Kiki (2016)

Kiki (2016)

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Filmkritik: Der Tanz um Akzeptanz

12. Zurich Film Festival 2016
"There is much left to fight for."
"There is much left to fight for." © Studio / Produzent

Heute sind die gleichgeschlechtliche Ehe oder auch Geschlechterumwandlungen in vielen Ländern weit weniger missbilligt als auch schon. Die Black LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) Community in New York fühlt sich dennoch an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Regelmässig werden die Mitglieder mit Homophobie oder Zurückweisung anderer Menschen konfrontiert.

Deshalb kämpfen sie immer noch um Akzeptanz. Ihre Botschaft lautet: Jeder ist einzigartig. Und das darf und soll er auch sein. Und um diesen Individualismus ausleben zu können, trägt die LGBT-Community New Yorks Voguing-Wettbewerbe aus. Voguing bezeichnet einen Tanz, der, vereinfacht gesagt, den Gang eines Models auf dem Laufsteg mit ausschweifenden und geraden Bewegungen imitiert. Hinzu kommen Elemente, die an rhythmische Gymnastik erinnern. Doch nicht nur die Performance, auch die Bekleidung wird von der Jury mitbewertet. Die Teilnahme erfordert also viel Disziplin und Durchhaltevermögen.

Dass Homophobie und Rassismus noch im 21. Jahrhundert nicht Geschichte sind, ist nichts Neues. Wie die LGBT-Community mit ihren Voguing-Wettbewerben versucht, um Akzeptanz zu kämpfen, schon eher. Zwar geht die Dokumentation auf Einzelschicksale, Ängste und Probleme der Community ein, doch das Ventil dieser, das Voguing, kommt leider zu kurz.

Auf den ersten Blick bietet Kiki nicht viel Neues in Bezug auf genderpolitische Themen. Dass Homosexuelle und Transgender längst nicht überall und bei jedem auf Akzeptanz stossen, ist ein weltweites Problem. Diesbezüglich leistet der Film also keine Pionierarbeit. Was die Dokumentation auszeichnet, ist die Fokussierung auf eine spezifische Bewegung, die Black-LGBT-Community New Yorks mit ihren Voguing-Wettbewerben. Dadurch, dass die Community über einen längeren Zeitraum gefilmt wurde, erfahren die Zuschauer, wie viel Akzeptanz und Unterstützung jedem Individuum begegnet. Ob bei Tanzproben oder privaten Problemen. Wo Not am Manne - oder an der Frau - ist, hilft man sich.

Zudem verdeutlicht Regisseurin Sara Jordenö, was die Community überhaupt so eng zusammenhält. Nicht nur die Freude am Voguing oder die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben spielen eine Rolle, auch der Tod nimmt einen zentralen Platz ein. Dies vor allem durch die Infektionskrankheit HIV. Dass diese in New York im Jahr 2016 weiterhin von zentraler Bedeutung ist, vor allem innerhalb solcher Communitys, mutet als Zuschauer möglicherweise doch etwas überraschend an. Leider geht die Dokumentation auf diesen wichtigen und traurigen Punkt schon nur aus zeitlichen Gründen zu wenig ein.

Auch die Voguing-Turniere und der Tanz als solcher werden im Film vernachlässigt. Zwar stellen die Trainings und Wettkämpfe den Handlungsrahmen von Kiki dar, doch der genaue Ablauf und die Kriterien der beurteilenden Jury bleiben eher unklar. Dies ist relativ schade, zumal dieser Tanzstil längst nicht allen Kinobesucherinnen und Besuchern bekannt sein wird.

Ähnlich wie schon Paris is Burning anfangs der Neunziger, stellt Kiki auf eine verständliche Art und Weise eine LGBT-Community vor, mit all ihren Ängsten, Sorgen und Problemen. Auf gewisse Aspekte hätte der Film aber gerne weiter und vor allem tiefer eingehen können.

/ abt