Jason Bourne (2016)

Jason Bourne (2016)

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  2. 123 Minuten

Filmkritik: Jason Bourne - Die Profis sind zurück

69° Festival del film Locarno 2016
Back in Action, Baby!
Back in Action, Baby! © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Nach der Aufdeckung des gigantischen Überwachungsprogramms der NSA durch den eigenen Mitarbeiter Edward Snowden reagiert man bei den Geheimdiensten etwas ungehalten auf Whistleblower und Hacker. Dementsprechend viel Aufmerksamkeit bekommt Nicky Parsons (Julia Stiles), als sie von Island aus versucht, sich in die Datenbank der Central Intelligence Agency zu hacken. CIA-Direktor Robert Dewey (Tommy Lee Jones) beauftragt seine führende IT-Spezialistin Heather Lee (Alicia Vikander) mit der Wiederbeschaffung der streng geheimen Daten.

"Finden sie Jason Bourne!"
"Finden sie Jason Bourne!" © Universal Pictures International Switzerland. All Rights Reserved.

Jason Bourne (Matt Damon) ist nach seinem letzten Abenteuer in New York untergetaucht und verdient sein Geld mit illegalem Kampfringen in den entlegeneren Regionen der Welt. Seine betrübte Einsamkeit wird von Nicky gestört, die ihn nicht nur vor einem neuen CIA-Programm warnen will, sondern auch bisher unbekannte Details zu seiner Vergangenheit parat hält. Inmitten von schweren Krawallen in Athen beginnt die Jagd auf Jason Bourne erneut.

Die Bourne-Trilogie steht vor allem für harte Action und hervorragend inszenierte Verfolgungsjagden, und auch Jason Bourne bietet beides. Der Actionthriller liefert visuell das, was man sich von Paul Greengrass' Rückkehr auf den Regiestuhl der Reihe erhofft hatte. Der Cast ist mit den Neuzugängen Vikander und Jones hochwertig besetzt. Auf der inhaltlichen Ebene wirkt der Film allerdings uninspiriert, sowohl bei den Motiven der Figuren als auch beim bekannten Katz-und-Maus-Spiel zwischen Bourne und der CIA. Die Aktualität der behandelten Themen wirkt zudem aufgesetzt.

Bevor The Bourne Ultimatum 2007 in die Kinos kam, sagte Matt Damon, dass er mit der Rolle abgeschlossen hätte. Paul Greengrass könne ihn in zehn Jahren aber anrufen und mit einer guten Idee zur Rückkehr überzeugen. Dank Damons selbsterfüllender Prophezeiung ist Jason Bourne bereits der vierte Film, den die beiden Hollywoodgrössen zusammen drehen.

Treadstone, Prism, Iron Hand. Die Enthüllungen von Edward Snowden (Citizenfour) lassen die Grenzen zwischen realer und filmischer Welt verschwimmen. Grosse Spionageprogramme, bei denen Geheimdienste Technologiekonzerne dazu verpflichten, die gesammelten Daten mit ihnen zu teilen, sind keine Fiktion mehr. Und so ist auch Bournes Rückkehr von Whistleblowern und Hackern geprägt. Figuren, deren reales Vorbild man erahnen kann, tauchen in der Geschichte auf, spielen jedoch keine zentrale Rolle. Am Ende ist es wieder die gute alte CIA, die auf die Jagd nach Jason Bourne geht.

