © Studio / Produzent

Türkei, Istanbul. Über den Dächern der geschäftig treibenden Stadt lebt Shero, ein mürrischer Kater. Gesellschaft erhält er von der Möwe Rifki und der Ratte Riza, welche mit ihm zusammen auf der Dachterrasse des öfteren ein BBQ veranstalten und dazu den nötigen Alkohol zu besorgen versuchen. Sheros Leben besteht hauptsächlich aus Fluchen, Rauchen, Saufen und dem Aufreissen hübscher Kätzchen. Zusammen mischen die drei ungleichen Tiere die Stadt auf.

Dies ändert sich anfangs auch kaum, als Sheros angeblicher Sohn auftaucht, in der Hoffnung, bei ihm bleiben zu können - jedoch umso mehr, als er sich in die weisse Schönheit Misscat verliebt. Fortan unternimmt er alles, um diese zu beeindrucken und ihr Herz für sich zu gewinnen. Ein wildes Abenteuer gegen einen abgedrehten Katzenbesitzer, eine Strassenhunde-Gang und gegen den eigenen inneren Schweinehund hetzt den Garfield auf Kokain durch halb Istanbul.

Ein einzigartiges Werk, würde man meinen, wäre da nicht der im Jahre 2015 erschienene polnische George, The Hedgehog, welcher sich thematisch in einer ähnlichen Sphäre wie Bad Cat bewegt - mit dem Unterschied, dass dort ein Igel flucht, säuft und Frauen flachlegt, während es hier ein Kater ist. Ebenso ist das polnische Werk stärker handgezeichnet als Bad Cat, welcher jedoch sehr schön und detailreich animiert ist. Der Film ist sehr amüsant und geizt nicht mit Unter-der-Gürtellinie-Humor. Ein Jahrhundertwerk ist das bestimmt nicht, da ist die Story zu seicht und vorhersehbar ist. Für einen Filmabend mit Bier und Chips ist er aber wahrlich zu empfehlen.

"Was zur Hölle?" wird man sich denken, kaum hat man den Plot gelesen oder den Trailer zu Bad Cat gesehen. Wer kommt auf solche Ideen? Oder welche Droge muss ich nehmen, um ebenfalls solche Einfälle und kreativen Auswürfe zu bekommen/respektive zu generieren? Basierend auf der Comic-Serie "Kötü Kedi Serafettin" von Bülent Üstün, setzten Ayse Ünal und Mehmet Kurtulus diese Ideen um.

Mit einer Laufzeit von jediglich 84 Minuten, kommt der Film kurz und knackig daher - nicht zu kurz, jedoch auch zu keiner Zeit zu lange oder langsatmig. Jede Minute des neusten Werkes des grössten türkischen Animationsstudios Anima Istanbul ist pure Unterhaltung und ein wahrer Genuss.

Schon lange sorgte keine Komödie mehr für solche Lacher und Tränen-in-die-Augen-treibende Momente. Man kann sich kaum erholen, folgt doch auf eine witzige Szene eine noch viel lustigere. Wenn dann Sheros Sohn beim Banküberfall den Tresor mit Leichtigkeit knackt, die Ratte Riza versucht, das gesamte Geld aus der Bank mitzunehmen, dann kugelt man sich nur noch im Kinosessel.

Ok, man muss dem derben Unter-der-Gürtellinie-Humor schon etwas zugeneigt sein, besonders tiefsinniger oder sarkastischer Humor wird nicht gezeigt. Auch kleine, feine Szenen sind gespickt mit Humor, zum Beispiel, wenn die Möwe Rifki und die Ratte Riza sich gemeinsam auf den Weg machen, den vom Kater Shero heissgeliebten Alkohol zu besorgen für das gemeinsame Barbecue. Die Charaktere sind wunderbar nuanciert gezeichnet, jede Figur besitzt ganz bestimmte und eigene Eigenschaften, die sie jeweils ausmachen. Shero ist der Rüpel in der Runde, für den räudigen Kater zählen nur Fressen, Alkohol, Zigaretten und das Flachlegen von Kätzchen. Er ist egoistisch und immer für einen derben Spruch zu haben. Mit der andauernden Laufzeit des Werkes und vor allem dem Erscheinen von Misscat und seinem Sohnemann ändert er sich allerdings zum Positiven, wird reifer und übernimmt Verantwortung, was schön mitanzusehen ist.

Riza kommt besonders gerissen daher, hat stets eine grosse Klappe, aber auch genügend Grips, was man von der Möwe Rifki nicht unbedingt behaupten kann. Sie agiert mehr als Hampelmann zwischen Riza und Shero. Riza ist dann auch der einzige, der es wagt, Shero Konter zu geben und ihm entgegenzuhalten. Eine gelungene Kombination, welche durch weitere skurrile Nebencharaktere ergänzt wird. Auch die Menschen, welche vorkommen, jedoch eher nebensächliche Rollen einnehmen, passen gut ins Gesamtbild. Ein rockiger Soundtrack zu Beginn artet bei den Prügelszenen in Ska-Musik aus, was ausgezeichnet passt. Die ruhigeren Momente werden mit klassisch türkischer Musik untermalt.

Einige interessante Kamerafahrten gibt es vor allem zu Beginn, als die Kamera über die Dächer und durch die engen Gässchen Istanbuls schweift. Auch später, wenn sie beim Schrei des Herrchens nach dem Tod von dessen Katze hochschweift, verharrt und dann zurückrast, bringt dies Bewegung in das Werk - mehr noch, als ohnehin schon vorhanden ist.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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