Matt Damon präsentiert seinen durchtrainierten Körper bereits in der ersten Szene, in der er beim Faustkampf austeilt, seine ergrauten Haare lassen indessen auch Bourne alt erscheinen. Ein Close-up und die folgende Panikattacke geben einen Einblick in seine Psyche. Trotz seiner wiedergewonnenen Erinnerungen wirkt der ehemalige Auftragskiller nicht glücklich. Die Handlung liefert zwar mit einem neuen Detail zu seiner Vergangenheit einen Grund für seine Rückkehr, ganz freiwillig wirkt diese aber nicht. Bourne hat von seinen Fähigkeiten nichts verlernt, es fehlt allerdings die Entschlossenheit alter Tage. Damon spielt den Geheimagenten emotionsloser und wirkt müde. Der Film geht leider nicht weiter auf sein Leiden und die letzten Jahre ein. Bei den anderen Figuren sind die Rollen klar verteilt, der kalte CIA-Direktor, der böse Killer und die CIA-Agentin zwischen den Fronten könnten Fans der Reihe bekannt vorkommen.

Wenn es bei Greengrass zur Action kommt, ist die Bezeichnung unruhige Kameraführung eine Untertreibung. Die Handkamera ist stets in Bewegung, ruckartige Schwenks und schnelle Schnitte lassen den Zuschauer während der langen Verfolgungsjagden nie zur Ruhe kommen. Wenn Jason Bourne mit dem Motorrad durch Athens Innenstadt heizt, ist ständig alles in Bewegung. Von der Inszenierung profitieren auch die Nahkampfeinlagen, die harten Zweikämpfe im Film sind sehr sehenswert.

Die Rückkehr von Jason Bourne ist eine einfache Adaption für das Jahr 2016, die leider kaum Neues mit sich bringt. Im Kern ist es eine Wiederholung der Bourne-Trilogie. Ein weiterer Tag im Leben von David Webb, dessen Geschichte mit dem Bourne Ultimatum eigentlich abgeschlossen war. Schliessfächer, Headsets, U-Bahnen und ein Basecap auf Matt Damons Kopf inklusive. Der Teil der Handlung mit dem Social-Media-Milliardär und dem Kampf um die Privatsphäre wirkt halbherzig. Besonders wenn man sieht, dass Organisationen wie die CIA nichts von ihrer Macht verloren haben, sondern ihnen im Gegenteil noch mehr Ressourcen für die Überwachung der Menschen zur Verfügung stehen. Oder für die Jagd nach Jason Bourne.

Sven Martens [sma]

Sven schreibt seit 2015 als Freelancer bei OutNow. Seine Sehnsucht nach Amerika reicht von Martin Scorseses New York über die weiten Steppen von John Ford bis hin zu Howard Hawks' Traumfabrik in Hollywood. In seiner Freizeit guckt er gerne Filme von Éric Rohmer.

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Kommentare Total: 5

db

Bleibt nach wie for ein müder 24 Abklatsch, der auf allen Ebenen weit hinter der letzten 24 Staffel zurück liegt. Story ist so dünn, dass man sie regelrecht suchen muss, die Selbstfindung wirkt doch arg erzwungen und im vergleich zum völlig kaputten und selbstzerstörerischen Jack Bauer wirkt Jason Bourne einfach blass und planlos.

Es ist wirklich langsam Zeit die Serie einzustampfen, denn es wirkt doch inwischen arg ausgelutscht und verbraucht und hinkt schon eher der Zeit hinterher...

Greef_ch

Der Film unterhaltet gut aber hat nicht mehr diese Intensität welches die Originalreige ausmachte.
Geschichtlich ganz okey, denke die Reihe wird fortgesetzt falls die Einnahmen des 4. Teil stimmen sollten ;)

Matt Damon macht seine Sache gut, obwohl man das Gefühl hat der Wille ist ein wenig gebrochen bei ihm. Ob es Absicht ist oder einfach eine Altererscheinung, da bin ich mir noch nicht ganz sicher.
Tommy Lee auch Super, nur Aliicia Vikander fällt bei mir ein wenig ab.

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Also mir hat es immer noch gefallen. Kommt nicht mehr an Teil 2 und 3 ran, dafür ist der Nebenplot zu wenig interessant. Aber um Welten besser als der Renner Versuch. Die Actionist fantastisch. Die Actionsequenz in Las Vegas gehört zu den besseren Verfolgungsjagden der letzten Jahren.

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